Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1848)
- Date
- 1848-02-19
- Page
- Seite 60 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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60 natürlich3 noch eine geraume Zeit verstreichen müssen; nicht so aber in den andern Gemeinden des Großherzogthnms, namentlich in denen, welche in den südlichen und westlichen (an Schlesien und die Mark grenzenden) Kreisen gelegen sind. Dort wird es zuerst, und hoffentlich bald Tag werden; dort wird man sich zuerst und hoffentlich bald von dem alten Sauerteige emaneipiren. Der ZW. wird, Dank sei es dem schlechten Style dieses Blattes, in unserer Provinz nur wenig gelesen, ».und. wer ihn liest, wird von dem, was aufgetischt wird, ebensowenig Notiz nehmen/ als der Wächter selbst sich rühmen kann, im ganzen Großherzogthume mehr als einen halben Korrespondenten zu haben.3 5 6 — Weil ich nun gerade einmal, ich weiß selber nicht wie so, auf den Wächter gestoßen bin / so kann ich nicht umhin, eine Korrespondenz speciell zu berühren, die derselbe in seinen letzten Nummern (4 und 5) aus dem Niesgau gebracht hat. Unterzeichnet ist der Artikel, den ich meine, von einem „ein fält ig en S ch ulm cister"; der Inhalt jedoch, ist noch einfältiger als einfältig/ Ich muß gestehen, es fällt mir schwer, für solch Geschwätz einen Namen zu finden. Nein, wie kann ein Lehrer, der doch jedenfalls dem Stande der Gebildeten angehören will, so Etwas schreiben und gar in die Welt schicken?— Wer solches Gewäsch auskramt, der besudelt den Namen „Schulmeister" und verdient ihn wahrlich nicht. — Es wird zwar dort über den „Jör. d. 19. Jahrh." hergezogen; doch dies würde uns Freude gemacht haben, wenn man sich dabei anderer Waffen bedient hätte, als die sind, welche Meister Bakel7 * braucht, um den Eisenacher S ch m o l ke7 zurechtzuwelsen. Solch fades Zeug wird bei uns kein Schulknabe schreiben, geschweige denn ein Schulmeister. Nein. — Gott sei es gedankt — solche Zöpfe hat unser Großherzogthum unter den Jüngern Pestatozzi's nicht mehr aufzuweisen, wenn es Einen giebt, so kriecht er hinter den Ofen und schweigt. — Herr Dr. E. in A. nmß übrigens großen Ueberfluß an Korrespondentenmangel haben, w-nn er gezwungen ist, sein Blatt mit solchem elenden Geskribfel auszufülleu, als derjenige Artikel enthält, von welchem hier gesprochen wird. Zuletzt fängt der erzeinfältge Schulmeister gar an, die Lehrer seines Kreises zu biographisiren. -— Merkt es Euch Ihr jüdischen Schulmeister meines Vaterlandes! Wenn Euch einmal die Eitelkeit etwas 3) So wird es Jeder finden, der unsere frühernBerichte über diese Gemeinde gelesen. 4) Man liest so manches Blatt und so manches Buch, um nür zu lesen, oder auch um zu lachen.- — 5) Und wer weiß, ob er diesen noch hat? Mir ist es sehr zweifelhaft. 6) Das passirt mir sonst nie, da ich in der Regel jeden Abend noch vor 10 Uhr nach Hause gehe. - 7) Wer Langbein's Gedichte gelesen, wird mich hier schon verstehen» stark kitzeln sollte, so schicket eine Portion Notizen über Euer Leben an den einfältigen Schulmeister im Niesgau, derselbe macht Biographien daraus, läßt sie durch den Altonaer Wächter austuten, und — ihr seid unst erblich.^ Doch zuvor werdet ihr wahrscheinlich das Bekennmiß ablegen müssen, daß ihr noch so stockorthodox denket und lebet, wie der einfältige Schulmeister in Riesgau unb feine nächsten Kollegen, und das, glänl? ich, dürften wohl nur sehr Wenige von Euch mit gutem Gewissen thun können.9 — W. O e st e r r ei ch. Pesth, Ende Nov. 47. Nr. 44 dieser Blätter lesen wir von hier folgende nagelneue Neuigkeit: „Diese gemäßigten Fortschrittsmänner dürfte es interesflren, daß wir am verflossenen Versöhnungstage, in einem gottesdienstlichem Vortrage zur Einführung eines Gottesdienstes in der Landessprache aufgesordert worden sind." — Die „Landessprach e" nennt man gegenwärtig in Ungarn die magyarische. Wie die Charlatanerie sich sogar dort hinauf, vor dem Sanctnarium an dem heiligsten Tage des Jahres verlieren konnte, ist wahrhaft unbegreiflich ll Wer soll denn in dieser Landessprache beten? Etwa die HH. Redakteure des rnagyarisch-jüdischen Kalenders? Und wo soll denn in dieser Landessprache gebetet werden? Etwa im Kasino obbenanntcr Herren? Mau denke! In Deutschland, wo die Aufklärung der Juden mit wenigstens hundert Jahren voran ist, hat man die schwierigsten Aufgaben zu lösen, und nur Schritt vor Schritt gehen die kleinsten Eroberungen auf dem Felde der Reform vor sich. Jedes Wort wird mit den stärkster! parlamentarischen Waffen bekärnpft oder erkämpft, um wie, viel mehr muß das der Fall sein in Ungarn, wo es noch nie versucht ward, nur ein Jota von den hcbr. Gebeten zu . verändern nnd abznändernl — Doch die Herren Pester haben eine eigene Methode, die Reform-Sprossen in der Himmelsleiter der Aufklärung zu überspringen nnd miteinem Satze oben auf der Spitze zu stehen! Die Herren, die sich das öffentliche Verletzen des Sabbats nicht verbieten ließen, wie es Hr. Schwab vor einiger: Jahren versuchte, wollen (??) einen Gottesdienst in der Landessprache!?! .— Jedoch wollen wir. nicht voreilig urtheilen. _ Wahrscheinlich wird das Prograrnm des magyarisch-jüdischen DawenenS (das Wort muß ein- 8) Auch wer zu entziffern hat, kann sich an den „einfältigen Schulmeister" wenden; denn auch in dieser Kunst scheint er (wie aus dem Postskriptum des erwähnten Artikels hervorgeht) eine große Virtuosität zu besitzen. 9) Gehab Dich wohl, lieber eins. Schulmeister, und sei künftig etwas weniger einfälig; denn zehnmal weniger einfältig wärst Du immer noch einfältiger als einfältig.