Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1848)
- Date
- 1848-02-12
- Page
- Seite 56 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 56 — sicht gedrücktes und gequältes Häuflein, sich selbst beißend und schadend, trennen soll, in einer Zeit, wo sich feindliche Stimmen über die Israeliten, gefahrdrohend erheben, und eine Vereinigung der moralischen und physischen Kräfte höchst n'öthig ist, mit dem Stempel der Wahrheit an's Licht der Oeffenttichkeit zu. fördern. — Die hiesige jüdische Lehranstalt leidet seit der Entstehung au Wehen, die die Geburt erwünschter Folgen erschweren und den besten Bestrebungen, diese Anstalt emporznbringen, hemmend entgegentreten. Anfangs waren viele gute und lernbegierige Schüler, es war aber weder ein Schnlhaus noch ein tüchtiger Lehrer, Genüge zu leisten. Nun sind Lehrer genug und auch ein geräumiges Schutlokal, es fehlen aber die Schüler um unterrichtet zu werden. Kaum 40 Kinder sind in allen drei Klassen zu finden. — Mit dem heftig brausenden Sturm der. Gcmcindewirren und Spaltungen wurde auch das unschuldige Schulwesen hingerissen. —h. Prag, 1. Febr. Die Vermögenssteuer ist aufgehoben, das ist das wichtigste Faktum , welches der Mittheilung werth ist; Hr. v. Lämel, Hr. v. Portheim, ferner Richter, Martinoves, Katz u. A. haben um die Aushebung derselben sich ein großes Verdienst erworben und verdienen den Dank der Gemeinde. Wohl ist mir bekannt, daß über viele derselben und sogar in diesem Blatte Klagen geführt wurden, allein bei genauer Einsicht in die Verhältnisse sieht man sofort, daß die Beschwerde der Vermögenden mehr eine Frucht der' Selbstsucht und des Geizes ist und in der That sind die Armen sehr dankbar. — La n d a u, unser umsichtiger und thätiger Vorstand, war eine länger^Zeit an das Zimmer gebunden, um so mehr freuet sich hier Alles, ihn nun wieder hergestellt zu sehen. — Die hiesige Zeitung von: 23. Jan. bringt in ihren Spalten die Nachricht, daß Dr. Kämpf nunmehr durch höchsten Beschluß zum .Prediger und Rabbiner der Gemeinde des neuen Bethans in Prag ernannt worden und daß die Gemeinde diesen Beschluß freudig begrüßt, weil sie nach dem bisherigen Wirken desselben, sich zu den schönsten Erwartungen berechtigt halte. Das Provisorium K.'s hat somit anfgchört nach einer Dauer von zwei Jahrerl und seine Gerneinde ist in der That zu manchen Erwartungen berechtigt. Die regelmäßigen, tref durchdachten Predigten, die er bis jetzt gehalten, und die formell und' inhaltlich abgenrndct waren, die Vorträge über' Pirke Ab et, wie überhaupt sein Charakter, Geradheit und Entschiedenheit in seiner Amtölei'turig, 'seine Thätigkeit irn Armenwesen, sein strenggläubiges und orthodoxes Verhalten ohne Ueberspannung oder Affektarion haben ihn der Gemeinde lieb gemacht. Diese Eigenschaften erkennen auch seine Feinde an, oder cigent- Vertag vorr C« 8. Fritzsche. lich die Indifferenten," da er keine Feinde hat. Dazu kommt noch seine wissenschaftliche Befähigung, sein Streben und Ringen auf diesem Wege, den er in früheren gelehrten Aussätzen begonnen, fortznsahren, da jeder Mann weiß, daß das Judenthum in seiner Fortentwickeluug nur von der Wissenschaft getragen werden kann. Es wäre nur zu wünschen, daß Hr. K. nunmehr seinen Einfluß auch aus die Bildung der Jugend ausdehnen möchte, da das Provisorium, welches ihm bis jetzt zur Entschuldigung gedient, aufgehört. Wsien, 25. Jan. In meinem vorigen Berichte habe ich bereits angeführt, daß mau hier damit umgegarrgen, Hrn. M a n n heimer einen Prediger zuzugesellm und daß dieses nrislungen. Ich will dieses nun Ihnen fpecicller mittheilen. Der Lokalrabbincr Eehn aus Raudnitz in Böhmen, der sich um die Hiesige zweite Predig er stelle beworben, ist mit seiner Probepredigt, die er vor Kurzem hier gehalten, mit großer Aufmerksamkeit durchgefallen. Es war vorauszusehen, daß das hiesige Publikum, seit so vielen Jahren cm Mannheimers Beredsamkeit gewöhnt, wohl schwer einen finden werde, der ihr genügt. —DasBörsenspiel, welches unter den hiesigen Israeliten so furchtbar eingerissen , das seine Mitglieder dcmcralisirt und viele Familien schon unglücklich gemacht, fordert noch jetzt immer seine Opfer. Es ist das fluchwürdigste und nichtswürdigste Treiben, aus welches der Schandpfahl oder das Zuchthaus stehen sollte, es ist ein Laster, gegen welches Wucher und Schacher als Tugenden erscheinen. Vor 3 Tagen schied aus unserer Mitte ein Gemeindeglied, welches ein Opfer dieses Spiels geworden sein soll. Hr. Joses Wertheimer ging ab nach Paris, um nicht wieder zu uns zukommen, in Verhältnissen, die tief betrüben iniiffcit. Durch Einführung der ersten Kiuderbewahranstalt in Wien, durch Gründung eines israelitischen Handwerkervercins und durch seine humanen Bestrebungen bekannt und unter uns sehr beliebt, durch die treffliche historische Schrift, ,,die Juden in Oesterreichs berühmt, mußte durch Verlockung dieses Ungcheilcrs "fallen und uns um eins der 'besten Mitglieder bringen. Personalchronik und Miseellen. Leipzig. Die freien Bewegungen in Italien geben dem Juden i?eue Hoffnungen. Sind einmal die alten Götzen gestürzt, so wird die Göttin Freiheit auch den Juden ihre Gunst zuwenden und sie .für den langen Druck entschädigen. Druck von I. H. Nagel.