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Der Orient · 1848-02-05 · Heft 6 (5.2.1848) · p. Seite 45

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 6 (5.2.1848)
Date
1848-02-05
Page
Seite 45 (sequence 9)
Language
German
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45 feinr mit wenig Männer. Maul beet, Stachel beer, selbst Wein beer findet man häufig; ebenso gedeiht der Lorbeer gar trefflich. Matratzen und Strohsäcke werden damit gepolstert, um recht behaglich daraufzn ruhen. Auch Stroh giebt es genug, doch fehlet Korn und Kerniges darin. An Klatsch rosen haben wir großen Ueberfluß; besonders fruchtbar jedoch ist das Jahrhundert au Blättern, doch decken diese nicht, wie bei Adam, unsere Blößen zu, sondern die meisten Blätter decken unsere Blößen erst recht auf. — Aller guten Dinge sind drei, und so sind auch jetzt drei Gemeinden bei uns leer (d. h. ohne Rabbiner, leer im buchstäblichen Sinne, giebt es bei uns kaum drei, die es nicht sind); darüber fallen nun Kandidaten und Kandidätlein her, und halten darüber eine wahre Hetz- und Treibjagd. ,,Und es fassen sieben Kandidaten eine Gemeinde' an, sprechend: Unser Brod wollen wir essen, und aus eigene Faust wollen wir in Kutte und Väschen uns kleiden; nur sei dein Name auf uns genannt, o erlöst uns von d er S ch m a ch des Ka n d i d a t e n t h u m s I Und sie ruft an jenem Tage, sprechend: P>O33! Nein! nur wer mehr gibt, der wird erlöst l " — Der Berliner Stern-Korrespondent hat bei der Aufzählung der „Emissäre", die Mähren in fremden Landen sitzen hat, den gegenwärtigen 31 zu Palotta in Ungarn, zu erwähnen vergessen. ' Sollte ein Fürst des künftigen Jahrhunderts, ,,daö Leben dieses 31" schreiben wollen, so will ich ihm hierzu Quellen und Daten geben. Es ist nur böswillige Verleumdung, wenn Leute behaupten, dieser 31 „heißt nichts"; da ich zuverlässig weiß, daß er Peter Singer heißt. Hr. Peter Singer (nicht zn verwechseln mit Peter von Amiens) hat inUngarisch- Brod das Licht der Welt erblickt. An der Wiege großer Männer beginnt schon die Sage, besonders bei solchen, die später selber nichts zu „sagen" haben. Die Sage also geht, gleich an dem neugeb ornen Kinde hätten die Ungarischbroder Hebammen bemerkt, daß ans ihm ein ungarischer 31 (bei uns zu Lande ein bekanntes Notarikon Roth-Bart) werden wird. Es ist evident wahr, daß dieser 31 weder einen noch die ’IDD verfaßt hat (künftige Literaturhistoriker wollen also nicht — wie einst über den weiland 31 — hierüber in Zweifel sein). Schließlich hat derselbe die Akademie des ND9 31 — d. h. des seligen Raw zu Papa — besucht. Weitere Daten weiß ich ad datum nicht, werde aber auch später schwerlich was wissen. — Ich könnte Ihnen noch manchen Beitrag zur Geschichte der großen Männer in der Gegenwart geben, fürchte aber die Geduld Ihrer Leser auf gar zu harte Proben zu setzen und so schließe ich für heute meine Epistel. * Don der Donnn, im Jan. Die jüngsten Nachrichten von den reichötägtichen Verhandlungen, wo über Heimalhstecht manche Grundprinzipe aufge-! stellt und die Juden zur Sprache gebracht wurden — lauten sehr betrübend. Wenn sich die ungarischen Israeliten die 27. Sitzung der Ständetafel vom Ende Deeember recht genau ins Gedächtniß rufen, mit welcher Wuth die Ablegaten über die Juden losgezogen sind, besonders die der königlichen Freistädte, so muß dies alle Herzen mit Kummer erfüllt haben. Bei den früher» Reichstagen, wenn von Juden debattirt wurde, waren die Aeußerungen eine Mischung von Lob und Tadel, von Vor- und Nachthcil, Bitteres und Süßes vermengt, aber jetzt wurden nur Schmähungen auf Schmähungen gehäuft, kaum hörbar war die Stimme'der Gerechtigkeit und der Humanität. — O l wie können wir den schönen Hoffnungen Raum geben vorwärts zu rücken? Alle Aussichten auf eine heitere Zukunft sind verdüstert. Die Ursache dieser verhängnißvollen Wendung ist, daß sich die in Freistädten angesiedelten Israeliten Adeliges ertaubt haben. Nicht nur der überhandnehmende Wucher, sondern ihr Ungehorsam und ihre Widersetzlichkeit und Lieblosigkeit wurden mit grellen Farben geschildert. Ein Hauptbewegungsgrund dieses Rückfalls rührt davon her, daß viele Gemeinden alte und neue den Rabbiner schonungslos mißhandelten, weil er einer Partei zu alt oder zu streng und einer andern Partei zu neu oder zu leicht war. — Der bedrängte und verfolgte Rabbiner mußte gegen seine Gemeinde Klage führen. — Solche Prozesse sind leider häufig vorgekommen, dadurch wurden Blößen und boshafte Thaten entdeckt. — Die auf den Rabbiner gezückten Dolche kehren in die eigene Brust zurück, die Juden zu entehren, wenn sie gegen ihre Geistlichen ehr- und gewissenlos sind. — Günstigere Resultate wären zu gewärtigen, wenn der Reichstag nach Pesth käme, wie dieser Vorschlag bereits bei beiden Tafeln beantragt ivurde und Anklang fand, denn in Preßburg kann sich der Adel kein schönes Bild vom Judenthume entwerfen. Da bewegt sich die Judenschaft um den alten Schlendrian und die Preßburger Gemeinde ist stolz auf ihre Alterthümlichkeit, daß sie jede 5Crt Reform kräftig unterdrückt. Unter der Asche der Zurückgezogenheit liegt aber eine Gtuth verborgen, den günstigen Zeitpunkt still abwartend, wo die Reformpläne hcrvorbrechend, eine ganze Umwälzung und erstaunliche Veränderung in der Gemeinde bewirken und alle orthodoxen Gemeinden aufgeschrcck't, dem Bessern Gehör geben werden. — In Papa ist dem Scheine nach Ruhe. Die Eingekerkerten sind seit Neujahr in Freiheit gesetzt. Das Zetergeschrei ist einstweilen zum Schweigen gebracht. Der Löwe brüllt nicht mehr, die Grundobrigkeit drohet nicht mehr und die Heiducken schlagen nicht mehr. Der Löw hat die Augen geöffnet und seinen unverzeihlichen Fehler eiuzuschen, daß er Kanischa ohne Noth verlassen hatte; einen Ort, wo sich sein Geist frei bewegen und er ungeuirt leben konnte. Nun ist er überzeugt, daß Zwangsmittel zur Reform bei den Juden erfolglos bleiben, werden aber bie Zwangswaffen durch den

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