Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1848)
- Date
- 1848-02-12
- Page
- Seite 55 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- 55 - Menschenliebe zugedeckt, verglimmen würde, mühsam hervorsuchend, zur Zwietrachtsslamme anfachten. In Naab haben die Livergirenden Meinungen eigcnthi'untiche Merkmale-auf dem Kampfplatze zurückgelassen, eine unansfntlbare Trenllnngskftlft, daß sich auf dem Stadtgrnnde eine für sich selbst bestehende Gemeinde bildete, wovon in diesem Blatte Nr. 48 v. I. Erwähnung geschah. — Die Motive dieser unerquicklichen und für die Aufrechthaltung des JudenthntnS höchst nachtheiligen Geist- und Geld-Zersplitterung — sind nicht nur unverwüstlicher Eigensinn, sondern böswillige Zwischenträger haben dieses traurige und betrübende Werk der Zwietracht vollendet. Die gehörige Darstellung und Erörterung dieser unerhörten Zerfallenhcit mag an das Forum der Oeffentlichkeit gebracht werden. — Dem Referenten dieses Bl. Nr. 48 beliebte zu sagen ,,Raab ist eine gebildete Gemeinde^; Gott möge ihm die Uebereilung verzeihen, — Nur eine Sylbe wurde vergessen, denn anstatt gebild e t sollte stehen eing e b i l d e t. — Keine Partei hat Hier aus innerer Ueberzeugung die Waffen ergriffen und keine hat überwunden die Waffen niedergelegt.. Vornchmthuerei und Rechthaberei waren die Beweggründe zum Kampfe, Trotz und Jndifferentiömus sind die traurigen' Felgen. Wie können in'einer Geineinde frommer Ernst, gcstiinungSvoller Eifer und allsdauernde Beharrlichkeit bestehen, wo die grellsten Widersprüche sich so offen bekunden? Wo sind E.rtreme einheimischer und sonderbare Verstellnngskünste mehr sichtbar als in R.? Es ist hier nicht selten zu sehen, wie strengverknöcherte Orthodoxe sich mit leichtsinnigen Atheisten ^verbrüdern, und Neolegen mit starren Tilimsagern sich-Vereinen. — Eitelkeit, Interesse, Vortheil und Gewinn die Triebfedern aller Privat- und Gemeinde-Angelegenheiten. — Die Frage ist also noch auffallender, wie war in einer solcher! Gemeinde eine Kraftzersplitterung möglich? Sollte die Ersparnis, wenn sie vereint sind, übersehen werden? Konnte ein solcher Gewinn unberücksichtigt bleiben? Manche wollen die Ursache der Trennung darin stnden, daß der Vorstand der alten Geineinde mit den Hinzugekommenen sehr intolerant war, große Geldsummen für die Einverleibung zu erpressen. — Die alte Gemeinde hatte wohl ein Recht für die Theilnahme an allen Requisiten einen Ersatz zu fordern, aber auch die neue Geineinde ist zu rechtfertigen, wenn sie bei der Ansiedtungöfreiheit, die Unabhängigkeitsbestrebnngen verwirklichte. Manche wollen den Rabbiner beschuldigen, daß er die neue Gemeinde gezwungen habe, unter einem Rabbi stehen zu müssen. — Es ist ein sehr edler Charakterzng des Hrn. Freier, daß er mit Selbstausopscrung eine sich organisircnde Gemeinde unter Aussicht eines Seelsorgers s tellt haben wollte. Wenn auch in dieser wirrenoollen Zeit Fehler und Misgriffe geschehen, so sind sie gewiß nicht so bedeutsam, daß sich eine Gemeinde, worunter viele achtungsvolle Weltmänner sind, der Verachtung aller Gemeinden Preis geben sollte und ans Uebermnth eine beträchtliche Ersparnis in den Wind zu schlagen. . Ein Hanptorgan des Gemeindewesens ist hier der Notar. AlsBcisitzer und Schreiber ist er unstreitig ein vorzügliches Mitglied der Gemeinde. In Naab ist seit 40 Jahren ein Notar, der diesem-Amte mit solcher Geschicklichkeit vorsteht, daß, wiewohl er Nur altjüdisch schreiben kann, und sein ganzes Wesen nach dem sechzehnten Jahrhundert riecht/ er doch das Faktotum aller Geineinde-Angelegenheiten ist. — Bei ihm gelten die abergläubischen Miöbräuche und Vorurtheile für echte Religion, indem die Hauptgrundsätze, wovon selbst die 10 Gebote keine Ausnahme machen — nach seiner Ansicht, nur als geringfügige Nebcnzusätze einer Beseitigung können unterworfen werden. Mit einer solchen Denkungsart ausgerüstet, weiß dieser Notar mit undurchdringlicher Klugheit die Abergläubischen zu fesseln, den Ungläubigen zu schmeicheln, und alle mit einer Maske der Frömmigkeit zu täuschen. Man wird fragen, welchen Nutzen zog dieser Notar von der Trennung? Dieser hat ein Söhnchen, daS mehrere Jahre Ln der Preßbnrger Jeschiba zugebracht hatte. Maksl, so heißt er, lernte das Schächterhandwerk, konnte aber schwer ein Befähignngszeugniß erhalten. Nun ergriff er den Wanderstab, bis er Rabbiner fand, die ihm eine Hatara aussertigten. Er kam eben, von der Pilgerschaft nach Hause, und war Leus ex Nuicküim. Der treue Vater war eifrig strebsam, die im Gemeindehause stattfiudendeu Debatten über die Vereinigung sio zu leiten, daß große Forderungen gemacht wurden. — Die heftigen Verhandlungen wußte der kluge Notar fleißig und bedächtig hin und her zu trage«, bis die Gemüther gereizt und aufgestachelt von Feindseligkeit entstammt, in zwei Gemeinden sich theilten, u m da s liebe S oh nchen in die n eue^ Gemeinde als fü zu prakticircn. — In der neuen Synagoge, welche in einem vorstädtischen W irths hause auf Stallungen ansBrettern zusammengeschlacpeu ist— sott die Derascha des yno so ergreifend gewesen sein, daß die Thiere in den Stätten ganz ergriffen waren.— Diese TreunnngSklust zwischen den Gerneinden strebt der Erwähnte immer zu erweitern; alle Vereinigungsvorschläge zu verhindern und alle Vergleichnngsanträge zu^ vereiteln, damit das Söhnlein bei seinem 5 st. WW. wöchentlich cintragenden Posten bleibe. Gewissenhaft kann betheuert werden, daß diese Trennnngsverhältnisse aus reinen Quellen der Wahrheit geschöpft, ohne übertriebene Färbung der Umstände geschildert und ohne leidenschaftliche Aufwallung berichtet sind: -— Man fühlt sich gedrungen, ein C'reigniß, welches das gesammteJndenthnm in den Augen aller Behörden entehrt, in ganz Ungarn unerhört ist, daß ein geduldetes in mancherHin-