Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1848)
- Date
- 1848-02-05
- Page
- Seite 42 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Ansicht vom „jüdischen Monotheismus"? Ich lese, oder eigentlich ich -studire jetzt die berühmten Magdeburger Abendvorlesungen vom -vorigen Jahre. — Was kümmert mich ferner Deine Sehnsucht nach dem Messias? Ich habe die „Verhandlungen über die Jndenfrage auf dem ersten vereinigten Landtage in Preußen" fast auswendig gelernt. — Was kümmert mich endlich all Dein Witz über Wolf und Schaf, und Schaf und Wolf? was kümmert mich alle Deine Satyre und alle Deine Ironie, mit welcher Du mir und Deinen andern Mitkorrespondenten begegnest? _— So lange Du nicht in den ZW. und nicht in den Israeliten, nicht in die Allgemeine, sondern nur einzig und allein in den Orient Dein Licht leuchten lassest, so lange haben wir das Recht, Dich unfern Kollegen zu nennen, und von diesem Rechte will ich wenigstens Gebrauch machen, ja ich will es und ich werde es, so oft es mir nur belieben wird. Und nun zur Sache. Ich habe Dir aus meiner Provinz wieder ein Gc-. schichtchen zu erzählen, ein Geschichtchen, das Dich an längst vergangene Zeiten erinnern und Dir beweisen soll, daß trotz unseres aufgeklärten Jahrhunderts das gräuliche Gespenst altrabbinischer, Hierarchie hier und da herumzuspuken noch nicht aufgehort — und wenn Du hierbei nicht ausrufest: „Es leben die neuen Rabbinm mit ihrer Freismnigkcit" l so bin ich gezwungen anzunehmen, daß Dein Sinn für Recht und Gerechtigkeit mit der letzten RV. in das Grab gesunken. — Ich werde mich diesmal ganz kurz fassen. — Vor einigen Wochen kommt ein alter westpreußischer Rabbi in eine Gemeinde des Netzdistrikts und bittet um die Erlaubnis', am Sabbat in der Synagoge eine Derascha halten zu dürfen. Das Gesuch wird gewährt und die Derascha gehört. Tags darauf läßt, (nach hergebrachter Sitte)' der fremde Rabbi den Schochet deö Orts zu sich kommen und heißt ihn ,,den Chalef stellen". . Der Schochet thui, wie ihm befohlen, ohne zu ahnen, was ihm bcvorsteht. Im Schafpelz steckt ein Wolf, und daö ein sehr grimmiger. Der Rabbi fängt zu tadeln an, und tadelt und krittelt, und krittelt und tadelt — und was ist das Ende vom Liede? Der Schochet wird gepasselt. — Dcr Ortsrabbmer protestirt gegen dieses Dekret. Vergebens. Der fremde Rabbi gilt als eine größere Autorität, und der arme Schochet, ein Vater von 7 kleinen Kindern, wird seines Amtes entsetzt. — Dieses Faktum hat sich 1847 in einer. Gemeinde des preuß. Staates zugetragc». mvN IxSc KHM : 1DJO MT tyl £0F?1#). — Dies der Text. Die' Noten dazu kannst' Du liefern. — Geh ab Dich wohl, mein lieber Kollege. W. Berlin, 23. Jan. Es geht nichts über deutsche Gründlichkeit. Franzosen, die so unchristlich sind, jüdischen Deputirten die Kammern zu eröffnen, sind leichtsinnig und oberflächlich; Engländer, die das -Unterhausemancipiren, sind unter der Leitung eines unchristlichen Ministers: gründlich ist nur ein deutscher Profeffor, dessen Zopf allen Friseurs Trotz bietet. Die Päbste waren so ketzerisch, jüdische Leibärzte zu -haben; ein B i s ch o s zu Bonn ist der wahre Apostel unserer Zeit, die Säule der Ethik, und spricht daher den jüd. Aerzten die Fähigkeit ab, Menschen zu heilen, und verweist sie aus das Thierreich. Gelingt es in der That keinem Arzte aus dem Volke Maimüni's, den bischöflichen Professor von dessen Wahne zu heilen, so ist er im Rechte. Also die Juden haben keinen Sinn für das ethische Element. Zugegeben. Warum sucht man nicht ihren Sinn für die Ethik zu wecken? Warum sollen sie blos tolle Hunde, und nicht auch tolle Menschen heiler: dürfen? O könnten die. jüdischen Aerzte die .krankhaften Anschauungen der deutschen Professe rer: über Wissenschaft und Menschenliebe berichtigen l Haben denn die Ritter der christlichen Privilegien vergessen, daß jüdische Aerzte die Lehrer des christlichen Mittelalters waren? Hatten Jehuda Ha-Lewi, Jbn Efta, Maimuni, Montalto n. f. w. keinen ethischen Sinn? War Acsknlap ein Christ, Hippokrates ein Bonner - Professor, Galen ein Mann des christlichen Staates? Wir rathcn dem gelehrten Kämpen dcr christlich-mcdieinischen Ethik Fenerbach's ,,Kritik der christlichen Medicin" zu lesen. Sie erlckuben, Hr. Professor, daß ich Ihnen eine Stelle citire: „Sie kennen keine Gesetze der Natur und folglich auch keine Gesetze des Denkens. Ihnen ist das Vernünftige das Absurde und folglich das Absurde das Vernünftige, das Natürliche das Unnatürliche und folglich das Widernatürliche das Natürliche. Sie sind ein Ungläubiger in den allein glaubwürdigen, aber cüi Starkglaubiger in allen unglaublichen Dingen. Sie sind ein Esprit fort gegen die Philosophie und Naturwissenschaft, aber dafür glauben Sie Alles ohne Anstand, was Ihnen nur immer der Pfaff "vorschwatzt". (Fenerbach's Werke, I. 178.) Ein anderer Champion in Königsberg war einst Jude, ein Sohn Jakob's, hat für ein Gericht Linsen die Erstgeburt verkauft und zieht jetzt, wie sein Ahn Esau, seinen Brüdern mit einem Skreitheer, mit Ochsen und Esel:: entgegen. — Aber nicht blos die Medicin hat eine christliche Grundlage — die Erbsünde —, sondern auch das römische Recht, behaupten die hiesigen Nechtslehrer. Dies räume ich ein. Denn woher kämen die Anönahmsgesetze über die Inden im römischen Rechte? O, cs geht nichts über deutsche Gründlichkeit. — Nun erlaube mir, lieber Leser, mein Gewissen zu beruhigen. Bin ich ein Jude oder bin ich es nicht? ist die Frage, seitdem der ZW. erklärt hat, daß kein Jude im „Orient" - schreiben dürfe. Wie? sollen meine harmlosen Bemerkungen mir wirklich mein Jndenthum rauben? Zweifel verzehren mich, Sorgen verheeren mich', ZW. belehre mich, bekehre mich, sonst scheere dich! Doch ich beruhige