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Der Orient · 1848-02-19 · Heft 8 (19.2.1848) · p. Seite 61

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 8 (19.2.1848)
Date
1848-02-19
Page
Seite 61 (sequence 9)
Language
German
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61 mal beibehalten werden — es hat ja jüdisch-ungarisches Bürgerrecht) in dem magyarisch-jüdischen Kalender der Oeffentlichkeit vorgelegt werden; denn man will ja den Misko gewinnen, daß er beim nächsten Landtage Gutes von und für die Pester Juden spreche. Nus Ungarn. Dec. 1847. Unser. Landtag hat begonnen und die Tagcsfragew schreiten so' schnell vorwärts und rückwärts, aufwärts und abwärts, wie die Engel aus der Jakobsleiter, daß man bereits bei der Ablösnngsfrage angelangt ist. Von der eigentlichen Judenfrage konnte natürlich die Rede noch nicht sein; hingegen war doch schon die Rede von den Juden. Als es sich um die Einrichtung einer LandeSkaffe, die den Dauern Gelder vorschießen sollte, handelte, äußerte der Oblegat von Preßburg: ,,Der Bauer soll nicht bemüsflgt sein, vom Juden Geld zu borgen." Dem guten Manne muß ein Jnd' im Halse stecken geblieben sein, den er nicht eher von sich geben konnte bis das Brechmittel der Ablösung im Landtagssaale ihm dazu verhalf. — Erfreulicher und ergötzlicher jedoch ist eine spätere Debatte, die ich für die Leser des „Orients" aus der Preßburger Zeitung hier wörtlich kopire: „ „Olgyai v. Iburg will, daß die ausländischen Juden nicht akklimatistrt werden können, welche Modisteation mit Akklamation angenommen wurde." (Eine Maßregel auf die Inden im Allgemeine:! nachthcilig insiuirend, wird vor Allem mit Akklamation ausgenommen, trotzdem daß, wie wir später sehen werden, diese Modifikation auf die Hälfte gebrochen wird. — Jedoch möchten wir uns die Frage erlauben: Wer wird denn die Pässe kontroliren? Wer wird.denn dem allm ächtigen Stuhtrichter Nachsehen, wenn er Ausländern, als in Ungarn geboren, Pässe giebt?)— „Sebestyen v. Veszpr im unterstützt diesen Antrag schon deshalb, weil die Juden stch gar zu stark vermehren. Redner fand die Begründung dieser Vermehrung in den mosaischen Gesetzen." (Allerdings trägt das jüdische häuslichsittliche Familienleben viel zur Fortpflanzung bei. Der jüdische Hausvater, besonders der orthodoxe, vergeudet seine Kräfte nicht in Wirthohäusern, bei Konkubinen; lebt nicht in wilder Ehe, hält keine Maitressen; ist im Essen und Trinken mäßig .rc. Diese sittliche Lebensweise kann doch wohl nicht zu seinem Nachtheile gereichen?) ' Karolhi von der Stadt Pest .will sich diejenigen, die gegenwärtig im Lande sind, vom Halse schaffen (schöne parlamentarische Redensarten. Der Herr muß einen sehr weiten Hals haben, wenn so viele Juden daran hängen,) insofern sie nämlich nicht vollkommen ansäßig sind." (Gewiß wäre diese Maßregel sehr hcitbringend; aber in Un g a rn eine A n § sch a ffu n g! Schroffere, unvereinbarere Gegensätze gibt es wohl schwerlich. Von der Sanktion des Gesetzes bis zur Anwendung würden sicherlich alle Ausländer —'denn ein Paar Zwanziger könnte sich doch wohl ein Jeder schassen — in ächte Ungarn umgeformt sein.) ' „Ken de von Szäthmör mag die Juden schon deshalb nicht, weil sie die ungarische Nationalität nicht unterstützen, sie vielmehr gefährden." (Möchtet Ihr se l b st durch Eure gewaltsame unpolitische Magyarisirnng Eure Nationalität nur nicht gefährden! Nicht die Zungen, die Herzen der verschiedenen Nationalitäten suchet Euch zn erwerben I Machet Gesetze zurBefolgnug der Gesetze. — Schaffet die allmächtige unverantwortliche sttthtrichterliche Prügelherrschast ab! Nicht die Alteiinneinung des mit der. dampfenden Cigarre im Munde richtenden Stuhlrichters entscheide! Nicht sein Eigenwille beherrsche und knechte den unglücklichen Untergebenen I. ■— Der Patricia soll nicht ungestraft -— — i— wir wollen iaS häßliche Wort nicht aüssprechen — nur an den Todtschlcig der Miökolzer Jüdin und des Geistlichen, der von.einem Müller erschossen ward, mögen wir erinnern — dürfen. Gleichheit vor dem Gesetze und Befolgung desselben sind die zwei Genien, die jede gesellschaftliche Verbindung, soll sie gedeihen , umschlingen müssen. — Dem Ausländer, der die Allgewalt dc§ Stuhlrichterö nicht kennt, möge folgende Anekdote, die mau hier zu Lande erzählt,-ein Bild vorführen. Ms Kaiser Joseph einst in Ungarn reifete,- und der vorreitendc Husar einem entgegenkommenden Banernftthrmann. vor dem Kaiser anszuweichen befahl, bekam er zur Antwort: Nun wer ist er denn? Er ist ja doch noch nicht der Stuhlrichterl — Hoffen wir jedoch viel Gutes von 'den Administratoren.) „Szemere von Borsod kennt keine Antipathie gegen das jüdische Element, er findet in ihnen nur solche Fehler, wie sie «nbetc Nationalitäten auch haben. Sie haben sich der ungarischen Nationalität angeschlossen. Wenn Redner mit Preßburg stinunt, so geschieht cs nicht ans Antipathie gegen die Juden, sondern eben darum, weil er will, daß die im Lande wohnenden Juden um so eher emancipirt werden. Ebenso sprachen T a r m af sy und S ch u e e. B o n i s von Szobulcs erklärt, daß seine Komittenten die ausländischen Inden, namentlich die polnischen nicht ins Land ansnehmen wollen." (Vor zwanzig Jahren wäre diese Regel an ihrem Platze und von unberechenbaren segensreichen Folgen gewesen. Wie manche Gemeinde .wäre heute mit fünfzig Jahren an Bildung und Aufklärung vorwärts!. Wie manche Gemeinde steckte nicht so tief im Schlammedes Zeletiomns! Wie viele Schulklopfer-Proceffe hätten weniger Skandalosa verursacht, wie viel Mizwot-Lieitations- Streitigkeilciff hätten die Würde der Synagoge irr den Angen unserer christlichen Mitbrüder nicht noch tiefer hinabgedrückt, als sie es früher durch ihren erbärmlichen Gottesdienst so ziemlich schon genug war. Aber jetzt — wir werden es erleben, daß ungarische Juden

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