Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 8 (19.2.1848)
- Date
- 1848-02-19
- Page
- Spalte 123-124 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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123 121 Studien. Mendelssohn's und Weffely's Zeit. und wodurch so vicle Schwicngkeiten bet diesem Skudium entstanden sind. - Die Art seines Studiums beim Talmud war ganz wie die des Maimuni und der Rischonim, entfernt von allem Chidud- und Pilpul-Schwindel, hat er nie den Chilukweg eingeschlagen. Zu dieser reinen Ansicht verhalf ihm auch seine richtige Bibelkunde. Sein Kommentar über den Pentateuch ist nicht sehr reichhaltig, blos über den gnostischcn Lheilftäßt er sich in philosophischer und kabbalistischer Hinsicht etwas weitläufiger aus. In der Borrede dazu erzählt sein Sohn: „Auch am Knaben erkennt' man den Mann; in seinem achten Jahre war mein sei. Vater schon den schwierigsten Forschungen ergeben, und'seine höchste Kraft bestand darin, mit ungemeiner Bestimmtheit und Ordnung in seinen Begriffen , die reine Wahrheit zu ergründen. In seinem zwölften Jahre hatte er sich bereits in vielen profanen Wissenschaften umgesehen. Um diese Zeit vereinigten sich in Wilna alte Theologen^ um Maimuni's ymn'-®)Tp durchzugehen. Zu diesem Zweck ließ sich jeder einen Himmelsglobus machen. Am Lage der Zusammenkunft brachte jeder seinen Globus mit, Keiner konnte sich aber darin zurechtsinden, weil der Verfertiger dieser Globen gar keine Kunde von der Sache hatte. Dies'merkte der achtjährig? Knabe, und beschäftigte sich nun täglich eine Stunde mit der Astronomie, und brachte selbst einen solchen Globus zu Stande. Bei der nächsten Zusammenkunft blieb er eine Zeit lang ruhiger Zuhörer; als er aber merkte, daß sich die Alten gar nicht aus ihrem Jrrthume heraussinden konnten, da trat er schüchtern hervor und nach vielen Entschuldigungen über seine Jugend uno schwache Einsicht zeigte er seine Arbeit, wodurch ihnen bald Alles klar wurde. Die höchst erstaunten Greise bezeugten ihren Beifall, entließen ihn segnend und ausrufend: das wird ein großes Licht in Israel! — „Von. dieser Zeit an legte er sich mit allem Fleiß auf Mathematik und Sternkunde. Von Letzterer sagte er oft: Sie ist ja eine Hebräerin! Die Propheten rufen ja aus: „Hebet gew Himmel eure Augen und sehet! Wer schuf diese? Der herausführt ihr Heer u. f. ro." Von der Zeit an beginnt sein Ruf, alle große Männer drängten sich um ihn und riefen aus, wo findet man noch einen solchen Knaben auf dem der Geist Gottes ruht?" „Zu sttnem zehnten Jahre ging er den ganzen Talmud und alle Bücher der Kabbala durch, wobei auch die Nächte nicht geschont wurden. In seinem cilften Jahre ging er den g'anzen Traktat DTOt durch. Ein sehr gelehrter Mann, der ihn. am Morgen besuchte, und dies für eine Unmöglichkeit hielt, cxaminirte ihn darin, und erstaunte mit welcher Leichtigkeit er die schwierigsten Stellen in diesem Traktat erklärte; denn das lag in seiner tiefsten Geistesanlage, alles auf dem geraden Wege zu ergründen". Auch in der Exegese hielt er fest am einfachen Sinn, und außer Raschi und ihm. ähnlichen, hat er nie einen Kommentar auf die Bibel gesehen. „Viele, sagt er in der Vorrede p fetnenrnnN viele machen mir den Vorwurf, daß so manches was ich gesagt, sich schon in den Werken großer Meister finde; das war aber nie meine Sache, solche Werke nachzufchtagen. Ich habe immer gestrebt-, so viel meine Kräfte zuließen, nach eigner Forschung zu lehren". Ihn traf das Schicksal so mancher Großen, daß Vieles ihm nachgesagt, nachgeschrieben , und als von ihm gelehrt gedruckt wurde, was nicht richtig aufgesaßt worden, und seinem Geist nicht ähnlich war^ Um diesem Unfug zu steuern ließ das-Bet-Din ein Mandat ergehen, dahin lautend, daß man keiner Lehre, die im Namen des Gaons berichtet würde, Glauben schenken, oder gar eine, seiner Handschriften -durch den Druck bekannt machen solle, bis das Bet-Din, dasselbe als echt approbirt habe. Und dennoch war der Unfug nicht völlig gesteuert. Der Gaon verfertigte auch eine Karte des gelobten Landes, und den Grundriß der drei Tempel, wobei er alle in der Bibel darauf bezughabende Stellen beifügte; hauptsächlich suchte er den Grundriß des dritten Tempels nach dem einfachen Sinn der Schrift zu erklären, womit er so viele scheinbare Widersprüche, die die größten Exegetcn in Verlegenheit gebracht hatten, zu beseitigen verstand. * Baruch Sklower. R. Baruch Sklower war eigentlich zum Rabbiner gebildet, und hatte auch die Auotrisation der berühmtesten Rabbiner s. Z. als solcher an jedem ihm beliebigen Platze zu fungiren; er liebte aber diese Stellung nicht, wodurch ihm auch andere Zweige der Wissenschaften zu pflegen erschwert gewesen wäre. Er hielt fest am Talmuds machte aber Mathematik zu seinem Hauptstudium; übersetzte den Euklid ins hebräische, so wie auch ein Buch rnDH rtfp aus dem englischen (wovon zwei Auflagen erschienen) ferner ’HiDy über obige Gegenstände. ' Sein DIN mNDD, lateinisch und hebräisch, handelt über Anatomie. Auch veranstaltete er eine neue Ausgabe von cfoy nibv von Iizchak Israeli, die aber sehr fehlerhaft und unkorrekt ist. Jetzt übernimmt Herr Berl Goldberg eine neue sehr schöne Ausgabe, nebst dem zweiten, bis jetzt noch in Manuskript gewesenen Theile, den ihm Hr. Dr. und Prediger Sachs in Berlin geschenkt hat. * * * R. Sch imschon. R. Schkmschon, Rabbiner zu Salon mir und nachher in Königsberg. Ein berühmter Tatmudist «nd Astronom. In seiner Approbation zum hebr. Euklid berichtet er , daß er dieses Buch in drei Sprachen verstand. Auch hatte er einen Ruf als großer Mathematiker und Schachspieler. Er besaß eine sehr auserlesene und reichhaltige hebr. Bibliothek, worin unter anderem auch ein Manuskript von I. Kandia, ha.mm, das von den HLHcrn Wissenschaften handelte. Der berühmte Verfasser nannte es so, weil«s, wie ersagt, das beste von allen seinen Werken gewesen. Als «eines Tages ein großer Brand die ganze Bibliothek in Asche legte, ging auch dieses Mskt. verloren. R» Schimschon