Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1848)
- Date
- 1848-02-12
- Page
- Seite 51 (sequence 5)
- Language
- German
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51 und Hessen-Darmstadts. SD agegen inerten die meiningschen Stände diesmal wohl faum das erst ans den letzten Jahren datirende Judengesetz einer neuen Prüfung und Verbesserung unterwerfen. Auch die stärtdischen Ausschüsse in Preußen werden einmal, weil der vorigjährige Vereinigte Landtag sich mit der Jndenfrage lebhaft beschäftigt hat und das neue Gesetz erst am 23. Juli 184? erlassen werden ist, dann aber besonders weil sie selbst sich weder mit Petitionen noch mit einem andern BerathnngSgegeustande als dem ihnen vorgelegten Strafgesetzentwurfe zu befassen die Absicht haben, der Judenfrage keine Berathnng widmen können. Von den übrigen in den nächsten Monaten oder doch noch in diesem Jahre znsammentretenden ständischen Versammlungen haben die holländischen Generalstaaten über eine Jndengesetzgebttng nicht mehr zu berathen nöthig, weil in Holland seit länger denn 50 Jahren die vollständige Gewissensfreiheit unangetastet besteht. Dagegen wird in Nassau die Sache der Juden wohl diesmal durch einen günstigen Beschluß erledigt werden. Weniger erfreuliche Erwartungen hegen wir dagegen von den wcimarschen Standen und denen des Königreichs Sachsen. Ob die neugewählte hamlöversche Abgeordnetenkammer ihre Vorgängerin in Betreff der Frage der Gleichstellung der Inden beschämen und in den Schatten stellen werde, ist mindestens noch zweifelhaft; dagegen hoffen wir von den in Schleswig und Holstein in diesem Jahre wohl nicht ausbleibenden ständischen Debatten über die Jndenfrage euren besseren Erfolg als zu unserem besondere Leidwesen bis jetzt von dorther zu berichten war. Ob in Lübeck, ob endlich in Hamburg die nnverjährbaren Forderungen-der Inden, denen gewiß die beiderseitigerr Behörden ihre volle Sympathie znwenden, schon in der nächsten Folgezeit auch bei den Bürgern Gehör und durch ihre Zustimmung die längst gehoffte Erfüllung finden werden, ist freilich nicht vorhcrznsagen, kann aber bei dem, der an den Triumph des Prinzips der Freiheit, der Wahrheit und der Gerechtigkeit ohne Wanken glaubt, keinen erheblichen Zweifel unterliegen. — Doch das sind Hoffnungen für eine nähere oder fernere Zukunft; kommen wir zu den Vorgängen der Gegenwart zurück. — Da treten uns zuerst im b ri t sch en R e i ch e die Anzeichen des neuen Sturmes entgegen, der sich wahrscheinlich schon vor der zweiten Lesung der Jndenbill im Unterhause/erheben wird. Doch sind Sir Robert Jnglis Provokationen an das „christliche Volk Englands", d. h. an die Gegner der Judenemaneipation, bis jetzt nicht des von ihm gehofften Erfolges thcilhaftig geworden, vielmehr sprach sich die Stimme des Volkes auf den Meetings in Sonthwark und Edinburg zu Gunsten der Judenbill ans. —■ Diese Stimme des Volkes, insbesondere der gebildeteren und von echter Humanität erfüllten Bürger, — sie ist in den letzten Wochen auch wiederum in Deutschland an mehreren Orten laut geworden. So im Großherzogthum Baden bei Gelegenheit wegen der Einreichung von Petitionen an die zweite Kammer gehaltenen Bnrgerversamnllnng zu Mannheim, auf welcher n. A. auch die Bitte nur Religionsfreiheit, zunächst wohl mit Rücksicht auf die Dentfchkathclikcn und die Inden, beschlossen wurde. Derselbe Fall hat sich in Würtemberg ereignet; als nämlich am 1?. Januar in Stuttgart der Abgeordnete Banquier Federer seine Wähler zur Aeußcrung ihrer Wünsche zusammenberufen hatte,, legten sie ihm unter zahlreichen andern Wünschen auch folgenden dringend zur Befürwortung bei der Abgeordnetenkammer ans Herz: „Gewissensfreiheit nicht nur dem Worte sondern auch der That nach, so daß Keiner um seines religiösen Glaubens willen feiner bürgerlichen Rechte verlustig gehe." In den beiden cbcnerwähnten süddeutschen Staaten ist übrigens auch in gewerblicher Beziehung, in Baden für die Inden speeiell, in beiden aber auch noch für alle Staatsangehörigen Vieles zu bessern übrig. Ueber welche Zurücksetzungen, Beschränkungen und Uebelstände sich die Inden insbesondere noch in Baden 311 beklagen haben, daß läßt sich am besten aus dem in der vorigen und heutigen Nummer d. Bt. enthaltenen Auszüge ans dem Protokolle der im vorigen Jahre zu Emmendingen gehaltenen Generalversammlung des. allgemeinen badischen Landesvcreins ersehen und ist auch kürzlich in gedrängterer, aber schlagender und rückhaltsloser Weise in einer Korrespondenz der Deutschen Zeitung zur -Sprache gekommen. Ob die Annahme des mehrerwähnten Helmreichschen Antrags auf Einführung einer bedingten Gewerbesieiheit auch hierin einen heilsamen Einfluß üben und einen nachhaltigen Umschwung herbeiführen werde, läßt sich zur Zeit noch nicht bestimmen. Jedenfalls steht in Baden wie in Würlemberg eine Umgestaltung der bisher geltenden gewerblichen Versaffnng bevor, wie dies namentlich die im vorigen Jahre in Stuttgart und Tübingen gepflogenen Berathmzgen und die in Folge derselben gefaßter: Beschlüsse und Heransgegebenen Schriften beweisen. — In Betreff der Universitätsfrage in Preußen ist wieder einiges Detail über die Abstimmung der einzelnen Fakultäten an der Breslauer Universität hinsichtlich der Zrilassirng der Inden zrr akademischen Aemtern bekannt geworden. Die Majorität der medieinischen Fakultät hat, wie bereits früher berichtet werden, diese Zulassung widerrathen; dagegen haben die überwiegend meisten Professoren der philosophischen Fakultät, denen man zu ihrer Ehre nachsagen muß, daß sie schon vor dem von'gjährigen Judengesetze zweimal ans die Gestattung der Promotion jüdischer Doktoranden in Breslau augetragen hatten, für ihre Aufnahme in den Kreis der Universitätslehrer gestimmt, und ein gleich günstiges Votum scheint auch von der Mehrheit der Professoren der übrigen Fakultäten, nämlich der juristischen, so wie der evangelisch- und der katholisch-theologischen, 7*