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Der Orient · 1848-02-05 · Heft 6 (5.2.1848) · p. Seite 46

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 6 (5.2.1848)
Date
1848-02-05
Page
Seite 46 (sequence 11)
Language
German
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46 Rabbiner geführt; so kommt der sogenannte Bal ha- Bajit in Desperation mit grimmiger Wuth Alles niederzmeißen und anstatt zu helfen und zu belehren hat der Rabbiner Alles verschlimmert. Dem Vernehmen nach soll von Seiten der hohen Stelle eine Rabbiner-Versammlung in Ungarn stattfinden/ um auf eine Erleichterung und Amaigamirling vorzuber.eilen. Von den 400 Rabbinen ist sehr wenig Erhebliches zu erwarten, hat kaum Einer den Muth einen Minhag anzugreifen und zu beseitigen. Doch wenn Schwab aus Pesth, Wahrmann aus G.Wardein, Freier aus Raab und Open he im aus Temcswar, als Koryphäen der ungarischen Rabbiner kämen, die jungen feurigen Neulinge zu unterstützen, so wären Hundert andere Rabbiner ausgewogen; ein Licht wurde verbreitet werden und es wären Anstalten getroffen, den Baum des Lebens und des Wissen s zu gen ießeu. Das jüdische Schulwesen \ in der Stadt Posen. (Schluß.) ' Es würde jedoch die in Rede stehende Schule unbedingt mehr leisten, wenn erstens die einzelnen Klassen, nicht so erstaunlich übervölkert waren;s) wenn ferner z w e itens das ganze Institut sorgfältiger inspizirt würde, °) und 5) , Als Frei- oder Armenschule sollte die Anstalt' doch nur solche Kinder aufnehmen, deren Eltern zu arm sind, um auf sie an Schulgeld Etwas verwenden zu können. Doch dies vergessen die Herren Lehrer und nehmen Alles, was sich meldet; am bereitwilligsten die Kinder der Reichen und Bemittelten, weil sie bei diesen auf die Theilnahme an den Privatstunden (welche sie nach beendigten Schulstunden in ihren Klaffen ertheilen und wofür, sie sich nach Umständen mehr oder weniger bezahlen lassen) fast immer mit Gewißheit rechnen können. — Die Ueberfüllung in den Klaffen (namentlich in der zweiten und dritten) geht so weit, daß, wenn man immer eine in 3 spalten wollte, jede immer noch eher an Uebecfluß als an Mangel leiden würde. 6) Es wird zwar alljährlich (gegen Ostern) von 2 od. 3 Mitgliedern der Städte u. Schul-Deputation so eine Art Prüfung, abgenommen; doch leider ist (wie in gar vielen Schulen) ein solches „öffentliches Verhören der Kinder" Nichts mehr und Nichts weniger als die pomphafte Zurschaustellung einiger oder mehrerer geschickt und mühsam dressirter Paradepferde, als die eklatante Wiederholung des Stückes, welches wochen- oder mondenlang vorher tagtäglich in der Schule zur Aufführung gekommen..— Nichts als Mechanismus. — Und je geschickter der Mechaniker, desto geschickter werden seine Marionetten tanzen. Nicht, seltenist es schon vorgekommen,. daß durch eine einzige Querfrage aus dem Munde eines anwesenden Schulraths, Schuilnspektors oder Schuldeputationsmitgliedes das ganze, so mühsam.aufgebaute- Kartenhaus über-den Hausen-gestürzt und. völlig zertrümmert worden. wenn endlich drittens die 3 Herren Lehrer auf das Büch erh e rau s ge b en" nicht so versessen sein möchten.') — Was diesen letzten Punkt betrifft, so können wir nicht umhin, uns hier darüber (jedoch im Allgemeinen) etwas näher auszulaffen. — Die Sucht „Schulbücher, Jugendschristen u. dgl. zu fabriziren und in die Welt hinauszuschicken" ist unter den jüdischen Lehrern unserer Zeit'— man möchte sagen — schon zur M anie geworden — und die Schule kann von Glück sprechen, deren Lehrer von dieser Krankheit noch nicht befallen. — „Von Glück!" — Wie so? — Weil die Erfahrung nur schon zu häufig gelehrt hat, daß gerade da in der Praxis am wenigsten geleistet wird, wo man mit der Theorie zu viel glänzen will und dle scheinbaren Erfindungen in derselben in alle Welt hinauszuschreien für nöthig findet. Die That kriecht, wo das Wort lärmt und poltert.^ Man hört so oft darüber klagen, daß wir in Deutschland keine Preßfreiheit hätten. Aber sagen Sie mir, bester Hr. Doktor, sagen Sie mir um Alles in der Welt, ist das nicht genug Preßfreiheit, ist das nicht noch zu viel Preßfreiheit, wenn Jedermann befugt ist, durch seine noch so armseligen Machwerke die Sündfluth unserer Schulliteralur noch immer größer und immer schrecklicher zu machen? Wenn es Allen und Jedem gestattet ist, auf den Babelsihurm unserer Jugendschriftenmakulatur nach Belieben immer mehr papierne Ziegel zu häufen, damit er (der Thurm) höher und immer höher ins Blaue steige und sich endlich ganz hinter Nebel und Wolken verliere? Man hat keine Cenfur zu fürchten und kein Druckverbot — cs schreckt kein rother Bleistift und keine Untersuchung — es droht keine Konfiskation und keine Ausweisung — und das ist nicht genug Preßfreiheit? — O was sind wir Deutschen doch für ein ungenügsames Volk! — Glücklicher Weise i,st es aber nicht die sog. jüdische S ch u l l k t e r a t u r allein (z. B. Religion, Bibl. Geschichte, hebr. Grammatik rc.) worin unsere jüd. Duodezpädagogen ihre Talente versuchen; vielmehr sieht man sie oftja sehr oft, gerade in andere Gebiete (wie deutsche Sprache, Geographie, Rechnen, Gesang n.) sich verirren und dort 7) Wir haben von den Gliedern unserer Triple-Alliance schon Bücher in allen Elementarfächern (in der bibl. Gesch. wie im Rechnen, in der deutschen Sprachlehre, wie in der polnischen, im Gesänge wie in der Ged. Ueb rc. rc.) aufzuweisen; doch alle diese Bücher sind so fade und so geschmacklos, daß sich außer den Verfassern wohl schwerlich noch ein Lebrer finden dürste, der sie einzuführen geneigt sein möchte. 8) Man sieht ja, es wird überall gescheit und gebibelt und ohne. Unterlaß geskribelt, gerade so, als wenn es sein müßte, als wenn Jeder dringend und peinlich dazu aufgeforderr wäre, selber Etwas zu schaffen. Ein Stern-Korrespondent würde von solchen Thoren sagen: Der Nutzen ihrer F ib.el gehört ins Reich der Fabel, und von ihnen eine Bibel riecht gewaltig nach. Ba bel. 9) So paradox dieser Satz auch scheinen mag , st-hat er' doch viel, ja sehr viel Wahres an sich. —-

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