Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1848-02-12 · Heft 7 (12.2.1848) · p. Seite 53

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 7 (12.2.1848)
Date
1848-02-12
Page
Seite 53 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360526-2360534--6276-3533887
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

53 Unter den gestern Abend zur Schlußvorlage nnd Unterzeichnung gekommenen Petition hiesiger Bürger und Einwohner an die Abgeordnetenkammer, die bereits mit einigen hundert Unterschriften versehen sind, betrifft die zweite ,,die Religionsfreiheit, insbesondere die Vollberechtigung der Deutschkatholiken und der Juden und die Beseitigung der konfessionellen Trennung in den Schulen"; sie schließt mit den Anträgen: die zweite Kammer wolle mit allen verfassungsmäßigen Mitteln dahin wirken: 1) daß den Juden ungesäumt der Vollgenuß aller bürgerlichen uno politischen Rechte eingeranmt; 2) daß die Gleichberechtigung der Dentschkatholiken mit den Anhängern der übrigen christlichen Bekenntnisse sicher gestellt werde; 3) daß in der protestantischen und in der römisch-katholischen Kirche keine unvolksthümliche und der Freiheit feindliche Richtungen und Strebungen begünstigt werden und 4) daß Fr i ed e u n d Eint r ach t un t er d c n versch i ed cne n Kon f e ssi o n en durch Aufhebung der konfessionellen Trennung in den Schulen g efördert und in diesem Sinne die des fallsige Regierungsvorlage behandelt werde. Ans der Provinz Posen, 20. Jan. Am 11. d. M. hat in der S.-G. Posen eine neue Repräsentanten-Wahl stattgefunden, und wie verlautet, soll dieselbe zu Gunsten der Fortschritts-Partei ausgefallen sein. — Auch gut, obgleich so Etwas in P. nicht viel zu bedeuten hat. — Dr. Cr. fährt fort, in der Kwea-Jttim-Chebra Vorträge zu halten, und zwar ganz im Sinne der strenggläubigen Mitglieder dieses Vereins, d. h. wie ein „“tiai pna. — Glauben Sie an eine Metamorphose bei unfern modernen Theologen? Ich nicht. Wohl aber glaube ich an eine, vielen von ihnen innewohnende Chamäleons-Natur, die sie fähig macht, ihre Gestalt wie ihr ganzes Wesen nach dem Wetter und der Temperatur der sie umgebenden Luft auf eine Zeit lang zu verändern. Und auf diese Weise pflege ich mir die Widersprüche zu erklären und die Fragen zu beantworten, so sich'mir bei diesem und jenem,'hie und da manchmal gewaltsam aufdrängen.— Daß der Posener Brüder - Verein über die zu besetzende Predigerstelle in seinem Betlokale die Konkurrenz bereits eröffnet hat, ist den Lesern dieser Blätter hinlänglich bekannt. Zu rügen ist, daß für diesen Posten nicht mehr als 300 Rthtr. Gehalt ausgesetzt worden. Ist die Stadt groß, so sind es auch die Bedürfnisse, und das hätten die Herren Brüder wohl erwägen und ihre Predigerstelle wenigstens mit 400 Rthtrn. (wie es auchfrüher bestimmt gewesen) dotiren sollen. Uebrigens wird's auch so an Meldungen nicht fehlen; denn die Zahl unserer Kandidaten ist wie Sand am Meere, und wer in einer Stadt wie Posen Prediger wird, hat doch die Aussicht, neben diesem Amte auch als Religionslehrer oder sonst so etwas reüssireu zu können. Ob aber von dem in P. selbst, lebenden Kandidaten- Tri o sich Einer um die in Rede stehende Kanzel bewerben werde, will mir um so zweifelhafter erscheinen - als sie leider alle Drei schon die Wahrheit des Spruches „Remv. profela in patria“ ' ju erfahren das Schicksal gehabt haben. — Was die, Herren Brüder betrifft, so ist ihnen zu wünschen, daß sie in ihrer neuen Wahl glücklicher sein möchten, als sie es in der vor sechs Jahren gewesen. — Das isr. H an dtung sd ien er - I n sti tu t gewinnt — Dank sei es dem zeitigen Direktor- Herrn Eduard Käntorowicz — immermehr an Ausdehnung und Wirksamkeit. Die wohlthätigm Zwecke, welche genanntes Institut verfolgt, sind von dem Schreiber dieses bereits vor einem Jahre in diesen Blättern ausführlich angegeben worden. Durch den Abgang Dr. Loewenthal's nach Triest hat das Institut einen nicht leicht jit ersetzenden Verlust erlitten. Denn L.'s Vorträge (vor zwei Jahren aus den: Gebiete der Naturtehre und im vorigen Jahre aus dem der neuern klassischen Literatur), waren jederzeit eben so belehrend als anziehend, wenn sie auch gerade nicht immer eines zu starken Auditoriums sich zu erfreuen gehabt haben. — Die Vorträge des Prof. Müller (gegenwärtig über Geschichte, Politik und Handel) finden nach wie vor regelmäßig an jedem Sonnabende statt und sind, wie immer, auch in diesem Winter sehr stark besucht. Zum Lobe des bereits erwähnten Direktors, Hrn. E. K., muß noch gesagt werden, daß derselbe die, von Vielen gewünschte Umwandlung des Lesekabinets in eine Liederhalle (vgl. unfern Art. in Nr. öl v. I.) nicht hat zur Ausführung kommen lassen. — Aus andern Gemeinden der Provinz habe ich Ihnen für heute gar Nichts mitzntheilen. Vielleicht das nächste Mal. W. Nawiez (im GH. Posen), 24. Jan. Wenn ich auch nichts Wesentliches auf dem Gebiete des Fortschrittes ans unserer Mitte zu berichten habe, so ist meines Erachtens auch das Geringfügigste ein Gewinn zu nennen in einer Gemeinde, von welcher noch vor einem Jahrzehent der größte Theit der Last des Rabbinismus und des verbrauchten Herkommens fast unterlag. Doch es ist nun anders geworden. Die Alles heilende Kraft der Zeit ist auch bei uns nicht spurlos vorübergegangen und sie hat es vermocht, auch unsereHerzen fürs Bessere und Zeitgemäße empfänglich zu machen. So hat der von Dr. Löwenthal vor einem sehr zahlreichen Auditorium in unserer Ressouree gehaltene Vortrag über Geselligkeit und Freundschaft außerordentlichen Anklang gefunden. Auch hat Dr. Krackauer durch seine am Sonnabend wa-Jechi und auf vielseitiges Verlangen an dem darauffolgenden Sonnabend in unserer Synagoge gehaltenen gottesdienstlichen Vorträge, durch sein Rednertalmt sowohl als durch den gediegenen Inhalt, den ungetheilten Beifall der zahlreich versammelten jüdischen u.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.