Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1848)
- Date
- 1848-02-19
- Page
- Seite 63 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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63 lvärtigeu B r ü d e r n, die einen eige n e n Staat haben, richten — z. B. Den tcn. Raizeu. ' Hat es Sch. dieses vor mehren Jahren selbst gehört, wie ein Raiz — in P. beim weißen Schiff — sich äußerte: ,,Mein Kaiser ist der von Rußland"! — Wenn der Jude auch nicht magyarisch spricht, er bleibt nicht minder, im strengsten Sinne des Wortes, ein treuer Ungar. ' Denn Gott sei Dank, -einer Rückkehr nach pN denkt nunmehr kein vernünftiger Jude., er gehöre der alten oder neuen Schule an. Lemberg, 19» Jan» Der Haß des Pöbels gegen die 30,000 in Lemberg wohnenden Juden ist neuerlich auf sonderbare Weise erregt worden und leider noch immer im Steigen» Es hatte sich nämlich das Gerücht verbreitet, ein hiesiger bürgerlicher Apotheker und AuSschußmann habe im Namen , der Bürger beim Magistrate die Bitte cingereicht, man möchte jenen Juden, die hier in Lemberg Häuser besitzen, das Bürgerrecht verleihen, und die sodann zu Gunsten besseren städtischen Steuereinkommens herbeiziehen. Wirklich hatten eine Menge Polen diese Bittschrift mituuterschrieben, obgleich sie nicht deutsch lesen konnten, und denen der Apotheker etwas Anderes vorgelesen hatte. Obgleich nun Gouverneur Graf Stadion, der dieserhalb bei ihm erschienenen bürgerlichen Deputation die fernere Bewahrung unverletzten Rechtes zugesichert hat, so findet sich der unwissende Pöbel dadurch nicht beruhigt und wird durch Uebelgesinntit immer mehr aufgestachelt. Aus Ungarn, im Novbr. 1847. (Fortsetzung.) Wenn Wucherer und Diebe keine leiblichen Brüder sind, so sind sie doch Halbbrüder. — Ja der Wucherer ist bei Weitem ärger als der Dieb. Das Unglück, das Letzteeer herbeiführt, kommt plötzlich und endigt^mit einem Schlage. Bald tröstet sich der Bestohlene und richtet sich in seiner Amulth ein, so gut es geht. Er hat sich nichts vorznwerfeu, er fühlt keine Gewissensbisse; wenn aber der kummervolle Familienvater, der durch einen Fehltritt, oder was wohl häufiger der Fall, durch Unglück, Geschäftsverlust, falsche Scham re. dem Wucherer in die Hände gefallen, seine zahlreiche, zum Theil noch unmündige und unversorgte Familie übersieht, und in das ihn umgarnende Wuchernetz schaut, in das er immer mehr verstrickt wird — gleich der schwachen Fliege, die je mehr sie zappelt und sich lesreißen will, sich nur noch tiefer in die Fäden des um sie hcrumspinnenden, sechsfüßigen häßlichen Infekts verstrickt — und mit zukkenden Vorahnungen sich entsetzt ob dem Zeitpunkte, wo die Beißzange des blutsaugerischen Driltags ihn bei der Kehle packen wird. Da ist nicht nur körperliches, da ist auch geistiges, tief, tief geistiges Leiden, da ist rasender Seeleuschmerz, der die Wurzel des Lebens abnagt, da ist auch Herzenskrampf, der es tausendfach zerreißt und zerfleischt! — Tirnau. Wer kennt nicht das alte ,,tresene" Tirnau, das bis aus den unsterblichen Joseph den Juden so verschlossen war, daß es keiner passiren durfte. Joseph efpictces für die Marktzeit. Der Landtag des I. 1840 brachte ihm den „Vierziger. " — Die Aerzte sagen, wenn ein Kind den ,,Vierziger" bekommt, so ist eö nachher gesund. Tirnau hat auch den Vierziger , d. h. die Juden aus dem ,,vierziger Landtags — wie man ihn gewöhnlich nennt — bekommen, und wird sich hoffentlich rechtgesund und frisch dabei befinden. ■ Es scheint eine recht brave Gemeinde daselbst sich bilden zu wollen. Etwa dreißig Familieu stark haben sie doch schon eine Synagoge gebaut. Eine alte Slaviu vergoß Thräuen bei der Einweihung. ,,WaS weinst du Alte?" fragte sie Jemand. ,,Ach, ich denke der guten alten Christenheit, als noch kein Jud nach Tirnau kommen durste, und jetzt haben sie einen ,,Kostol" (Synagoge)! das sind die Zeiten des Antichrist!" Wohl, wohl, die Zeiten haben sich gewaltig geändert — Tirnau eine Kehilla! — Nun lieber freundlicher Leser! verlassen wir die slavisehen Gemeinden und folge mir in das Wieselburger Komüat auf das rechte Ufer der Donau zu den deutschen Gemeinden, den sogenannten . .n&np TOH. Das Primat derselben spielt Frauenkirchen — oder nach der nnDU der Hypcrorthodoxen ,,Flau karch en". Sie ist die zahl- und gcldreichste, obwohl ihr Nahrungszweig fast ausschließlich der Klein- und Hausirhaudel. Sie ist jetzt hirtenlos. Sie hatte eine Schule, die aber auch den Weg alles Fleisches ging und zwar aus einem ganz eigenem Grunde. Der damalige Rabbiner, der sie ins Leben gerufen, hatte so großes Vergnügen von den HH. Lehrern und unterhielt sich mit ihnen so häufig, daß es der Gemeinde derart M i s v e r g n üg en machte, daß sie sich gedrungen fühlte, den Lehrern den Unterhalt zu entziehen, sie zu entlassen und die Schute zu verlassen. Bogendorf ist eine Gemeinde mit einem Rabbiner an der Spitze, der sich wohl rühmt der erste Hebräer in Europa zu sein, und doch weiß man nicht einmal in seiner nächsten Nähe von ihm und seiner hebräischen Kenntniß. Neben einem Joachim P o l l a k in den Kochbe - I i z ch a k *) dürste sich *) Weil wie gerade bei den sind. Im LB. Nr. 40 rechnet der Recensent auch Hrn. Adler, Notar in Eperies, S. S., F. in S. k. zu den vorzüglichsten Mitarbeitern. Wie man Menschen so pcoftituiren kann, begreife ich nicht! — Ich ' meine es aufrichtig. — Blos im Hefte 6 S. 100 find zwei Gereimsel von crstcrem und weder früher noch später, obwohl ich es aus sicherer Quelle weiß, daß er Arbeiten eingesandt, ist von ihm Etwas erschienen. Es konnte auch nicht. — Wer seine - Gereimsel und das unhebräische Hebräisch, worunter UTÜ "Ü!#1? im nnn (!) liest, wird es wohl ein sehen, daß die hebräische Sprache längst verschüttet, wenn solche Arbeiter an ihr Beleben reimselten.