Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1848)
- Date
- 1848-02-19
- Page
- Seite 57 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte» Studien und Kritiken Neunter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allenE solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Wische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Vr. Julius Für«. Jahrgang. Won dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet,. zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 1848, Leipzig, dm 19. Februar Inhalt. Deutschland. Berlin. Harmlose Bemerkungen eines jüd. Zuschauers. Berlin. Antwort -an zwei Korrespondenten. M ü n ch e n. Judenseindlichkeit. Li ssa. Fortschritt der Schützengllde. Aus der P r o v. Posen. Wohlthatigkeit. Schullehrer. — Oesterreich. Pesth. Magyarischer Fortschritt. Aus Ungarn. Der Reichstag. Lemberg. Judenhaß. Aus Ungarn. Schluß der Revue. Tirnau. Frauenkirchen. Wogendorf. Kittfte. Karlburg.'— Personalchronik und Mi stellen. Netzdistrikt. Frankfurt a. M. Paris. — LB. d. Or. ' . . ' Deutschland. Berlin, 1. Febr. Da lobe ich mir den Professor Weber in Bremen. Er war weiland ein Judenfeind , und hat nun in seiner letzten Schrift, eilt pater peceayi gesagt; er gesteht offen, daß er seine frühere Judenantipathie und Alles, tvas er gegen.das nichtklassische Volk geschrieben, herzlich bereue. Als ich dieses Sündenbekenntniß las, berechnete ich, wie viel Papier alte deutschen Antipoden der Inden kensunuren müßten, wenn sie ein Web er'sch cs Geständnis: ablegen möchten. Die Papiere müßten bedeutend steigert und würde man alle jene Geständnisse der Presse übergeben, so könnte man sie ,,Verirrungen deö Menschengeistes", oder ,,Sündenregister der Geschichte", oder ^Feudalherrschaft des Vorurtheils", oder ,,Reformation der Liebe" nennen. Genügt.es aber etwa, daß Hr. Prof. Weber sich eines Bessern besonne::? Muß er nicht daS Verschuldete ersetzen? Wie viel Vornrtheile hätte er zerstören können, wem: er im Solde der Wahrheit und Humanität die Feder geführt hätte l Statt des Hasses hätte er Liebe, statt des Bltterkrants ein Vielliebchen säen könnenl An Gelegenheit kann es dem bekehrten Humanitätssünder nicht fehlen. Sein liebes Bremen steht mit der neuen Welt in HandelSverbindnng, .aber in Betreff der Jdeenverbindung gehört eS der ganz alten Welt an. Bremen schließt sich in seinem Patrizierwahn gegen alle Juden ab — nun denn l 'cs schicke ein Schiff ans den Strom der Geschichte, nenne es ,,Humanität", lasse es segeln in den Hafen der ,,Liebe" und reichbeladcn mit Früchten der Erkenntniß, mit den Perlen der Thränen der Reue, kehre es 'stolz tu seine Mitte zurück. Oder es taffe das Schiff,,Humboldt", den Geist dieses großen Mannes, zollfrei in seine Mauern bringen. Und Hr. Prof. Weber müßte Schiffskapitän werden! Auch unsere Staatsmarine dürfte um ein solches Schiff vermehrt werden. Nur die stolzen Wasser Frankreichs und Englands tragen auf ihrem Rücken solche Humanitätsschiffe; um auf ihnen ertönt nicht der Kanonendonner des Judenhasses: der Rhein hat sie nicht, soll sie.,,aber haben. Unsere deutschen Flüsse haben noch viel Schlamm, der den hellen Spiegel des Menschlichen trübt. — Vorn Wasser gehe ich zur Veschneidung über, obwohl der Uebcrtritt von der letzter:: zum erster:: häufiger ist. Der hiesige Volkswitz bemerkte von dem Banqnier, der sein Kind nnbeschnitten und seine Gläubiger unbezahlt ließ: jnD N1?! Vox populi yox clei. Wenn ich nicht irre, kann man die nnbeschnittcuen Kinder noch an der Hand abzahlen ff cs sind deren nämlich fünf: zu Berlin, Darmstadt, Frankfurt a» M., Hamburg und Meklenbrirg, die Hälfte also der. cgyptischcn Plagen. ,,Und Israel sah die große Hand, die der Herr geübt an Egypten", aber das Volk fürchtete nicht den Herrn und glaubte nicht an den Herrn und seinen Knecht Moses. Damals sangen Holdheim und seine Genossen. 'S