Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1848)
- Date
- 1848-02-19
- Page
- Seite 58 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 58 Berlin, 8. FM. 'Ami M.rer Korxefpondmien sind meine Opponenten» Mit Hast uird Eile werfen sie ihre Pfeile in jeder Zeile, die aber nicht treffen in dem Jeurualtreffeu. Der Eine aus Mähren, dem leeren , ist so vermessen , sich mtt Preußen zu mcffcn.. Welcher A b e rwitz liegt in seines Wi-tz es Spitz'! Preußen an Gelehrten reiche denen Niemand an Stolz gleich, soll Iluterliegen tit beit mährischen Kriegen! Können die mährischen Massen, in ihrer: Judengaffen^ der: Preußischer: Genius fassen, dessen Flügel wie Riegel, Berg und Hügel, Wasser und Land, jeden Star:d, umspannt? Preußen , das sich nicht genirt, frisch resormirt., alles Bestehende das Vergehende, alles Dauernde das zu Bedauernde, alles Bleibende das zu Vertreiber:de, alles Alte das Kalte, alles Neue das Treue , .alles Schöne eine Hyäne, alles Häßliche das Unvergeßliche nennt, ur:d sich .-nur zum.Vorwärts bekennt, soll treten in die Schranken mit mährischen Gedanken? Muß Mähren nicht seir:c Lehren von Preußen erborgen, wie daö Heute folgt dem Morgen? Ist Preußen nicht Vorbild, aus dem Leben quillt? Und Berlirr, was ist dagegen Wien? Die Körrigsstadt ist nicht matt, sie schafft und rafft ihre Kraft zusammen, um den Geist zu entflammen für Wissenschaft. und Kunst, für Nebel und Dunst. In Wier: spreizt sich die Arroganz, in ihrem Glanz, fügt urrd schmiegt sich, drückt und bückt sich, um Medaillen zu erlangen, nach Verlangen, und dann zu sagen, was die wissenschaftliche Kuh getragen, zwar nicht Milch und Butter, aber Ehrensutter. Einem hohen Mann, der kein Hebräisch kann, wird ein Buch von altem Geruch dedicirt, und danr: wird man houorirt. O der Thoren, die sicherkoren Medaillenprotektoren, die sich aufblähen ohne ihre Leerheit und Verkehrtheit cinzuseheu und offen einzugestehen, daß die leeren Halme sich erheben und streben ir: Uebermnth nach des Sieges Palme — das ist ihr Gut und Gott, dem sie flott sich ergeben in ihrem Leben. Nicht die Wissenschaft allein kann ihr Ziel" sein, nach Flitter und Tand strebt ihr Verstand ir: jenem Land. Dann wird ausposaunt wie die Männer gelaunt,, die jüdische Gelehrten mit Medaillen beehrten. O die Verkehrten, daß sie sie sich bekehrten zu der Wissenschaft, die uneigennützig schafft! Ganz anders ist cs in Berlin, da herrscht ein reger Sinn; da werden Magyaren und Chasaren zu Paaren, die sich zusammen schaaren; da erscheint die ,,Taube" * um die Abendzeit, und findet Alles bereit — zum Schlafengehen, und das Oelbla tt in ihrem Mund, sie verstummt vor des stischen Geistes Wahn; da man Geistes-Riesen find'l, in deren Augen die Mahren wie Heuschrecken sind; da nur blüht die Literatur, gedeiht sie iu jedem Kops, wem: er auch ein Tropf; da werden dicke Bände geschrieben, die nicht so leicht zerstieben; da wird nach der Dicke gemessen And des magern Inhalts vergessen, aus zwanzig Büchern wird ein Buch gemacht, zu Markte gebracht, der originelle Geisteöschacht wird ' ansgelacht. Nur nach Berlil: ziehe der Forscher hin, der hiesige Gelehrll'nkreis,, Alles weiß,, durch seiner Arbeit Schweiß, Hegel's Geist Alles fottreißt, in der Dialektik -Guß, zn bringen der Geschichte Fluß, Bopp's Kombination erhebt aus der Sprachforschung Thron, Werder's „Eolumöus" lehrt, wie man Dramen znscheert, Rankc's Geschichtsmethode ist die herrschende Mode, Schelling's neues System ist sehr beguem. Darmn laß ab Du Mähre, von der Ehre, Preußen zu erreichen, Du mußt weichen. — Ihr zweiter Korrespondent mich „Kollege" nennt. Ich bin isolirt, darum noch ein Mal protestirt gegen diesen Namen und damit Amen. >fc München, im Jan. Juden fein dlichkeit -eines baierrischen Landrichters. Der inAugsburg erscheinenden „D. konst. Ztg." wird -ans München geschrieben: „Von allen Blättern, welche jeglicher Toleranz das Wort 'reden', wurde mit unverhohlener Freude die Nachricht gebracht, daß man sich im Ministerium des Innern ciftigst :nit der Revision des Juden-Ediktes vom Jahre 1813 beschäftige. Wohin wir auch hören mochten, überall sprach mar: sich freudig darüber ans, daß Baiern jetzt auch in diesem Punkte dem -Fortschritte huldige. Je An ehr wir diese günstige Stimmung namentlich bei Denjenigen für allgerrlcir: vorherrschend glaubten, welche man zu den Gebildeteren zu zählen gewohnt ist, desto größer war unser Erstaunen, als wir folgende Thatsachen erfuhren. Ohne arge Absicht gewiß brachten die „Fliegenden Blätter" vor geraumer Zeit eine Erzählung, „der Güterzertrümmerer" betitelt, in welcher das gewissenlose Treiben einiger Individuen aus dieser Klasse grell beleuchtet wurde. Diep' Erzählung nun ließ der Landrichter in Rain, als Beilage zum Nain'schen Wochenblatte, welches fonfi mir amtliche und andere Bekanntmachungen zu bringen pfiegt, auf seine Kosten abdrncken und mit dem Blatte vertheilen. Wenn auch hierin nur die wohlwollende Absicht erkannt lverden sollte, die Angehörigen des Landgerichts auf derlei verderbliche Machinationen aufmerksam zu machen und hierdurch vor Schaden zu wahren, so gewinnt doch jedenfalls die Sache ein anderes Gesicht dadurch, daß der Landrichter auch den Schullehrern seines Bezirks anstrug, die Erzählung den Schulkindern vorznlcsen. Bei diesen kann offenbar der erst angeführte gute Grund nicht vorgeschützt werden. Bald hernach stellte er :n seinem Bezirke Vögte zum Einfaugen von „Bettlern, Vagabunden, Juden und aus Pen: Zucht- Hause Entlassenen" auf und erließ eine Verordnung, nach welcher jeder in seinem Bezirke übernachtende Jude gehalten ist, vom betreffenden Schultheißen einen Nachtzettel zu lösen. Als nun am verflossen er: Christtage der Israelit Zacharias Horn, ein seit 30 Jahren daS Land- *) Ein periodisches Blatt.