Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1848)
- Date
- 1848-02-12
- Page
- Seite 52 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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52 abgegeben worden zu sein. — Von Pommern her ertönt dieselbe Klage wie aus Schlesien und aus der Provinz Sachsen/ daß die durch das sich so nennende Toleranz-" edikt vom Jahre 1847 den Dissidenten und den Juden auferlegten Geburts-, Traunngö- und Leichcngebühren für Viele drückend, für Manchen sogar unerschwinglich seien. Daß gleichsam eine Geldbuse auf diejenigen gewälzt werden solle, die einer der beiden vom Staate bevorzugten Kirchen entweder nicht angehören oder nicht inehr angehören wollen, ist eine Vermuthung, die wir im Interesse des Rufes der preußischen Regierung nicht durch die That bestätigt sehen möchten. Gewiß läßt sich eine derartige Geldauftage eben so wenig rechtfertigen als die in der Vorenthaltung oder Entziehung einiger oder vieler bürgerlichen und politischen Rechte bestehude Beeinträchtigung derer, die nicht im Schooße einer von jenen beiden Landeskirchen geboren sind oder dieselbe aus freiem Antriebe verlassen haben. Eö liegt eine Herabsetzung für dm Staat selbst darin, wenn es auch nur den Anschein gewinnt, als wolle er den Armen um seiner Armuth willen von einem Schritte zurückhalteu, den der Reiche durch seinen Reichthum zu thnn leicht m den Stand gesetzt ist. Das ist nun freilich eine Klage,, zu welcher die Deutschkatholiken und die. freien Gemeinden (gegen die. Altlntheraner scheint die mildere Praxis vorzuwalten) noch viel gerechtere Ursache haben als die Inden; denn diese sind wenigstens von den Kosten des Austritts ans einer der beiden anerkannten Kirchen und von jeder nach demselben fortdauernden Abgabe an dieselben der Natur der Sache nach befreit; aber auch die den Juden auferlegte Abgabeist eine drückende und die bei Geburts- und Todesfällen eingesührte Ordnung für die zur Anmeldung derselben Verpflichteten, namentlich für die Landbewohner unter denselben, kostspjelig, zeitraubend und mit mancherlei Unannehmlichkeiten verknüpft. Die Stettiner Borsennachrichten der Ostsee hatten daher ganz Recht, wenn sie die in dieser Beziehung im vorigen Jahre sestgestellten"Bestimmungen neulich scharf rügten und sogar hinzufügten, die den Inden jetzt auferlegten Abgaben seien einer nur in anderer Form wieder eingeführten Judensteuer gleich zu achten. — In der Stadt Posen hat jüngst die Wahl eines Knltuskommissarius stattgefunden. Die größte Stimmenmehrheit erhielt das Haupt der orthodoxen Partei, Herr Rabbiner Eiger in Posen; die nächstmcisten Stimmen sieten ans den Rabbiner Dr. Gebhard in Gncsen. , den man als den Repräsentanten der Reformer betrachtet; nur vier der Anwesenden erklärten sich für den Religionolehrer Herrn Pleßner in Posen. Die Mehrzahl der Stimmberechtigten, die dein Jndifferentismns zugechan ist, war ganz ausgcblieben. So ist denn Herr Rabbiner Eiger zu Posen zum Kuttnskommissär gewählt worden; doch muß erst die Abstimmung in den übrigen jüdischen Gemeinden,des Großherzogthums erfolgt sein, ehe diese Wahl giltig ist und es'ist nicht unmöglich,, daß daun das Resultat der Gesammtwahten ganz anders, und namentlich für den Kandidaten der Reformpartei günstiger ausfällt. Bei dem im Anfänge dieser Woche in Berlin stattgehabten Ordensfeste (es wird dieses eigentlich-am 18. Januar zur Erinnerung au die vom 18. Januar 1701 datirende preußische Königswürde gefeiert) wurde auch ein Jude, der Handtungsdiöponent Alifeld zu Brandenburg, mit dem allgemeinen Ehrenzeichen dekorirt. Bisher pflegte die sonst mit Ordcnsertheilungen eben nicht sparsame, preußische Regierung die Inden von dieser Auszeichnung anszuschließen, was wir weniger im Interesse der Betheiligten, als in dem der Gerechtigkeit und des PrincipS, daß jedem wahren Verdienste feine Anerkennung gebühre, bedauern zu müssen glaubten. Uebrigens hat dieselbe preußische Regierung, die ihren eigenen jüdischen Bürgern eine solche Auszeichnung zu Theil werden ließ, öfter Gelegenheit gehabt, die wissenschaftlichen oder sonstigen Verdienste derselben von auswärtigen Mächten anerkannt zu sehen, in welchen Fällen sie denn die die durch fremde Fürsten geschehene Ordens- oder Titelverleihnng bestätigte. So geschah es, um nur ein Beispiel zu erwähnen, in Bezug auf den Geheimen Kommerzienrats) Beer in Berlin, dem wegen seiner Leistungen im Gebiete , der Astronomie von dem jetzt verstorbenen Könige von Dänemark der Danebrogsorden verliehen worden war. Daß der andere Bruder desselben, der Komponist Herr Meyerbeer, viele derartige Auszeichnungen vom Auslande her empfing, ist allgemein bekannt. — In Mühlhausen (Provinz Sachsen) ist kürzlich zum ersten Male ein Jude zum Stadtverordneten gewählt worden. — In Baiern ist das neulich erwähnte ministerielle Rundschreiben wegen der Zusammenstellung officiellcr Listen über die jüdische Bevölkerung an die einzelnen Regierungen erlassen worden. In H a nn over ist die Errichtung eines jüdischen Seminars in der Hauptstadt des Landes anznzeigen; doch können wir nicht umhin, bei dieser Gelegenheit noch einmal unser Bedauern zu wiederholen, daß die sich zu Lehrern oder Rabbinern vorbereitenden Juden nicht die allgemeinen Schullehrcrseminaricn oder die Landesuniversität besuchen. Hrn. Dr. Frenödorff, dem bisherigen Oberlehrer der jüdischen Schule zu Hannover, ist die Leitung des neuen Seminars übertragen worden; die dadurch vakant gewordene Oberlehrerstelle soll zu Ostern wieder besetzt werden. — Der Einweihung der neuen Synagoge zu Fricdrichstadt im Herzogthmn Schlesw ig würden wir hier nicht besonders gedenken, wenn nicht bei dieser Gelegenheit mehrere christliche Geistliche ganz int Gegensätze zu der Mehrzahl ihrer Kollegen in südlichen Deutschland , sich intolerant gezeigt hätten, indem sie der zu den dabei angeordneten Feierlichkeiten an sie ergangenen Einladung nicht Folge leisteten. Mannheim, 23.. Jan. (Mannh. Abendz.)