Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1848)
- Date
- 1848-02-19
- Page
- Seite 59 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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zeucht dlc&n häufiss besuchender und dort mx Zeder-- maim geachteter Manu, gegen Abend' in das Wirths- Haus des dem Sitze des Langerichts zunächst gelegenen Dorfes. elnkehrte, um daselbst zu übernachten , bat er den ihn: befreundeten Wirth, für ihn einen Nachtzettet zu tosen, der Wirth jedoch redete' dein Horn dies aus, weil jene Verordnung nur vagirmde Juden treffen könne. Horn lies sich durch diese Bemerkung beruhigen und blieb, wurde aber auf Befehl des später emtretcuden Landrichters ftstgenommcn, 36- Stunden ciugesperrt und um 30.fr« bestraft i " Lifscr (Pr. 'Posen), 26. Jan. Wiederum hat der alle Schranken durchbrechende Fortschritt einen Sieg über alte Vonrrthcile davon getragen m:d wir sind tu socialer Stellung wiederum rm:.Vieles unser» christlichen Mitbürgern näher, geruckt. — Die hiesige Schützengilde, deren Statut bisher jüdischen Bürgern den Eintritt in diesen Verband nicht gestattet, hat bei der in jüngster Zeit vorgenommeuen Revision ihrer Statuten besagten Paragraphen aunullirt. Dieser Tage ist nun einem unserer geachtesten jüdischen Mitbürger, der als erster Jude der Schtttzengilde sich angeschlossen hatte, von derselbe!: folgendes Schreiben zugekommen, das als Beleg, zu dem eben Gesagten., wohl einige Zeilen in Ihren: Blatte, Herr Redakteur, füllen dürfte. Es lautet: ,,Ew. Wohlgeb. Beitritt zu unserer Schützengilde hat uns mit aufrichtiger Freude erfüllt, dm wir dadurch nicht nur einen in jeder Beziehung höchst achtbarer: Mitbürger für unsere Brüderschaft gewonnen haben, sondert: auch alte und unselige Verurtheite haben schwinden, sehen, welche sich in konfessioneller Hinsicht noch aus dem finstern Mittelalter,, aus der Zeit, wo die Menschheit in der Sklaverei des Pfaffeuthums schmachtete, in die jetzige Zeit hinüber getragen haben. Indem wir Ihnen die Versicherung geben, daß unter uns nie ein Glanbcnsuuterschied gernacht werden wird, da wir das Bewußtsein haben, daß alle Menschen an einen und denselben Gott glauben und daß wir :n dem Schützcubruder, weß Glaubens er auch sei, nur unfern Bruder und Mitbürger sehen und ihn , wenn er ein tüchtiger Mann ist, -achten und ehren werde::, bitten wir E:v. Wohlgeb. ergebenst, dies Ihren Glaubensgenossen uritzntheilen, und darunter diejenigen, welche Sie für geeignet halten, zum Eintritt in die Schtttzengilde veran-, tasseu. - Zu diesem Zwecke fügen wir 10 Exernplare unserer Statuten bei. Indem-wir Ihnen noch für die Erhöhung des gezahlten Eintrittsgeldes danken und die Verspätung dieser Antwort auf Ihr werthes Schreiben vom 25. Oktober zu entschuldigen bitten, zeichnen wir uns mit Achtung als - Die Vorsteher der Lissaer Schützengilde. Die Repräsentanten der Schützeugilde. Lissa, dm- 17. Januar. 1848. Das Resultat unserer Repräsentanten - Wahl ist ,-,b'N nt scheckig^ ansgefallen. Im Repräfeutanten- Kolleginm hat die. Fortschrittspartei nur eine schwache Majorität, unter den Verwättungs beamten aber eine.Minorität. Was wir von der Thätigkeit, Umsicht und Gesinnung dieses Kollegiums zn crlvarte:: haben, wird uns erst die Zeit und der Erfolss lehren. Die Wahl des Dcpntkrten zur Kultus-Kouunrssion in Berlin ist m unserem Synagogenkezirk auf Dr. Gebhardt in Giresen gefallen, obschon auch viele Sympathieen für Ess e r vorhanden waren. Nicht ist aber, wie iir Posen, die Wahl von den Gememdemitgtiedern, sondern nur von den Repräsentanten vollzogen worden. B. — Aus den Provinz Posen, 6. Febr. So rvie im Winter vorigen Jahres, wird auch in diesem Winter von der Pescner Jndenschaft für dir Armen in der Gemeinde Viel ja sehr viel gethan. Dieses Verdienst muß man den Postum: lassen. Ihre Armen lasst:: sic nicht erfrieren und nicht verhungern; sie versorgen dieselben, so weit es sich thnn läßt, mit Hotz, Lebensmittclu und unterstützen sie auch mitbaarern Geldc. Außerdem, was aus der Genreindekässe verabreicht wird, werden oft noch besondere' Kollekten veranstaltet,1 die in der Regel der Oberrabbiner Hr. Eger unternimmt, oder wenigstens in Anregung bringt. Aber auch in den andern Gemeinden: unserer Provinz , naurentlichin den gr'ößern, wie Lissa, Krotoschin, Rawiez, Kempen, Innowrazlaw rc. wird nach Kräften dafür gesorgt, daß die Armen und Dürftigen niemals ohne Unterstützung bleiben. Auch werden Sie bei uns selten eine Gemeinde finden, wo nicht wenigstens Eir: Verein vorhanden ist, dessen Zweck es ist, verschämte:: Annen (mrdN) im Stillen Hilft zn reichen.2 Dieser Punkt ist mit eine (und wohl auch die größte) von den O ä se n in der großen Sand wüste, welche unsere Gemeinden zusammengenommen, im Verhält::iß zn den andern in Deutschland, zu bilden noch nicht ansgehört haben.— Bei der neulich in Posen stattgehabten Wahl der Verlvattung's- Bealnter: (d. i. die Korporatiens- Vorsteher) soll auch ein Mann von der sogenannten Fortschritts-Partei mit zur Wahl gekommen sein. Kann auch nicht schaden. Immer besser Etwas, als gar Nichts. Es dauere, wie lange cs welle, am Ende wird dann doch der Fortschritt siegen. In Posen selbst wird bis dahin Namentlich, wenn wie. im. vorigen Jahre, übermäßige Theuerung der Lebensmittel, oder wie Heuer, strenger Frost hinzntritl, die Noth der Armen zu vergrößern. 2) Lissa hat mehrere solcher Institute aufzuweisen; am ältesten und wohl auch am wirksamsten ist dort dir Chebra nöno-, die es sich zur Aufgabe gemacht, alle. Jahr für eine gewisse Anzahl Dürftiger den Mierhzins zu bezahlen.. 6 *