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Der Orient · 1848-02-19 · Heft 8 (19.2.1848) · p. Seite 64

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 8 (19.2.1848)
Date
1848-02-19
Page
Seite 64 (sequence 15)
Language
German
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— 64 - keineswegs ein Bogendorfcr Rabbiner schämen. Er rühmt sich aber überhaupt ein Universalgelehrter zu fein — sogar ein Chemiker! Nun, wenn dem so, so wissen wir mit einem Male, woher seine Faulheit. Wir wissen nämlich, daß bei Wasser, Luft und Wärme die faule Gährung — der gemeine Mann nennt eS ,,Jährung" — statt findet! — Um das Seelenheil der Kittseer Kehilla mit ihrem Filiale G a t t e n d o r f ist mir wirklich bange. Sie ist rabbinerlos und ist da — nicht wie bei Fraucnkirchen fast gar keine Aussicht vorhanden unter den treuen Hirtenstabe eines Seelenhirten sich sobald einzüstallen. Kittsee hat wenigstens noch den Vortheil, die Nähe von Preßbmg, wo, wenn ihr der Drang' ankommt, das Wort Gottes zu vernehmen, sie es bdi den vielen und vortrefflichen Vetksschirsager mit leichter Mühe findet; aber das ferne Gattendorf! 'Dl "w 'D *1DPU\ Wir kommen zu Kürrlöurg. Hier müssen wir etwas länger verweilen. Diese Gemeinde von 100 Familien besitzt das leuchtende Dreigestirrl : Rabbiner, Synagoge, Schule, ein folgereiches wirkendes Triumvirat, so ersterer es versteht beide letztem „'IBO D'DHS'H D'HN " a n einander und in einander zu fügen. — In dieser Gemeinde stellt sich die'Wahrheit: Daß die Intelligenz und Bildung sich nach der Lebensbeschäftigung richtet in ihrer votlsteu Bedeutung heraus. Wir hätten nie geglaubt, das so nahe an Deutschland die Unwissenheit einen solchen hohen Grad erreichen kann! Unter hundert Familien ein einzig Gebildeter! Aber es kann nicht anders, sein, £Cr Gemeinde sind theils ,, H an d e l c w o s " in Oesterreich . oder Hausirer, folglich äußerst arm. Sobald also der Junge das Alter erreicht, wo er rnit Schwefelhölzchen handeln kann, nimmt ihn der Vater mit, richtet ihn — gleich der Katze die Jungen — zum — änfesangen ab; denn die Werthschätzung abgeschabter Röcke und alter Stiefelschäste ist nichts Geringes, wa§ der Junge neben seinem Schwefelhölzchenhandel allmälig evCernen muß. Und so verfällt der ,Arme in die bedauernswertheste Lage, verkrüppelt an Geist und Körper, weil, so wie letzterer nnter dem nach und nach schwerer werdenden Zwergsack sich immer mehr krümmen muß, so der Geist auch von der freiern Ausdehnung im Gebiete des Wissens auf den einzigen Punkt des Trödelmarktes zusammenschrumpfen muß und bleibt für immer Handelojnd. Cö ist hier dies noch besonders merkwürdig, daß, trotz dem mau sehr fromm ist, man doch nicht, wie ei \i jed er sogen annte „e h r l i ch e Jud" bis zum dreizehnten, dem von der Religion aus vorgeschriebene Konfirmations-Jahr, wartet, was Verlag von C. Ä. Fr i tz sch e. nicht nur gefühllose Unwissenheit, sondern sogar tiefe-Rohheit bekundet./ ES ist demnach leicht ersichtlich, daß da von einem höher liegenden Bewußtsein in religiöser Anschauungsweise nicht einmal eine Ahnung vorhanden. Hier ist noch die sechseckige Sabbatlampe ein heiliges mir - Geräts) und wehe dem, der sich erkühnen wollte, ihr das Recht mitten ober dem N2L/- Tisch zu paradiren, nehmen wollte. — Dennoch hat die Gemeinde eine .Schule. Zwar war sie nach einem Bestehen von ungefähr drei Jahren, während welcher Zeit nahe an zwei Dutzend Lehrer gastirten, in Sturm und Unruhe entschlummert; allein der edle Graf Zichi Fer a r i s, Grundherr des Ortes, befahl die Wiedererweckung und das löbliche Komitat nahm sie unter ihren unmittelbaren Schutz, sodaß ihr Bestand legitimirt, obwohl ihre Fortdauer, da diese nur von den Schulgelderru bedingt, schwerlich ein hohes Atter erreichen wird. Nichts destoweniger wird sie von dem wahrhaft edeln Grafen mit Hotz versehen, was hier, bei der immensen Theuerung desselben recht viel sagen will. Das erste und gewiß auch das meiste Verdienst um die Schule hat aber doch Hr. Rubin stein, der vom Komitat aus im N am en der Gemeinde fungirende Schulaufseher denn im Na m endes Komi tat es ist der Vezirks- Stuhtrichter, der im wahren Sinne des Wortes edle und gerechte Mezei, Inspektor — der sie das erste Mal ins Leben gerufen und jetzt wieder ihre Restauration bewirkt. ..r.. ..r.. Pevfynalchronik und Miseellen. Netzdrstrikt, 1. Febr. In der Synagogengemeinde von File hne wird zum nächsten Sabbat (Mischpatim) der nouerwählte Rabbiner und Prediger Hr. Stein aus Kassel mit Bestimmtheit erwartet. Es soll ihm, wie man hört, ein sehr feierlicher Empfang bereitet werden. Wir werden mit unserm Berichte über denselben nicht ausbleiben. W. Fra nkfu rt a. M. Hier werden mehr Schriften t>ou Josef Ka s p i gedruckt, die Hr. Kirchherm beim gelehrten Publikum einführen wird. Nur immer vorwärts in der Literatur! Paris. Cremieux genießt das Vertrauen derStudentm in einem sehr hohem Maaße. J»l seine Hände legten sie eine Petition.. > - Druck von I. H. Naget.

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