Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1848)
- Date
- 1848-02-12
- Page
- Seite 54 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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54 christlichen Zuhörer sich erworben. Mich ans das Speciette dieser Vorträge einzul affen, erlaubt nur weder Zeit noch Raum; doch/.war eS nicht zu verkennen, daß der gewandte Kanzelredner, . wenn auch auf konservativem Boden sich stets bewegend und die Zcitsragen nur leise berührend, seinen Eindruck auf die empfänglichen Herzen nicht verfehlte und seine begeisternden Worte über Glauben und Vertrauen bei der damals sehr großen Kälte alle Herzen erwärmte, und mit dem heißet! Wunsche belebte, baldigst einen solchen Seelenhirten zu besitzen, um recht oft eines solchen Seelengennsses theilhaftig werden zu können. Wenn nun auch dieser allgemein ausgesprochene Wunsch nicht sobald realisirt werden kann, so wird doch diese uns gewordene Erbauung nicht sobald an§ unserer Erinnerung schwinden, und ist durch die neulich hier stattgehabte Wahl von Repräsentanten und Verwaltungsbeamten r, welche eine sehr gelungene zu nennen ist, indem die Besten unserer Gemeinde gewählt wurden, auch in dieser Hinsicht das schönste Prognostikon für unsere Korporation gestellt. Auch ist bereits durch die früheren Verwaltnngsbeamten schon so manches Lobenswerthe geschehen. So ist unser Gotteshaus äußerlich und innerlich neu restaurirt worden und die veralteten düstcrn Mauern stehen nun verjüngt da itub gewähren dem Ein tretenden einen angenehmen und erhebenden Anblick. Das Aufrufen zur Tora mit Ehrendiplomen Morenu und Chab er ist hier längst abgefchafft, und sollen auch die Mizwot nicht mehr versteigert werden. Die Trauungen werden nicht mehr auf freier Straße, sondern an geweihter Stelle im Tempel, zuweilen auch durch einen deutschen Vortrag verherrlicht und auf eine diesem wichtigen Akte gemäße Weise vollzogen. Es wurde auch.bereits einmal durch Anstellung eines musikalisch-gebildeten Kantors der Versuch gemacht, einen geregelten Gottesdienst nebst Choralgesang bei uns einzufnhren, doch dieses Unternehmen scheiterte au dem schroffen Widerstande einiger Zeloten und so wurde das schöne Musenkind gleich bei der Geburt erstickt und so vor der Wiege zu Grabe getragen. An wohtthätigen Vereinen mangelt es in unserer Gemeinde nicht, unter denselben ist besonders der Verein zur Bekleidung armer Schnlknaben und Beförderung von Handwerken besonders hervorzuheben. Auch bestand bei uns seit mehren Jahren ein Leseverein für jüdische Schriften, welcher sich dieses Jahr in einen Lesezirkel verwandelt hat. Unsere Elementarschule, an welcher jetzt 5 Lehrer fnngiren, könnte an Größe und Wirksamkeit wohl den größten Schulen des Herzogtums angereiht ivcvtocn 5 auch ist mit derselben eine Industrie- Schule verbunden, und auch der hebräische Unterricht derselben einverleibt, um solchen vor völligem Untergang zu retten, da wie bekannt der Unterricht in den Winketschulen Seitens der kön. Regierung verboten ist. Doch nicht nur an unsrem Horizonte fängt es allmälig zu tagen an, auch an dem für uns so düstern Firmamente des bürgerlich-socialen Lebens haben in jüngster Zeit einige freundliche Sternlein für uns sich blicken lassen. So sind bereits einige Stadtverordneten - Stellvertreter und bei der jüngsten Wahl auch ein Stadtverordneter anö der Mitte der jüdischen Bürger gewählt worden, und während noch vor wenigen Jahren in den Statuten der hiesigen Schützengilde gesagt wurde, daß nur Bürgern christlicher Konfession der Eintritt in diese Gesellschaft gestattet wird, fand bei der im vorigen Jahre hier gebildeten Bürger-Ressource kein Unterschied deS Glaubens statt, und von den sich gemeldeten 12 jüdischen Bürgern wurden 8 durch Ballctage ausgenommen, und bei ihrem Eintritte mit der größten Zuvorkommenheit behandelt. So beginnt die seit Jahrtausenden ans Vornrthcil basirte schroffe Scheidewand wie überall auch hier zu wanken, und der sowohl in religiöser, staatlicher und socialer Hinsicht in jüngster Zeit gewonnene Vorsprung kann uns wohl zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigen. 'I. C. Oesterreich. 12. Jan. Gesinnungsfreiheit und Läuterung des Gottesdienstes ist das Feldgcschrei, oder vielmehr Gerede der Israeliten, Entfesselung und Befreiung von den verschrobenen Geist und Herz beschränkenden Zwangsketten der mittelalterlichen Satzungen, ist der Ruf Tause n d er. — Die dadurch entstandenen Verwirrungen und Zersallenheiten in den jüd. Gemeinden in Ungarn, sind allbekannt. Es e.ristirt beinah keine Gemeinde, wo ein besserer Sinn für die Organifirurrg und Regelung der Liturgie und des Lehrfaches nicht kräftig anfgctancht wäre. Dieser sogenannte Nenheitssinn hat nicht nur eine unausgleichbare Meinungsverschiedenheit erweckt, sondern einen unheilbringenden Parteienkampf hervorgernfen, der den heitern Horizont der Glaubenstreue verdüstert. Dieser Kampf wird nicht mehr zur Ehre Gottes, zur Verbreitung der Lehre, zur Befestigung des Glaubens und zur Erleuchtung und Reinigung der Gesinnungen geführt. — Die Gemnther sind so gereizt und erbittert, daß dieser Kampf verheerend auf das Leben , gefahrvoll auf die Gesittung und auf den Hausfrieden einwirkt. :— Diese Trotzbietnngen wären freilich schon beschwichtigt und die Injurien des Parteihasscs wären schon vergessen , wenn nicht schwärmerische Frömmler und Zwischenträger jeden Funken, welcher mit dein Maiüel der