Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1848)
- Date
- 1848-02-05
- Page
- Seite 47 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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47 .,B ücher mache n". Und fragt man solch einen büch erwachen den Schulmeister im Vertrauen: „wozu hast Du dieses oder jenes Produkt Deines Geistes erst in die Welt geschickt?" So verweist er Einen auf die Vorrede, oder gar auf das Titelblatts wo es groß und breit zu lesen, daß er das Buch nur für seine Schule geschrieben. — „Für seine Schule geschrieben" — diese Alltagsphrase ist mit einer von den Gemeinplätzen auf dem großen Markte unserer Literatur, von den Gemeinplätzen, nach welchen Stümper und mittelmäßige Köpfe ihre Zuflucht nehmen, in dem rhörichten Wahne, die Fang-Arme der Kritik würden sie dort nicht erreichen können. Man schreibt „für seine Schule" — „für feine Gemeinde" — „zum Besten dieses oder jenes Vereins"! rc. rc." Ja, so heißt es allerdings. Aber in der That schreibt man nur für sich , zu seinem eigenen Besten. E i- : telkeit und Ehrsu ch t sind Dinge, die zu Zeiten etwas stark kitzeln, und der Verlagsbuchhändler wird doch nicht im- : wer so ein Kautz sein, daß er dergleichen Manuskripte gar - nicht honoriren sollte. — Man hat also mit Einem Schlage zwei Fliegen gekostet; denn indem man für seine Unsterblich-; keit gesorgt, hat man zugleich auch seinen Säckel bereichert.; — Doch genug hiervon. — Denn wenn wir noch langer so! fortführen, würde es nöthig sein, daß wir unfern Artikel dann ' auch mit einem Sternchen Unterzeichneten — und das : wollen wir durchaus nicht. — Kehren wir nun wieder nach Posen zurück. — Diejenigen jüdischen Kinder, welche weder die Privat- und Winkelschulen noch die St.J. Freischule besuchen, haben entweder 10) Als wenn nicht schon genug, als wenn nicht schon zu viel da wäre. Haben wir nicht Ueberfluß an Allem? und haben wir nicht auch des Guten recht Viel aufzuweisen? Suchet aus dem Guten das Beste aus und lernt es benutzen, ja lernt es benutzen. Vergeudet nicht die Zeit mit der Zutageförderung dessen, was in Eurem Gehirne herumspukt und ihr, weils Euch neu scheint, sür neu, für noch nicht da ge wesen haltet; sondern bedenket und nehmet es Euch zu Herzen, daß die Schule viel, o gar gewaltig viel darunter leidet, wenn der Lehrer darnach strebt, sich durch Vüchermachen einen „Namen", — oder sei es auch nur „Geld" — zu verschaffen. Denn abgesehen davon, daß ein ruhm- und gewinnsüchtiger Mensch die bohern Zwecke in der Regel hintenansetzt oder gar vernachlässigt, so ist auch-noch zu bedenken, daß dem Schulmeister, welcher seine Musestunden ^zum Büchermachen verwendet, nur selten Zeit zur „Selbstvorbereirung, für den Unterricht" übrig bleiben dürfte, und daß so ein Diminutivtalent, das sich einmal selber ein System geschaffen, immer und ewig bei seiner Produktion beharren würde, ohne zu erwägen, daß er doch eben so gut, wie jeder „Gelehrte" hie und da könnte gefehlt haben (Pedantrie). 11) Geschrieben muß werden. Und weiß man gcrr nicht mehr, unter welchem Vorwände man Etwas aus der Rumpelkammer seines Geistes auf den Trödelmarkt der großen Stadt Makulaturia schicken soll, so fangt man an, Vorreden, Einleitungen oder Anmerkungen zu den Werken Anderer zu sabrickren und sucht auf diese Weise seinen Zweck oder seine Zwecke zu erreichen. Exempla sunt nota. — gar keinen Unterricht, oder sie sind in christlichen Schulen untergebracht. Das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium ist mindestens von 120 jüdischen Schülern besucht, die sich aber fast ausschließlich nur in den untern Klassen befinden. Denn weiter als bis zur Quarta läßt selten ein dortiger Jude sein Kind das Gymnasium besuchen. Wir haben schon vor dem Beginne dieses Decenniums in P. gelebt und können uns nicht erinnern, daß mehr als Ein Jude am dortigen Fv.W. Gymnasium das Abiturienten-Examen ablolvirt hatte. Das Polnische oder Marlen-Gymnasium hat nicht einen einzigen jüdischen Schüler aufzuweisen.12 —> In der König!. Luisenschule,' der ersten Töchterschule in Posen, werden nicht alle jüdische Mädchen ausgenommen, in der Regel nur die Töchter ganz reicher Juden. Es kommt hierbei (wie der Direktor dieser Anstalt selber schon geäußert haben soll) auf Konnexionen u. dgl. viel an. Dagegen sind die vier Klassen, der mit dem „Seminar für Erzieherinnen" verbundenen und unter der Leitung desselben Direktors stehenden, Elementarschule fast nur von Judentöchtern frequentirt." Ueber das Auffallende dieser Erscheinung hat Ihr neuer Posener M.Korrespondent in Nr. 51 v. I. bereits genügenden Aufschluß gegeben. -- Den Religionsunterricht (2 Stunden wöchentlich) erhalten sowohl die jüd. Schülerinnen der Luisenschule als auch die der Seminarschule von einem „Theologen en miniature“, der sich sehr viel darauf zu Gure thut, im Sommer 1844 eine Stunde lang Mitglied der ersten deutschen Rabbiner - Versammlung gewesen zu sein. Derselbe Gelehrte hat sich auch (weiß der Himmel, durch welche Gunst) im vorigen Jahre die Erlaubniß zu verschaffen gewußt, den jüdischen Schülern des Fr.W.Gymnasiums in einem Ktaffenlokale desselben allwöchentlich 2 Stunden Unterricht in der Religion ertheilen zu dürfen. Glücklicherweise ist es aber nur der kleinste Theil der jüdischen Gymnasiasten, welcher-an diesen Stunden Theil nimmt. — Ob aber die anderen dafür zu Hause in der Lehre Gottes unterwiesen werden? Alle, gewiß nicht! Doch, das steht fest, besser gar kein Religionsunterricht, als ihn von..solchen „fahrenden Rittern" zu genießen. Es ist nur eine Satyre auf das heilige Wort unserer Väter, wenn dergleichen Menschen sich hinstellen, es zu verkünden, zu erklären und in die Gemüther der Jugend 12) Der Grund hiervon ist uns nicht bekannt. Aber Ihr Posener M. Korr, scheint ihn zu wissen, und thut er Unrecht, daraus ein Geheimniß zu machen. 13) Der Andrang der Judentöchter zu dieser Schule wird mit jedem Semester furchtbarer, würde aber bedeutend abnehmen, wenn das jüdische Publikum sich doch einmal die Mühe geben wollte (und es dürste ihm übrigens keine große Mühe kosten), die Ueberzeugung zu erlangen, daß in der, bereits seit 10 Jahren bestehenden Feilchenfcld'schen Töchterschule in jedweder Beziehung mehr geleistet werde. Nur diese Anstalt kann Ihr Posener M. Korrespondent im Sinne gehabt haben, wenn er .gesagt, daß in P. sich eine einzige jüd. Mädchenschule vor allen andern dasigen Pcivatschulm rühmlichst auszeichne.