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Der Orient · 1848-02-05 · Heft 6 (5.2.1848) · p. Seite 44

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 6 (5.2.1848)
Date
1848-02-05
Page
Seite 44 (sequence 7)
Language
German
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44 dem Oberpräsidenten atS Kandidaten verschlagen werden. Schließlich noch ein Faktum, für dessen nähere Bezeichnung Sie'selber einen Namen auffinden mögen. Unterm 10. d. M. sind von Posen ans nach vielen (vielleicht auch nach allen) andern Gemeinden der Provinz anonym (lithogr.) Briefe abgesendct worden, in welchen die frohe Botschaft verkündet wird, daß der OR. E. von der Posener SG. als Kandidat, für die Kultnö- Komm. „durch überaus große Stimmenmehrzahl" erwählt worden wäre. Wie gesagt, die Briefe sind anonym. -— Doch von wem sie gekommen, kann man sich.' an den Fingern abzählen. „Die Streiche sind bei uns im Schwung', Sie sind bekannt im ganzen Reiche. Man nennt sie halt nur Schwabenstreiche". W. Ans der Provinz Posen, 17. Jan. Die anonymen Briefe, von denen^ich Ihnen gestern geschrieben, waren doch nicht ganz leer; denn sie enthielten jeder als Einlage eine gedruckte Anzeige von dem, in Stettin erscheinenden, von W. Lüd ers herausgegebenen „Wächter an der Ostsee".* 1 * — Wie reimt sich das? wird Mancher fragen. Wie kommt der Ostseewächter in die Kultusangelegcnheiten der Inden? wie kommt er in jene Briefe? Wurde da nicht eher eine Anzeige von dem „Altonaer Wächter" hineingepaßt haben, wenn einmal die feigen Posner ihre Briese n i ch t o h n e Wache in die Welt schicken wollten? -— Doch das Räthsel soll gleich gelöst sein. — Hr. Dr. Jost hat in seinem letzten Aufsatze über Salvador (LB. Nr. 3) so manche von den Mitteln angegeben, deren sich die Herren Verleger bedienen, um den von ihnen herauögegebencu Büchern re. eine möglichst ausgedehnte Verbreitung zu verschaffen. Ganz neu (wirklich originell) ist aber das Mittel, welches der Ostseewachter-Verlcger benutzte, um seinem Blatte einen großen Leserkreis zu gewinnen. Er hat nämlich den Obervorsteher der israelitischen Gemeinde zu Stettin zu bewegen gewußt, daß dieser auf der Rückseite der „Ostseewächter-Anzeige" einige Zeilen (in hebr. Quadratschrift) drucken ließ, worin er den Wächter, weil er „die humansten Prinzipien verfechtend, sich , auch der Eman cipat i on un serer Glaubensgenossen wirksam (?) annimmt", zur weitern Verbreitung dringend empfiehlt. Nun muß, wie es scheint, der Stettiner Obervorsteher eine ganze Masse dieser, mit seiner Empfehlung versehenen Anzeigen an den C. V. in P. geschickt haben, wenn jedem der 6) Ludwig Uhland, Schwäbische Kunde. 1) Unter den Mitarbeitern dieses Blattes sind auch mehrere Juden aufgeführt. Wir nennen hier blos den Publizisten Ed. Cohn in Hamburg, den bekannten Dr. FaLkson in Königsberg, den jungen aber äußerst talentvollen Stud. Chronik (gebürtig aus Posen) ebenfalls in Königsberg und endlich noch den' Rabbiner Dr. M e i s e l in Stettin. unterm 10. h. von da aus verseudeieu anonymen Briefe ein solches Blatt als Leibgarde konnte mitgegebeu werden. Auch muß der St. OB. seine Kollegen in P. gebeten haben, sich die Verbreitung jener Annoncen möglichst angelegen sein zu lassen/' und die guten Posener hatten nun nichts Eiligeres zuthun, als mit ihrer Freudenpost (siehe unfern gestrigen Artikel.) auch die St. Wächter-Vorposten in alle Wett zu verschicken.3 —' Ich bedauere sehr, nicht das Talent eines Ihrer Sterne zu besitzen; denn wäre ich so glücklich, so würde ich (was gewiß allein Lesern lieb gewesen wäre) die Verbindung jener beiden Posten nach den Gesetzen der Logik, oder wenigstens humoristisch erklärt haben. Da mir aber die Fähigkeit hierzu abgebt, so muß ich von l dem Leser mit der Bitte scheiden, sich über Alles, was ihm'dunkel, selber Licht zu verschaffen , und indem ich zu diesem Vehufe den Ostseewächter, den Altonaer Wächter und alle Wächter im Norden und Osten dringend empfehle, verharre ich W. Oesterreich. Nus Muhren, 8. Jan. (Offene Briefe. IX.) Ein „Humorist" behebt die Frage: Warum die Juden in Tunis nichts „Grünes" an sich tragen dürfen, wahrscheinlich darum, meint er, weil grün die Farbe der Hoffnung ist. Ebenso erkläre ich mir, warum dieNabbiner X. §). 3. tf;rcn Gemeinden so viel blauen Dunst vormachen; weit sie ihnen stclö den Himmel vor Augen halten wollen. — In der kleinen Gemeinde L—z hält der Rabbiner l a t e i u i s ch e Predigten (non 68t ficlio 86(1 res yerissimai). Die „Dorfgcher" und Hausirer, die in der Muttersprache Cieero's nicht gar bewandert sind, glauben er spräche griechisch und rufen ihm zu : Graecum esl non intelligitur. O, wie fruchtbar ist unser Jahrhundert an Unsinn! — So eben lese ich folgende Stelle in einem Taschenbuch für das Jahr 1848: „Heil uns! die fruchtbarste Zeit, die die Geschichte kennt, ist die unsrige." Ich kann dem Verfasser nicht so ganz und uubedigt Leistimmen. Vor Allem gedeihen keine Erdäpfel, ferner sind die Früchte, die die Sonne des Jahrhunderts reift, meist wurmstichig, da die Insekten sehr überhand nehmen. Wahr jedoch ist es, daß der Feigen sehr viele sind; auch Mandeln gibt es in Fülle, ebenso Männchen und Männ- 2) Oder sollte vielleicht die Versendung der Anzeigen nach den Provinzial-Hauptgemeinden so wie die Bitte um Weiterversendung in die kleinern Korporationen von dem Verleger ausgegangen und der OV. weder an dieser noch an jener betheiligt sein? Möglich ist es, aber wahrscheinlich nicht. E 3) Oder war vielleicht die St. Anz. der -jp'-y und der anon. Brief der —

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