Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1848)
- Date
- 1848-01-29
- Page
- Seite 37 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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37 Leben ist. Wir fabriciren gesunden, kräftigen Slywow i tz; ihr habt eure parfümirtcn Ligueure, honigsüß, aber ohne Kraft und Geist. Doch ich will ohne Scherz reden. Gewiß ist Niemand geneigter Preußens Vorzüge anzuerkennen als ich. ,,Wir ehren fremd Verdienste. Preußen hat unstreitig viele geistvolle Männer, Gelehrte von allen Genre's und Kalibers. In jedem Gebiete der Wissenschaft hat es seine Meister gestellt, und die Energie und die Willenskraft sind dort zu Hause. Nur sollten sie von der Höhe ihres ,,Preußenthums" herab, nicht so geringschätzend auf Andere, deren Wiege nicht so glücklich war auf Preußens Sand zu stehen, hinunterblicken; und wie sie den rwo und die nump aus ihrem gestrichen, so sollten sie den ümm nnN aus ihrem Kopfe streichen. Der Humor ist wahrlich kein ausschließliches Privilegium Preußens, und der Witz hat nicht nur an den „trockenen Ufern der Spree" seine Residenz aufgeschlagen. Nicht nur an Preußens blauem Himmel leuchten blitzende Sterne; haben wir doch unlängst erst nachgewiesen, daß es auch in unserm Mähren manchen hellen Stern gibt, wenn wir gleich bei den Preußen so schlechten 3DD haben. — Und nun mein lieber Berliner 2fc, nachdem du siehst, daß ich nicht Anstand nehme in allen Ehren eine Lanze mit dir zu brechen, und daß mir weder derMuth noch die Gelenkigkeit fehlt, -einen Kamps mit dir zu bestehen, will ich dir für die Zukunft einen Friedensvertrag Vorschlägen. Glaubst du ein großes Theil vom Lueifer an dir und in dir zu haben, so will ich dir gerne den Titel des Morgensterns gönnen, während ich mich mit dem bescheidenern Namen bes H esperus begnüge. Ach ich habe ja meistens Dunkelheit und Nacht um mich her, während es in deiner Umgebung schon zu tagen und licht zu werden beginnt. — Prag, 4. Jan. Aus dem Anzeiger des „Orient" werden Sie ersehen haben, daß am hiesigen Tempel die erste Kantorstelle vakant ist, indem der bis Michaeli durch füllf Jahre hindurch dort angestcllt gewesene P ereles diesen Posten eigenwillig aufgegeben. Der Vorstand ist nun bemüht, die betreffende Stelle in jeder Beziehung würdig zll besetzen, da man zu der Erkenntniß gelangt, der Vorbeter einer solchen Gemeinde neben dem musikalischen Talente guch noch andere Eigenschaften haben muß, als sittliche Bildung, religiöse Gesinnung u. s. w., um diesen Posten ganz auszufüllen und es einem Einheimischen schwer fällt, diese Würde zu behaupten. Es ist erfreulich, wie der Sinn für das Gute und Wahre iurlcrhalb dieses Instituts mehr und mehr sich offenbart, wie nicht blos eine lächerliche Modesucht das bewegende Element ist. Der Singsang istgegenwärtig aus dem Tempel fast ganz verschwundell, ohne daß deshalb der Tempelbesuch sich vermindert; die Räume des Tempels sind immer voll, selbst wenn nicht Predigt oder Vortrag ist und es stellt sich bei dieser Gelegenheit immer mehr heraus, daß das Lokal etwas zu eng und daß auch die größere Masse den Begriff des Gottesdienstes richtig begriffen hat. Es gebührt übrigens dem Vorstände die Anerkennung, daß derselbe, wie auch die Masse klagen möge, bei der Kantor-Frage sich mit Takt benommen, .und wir hoffen, daß er wie bisher so auch ferner seinen richtigen Weg wandeln wird. Uebrigens habe ich Ihnen noch in Bezug auf Hrn. Pereles zu melden, daß derselbe mit großer Auszeichnung in der großen Gemeinde-zu Straßburg angestellt worden, so daß derselbe nun einen angemessenen Wirkungskreis bekommt. — Seit Kurzem erscheint hier eine periodische Schrift, betitelt „Gallerie der Sippurim" (Sagen). Wollen Sie wissen, weß Geistes Kind diese Gallerie sei, so mögen Sie Heft 1. S. 27 Nachlesen, wo es buchstäblich heißt: Ein volles Jahr lebte'Raschi glücklich bei der Gemeinde in Prag (!). Die andern Rabbiner konnten den Ruhm Raschi's nicht länger ertragen und trachteten nach seinem Sturze (!). Sie suchten den Fremdling beim Volke verdächtig zu machen, seine Frömmigkeit erklärten sie als Heuchelei (!) , seine Lehren als retrograd (?!). Selbst bei dm Christen suchten ste ihm zu schaden (!)< Da aber alle diese Umtriebe scheiterten, so wurde feierlich beschlossen, den Verhaßten durch Meuchelmord aus dem Wege zu schaffen (ü). Was sagen Sie zu dieser PragerPhantasie? Soll man hier mehr die handelnde Geldspekulation, oder die Ignoranz, oder die Arroganz der sich anmaßenden Redaktion oder die grenzenlose Zerrüttung unserer Literarischen Verhältnisse bedauern? Bisher hat doch wenigstens ein Grad von Bildung dazu gehört, um ein Buch herauszugeben, selbst schlechte Bücher erforderten einige Fähigkeiten; jetzt scheint blos Papier und ein trödelnder Kolporteur dazu zu gehören. Uebrigens will ich die Geißelung Ihnen überlassen. Mähren, 30. Decbr. 1847. Was vermag nicht die Gewohnheit über den Menschen, fühlt sich doch der Verbrecher nach langem Aufenthalte heimisch in seinem unheimlichen Kerker, so ist auch der Druck den jüdischen Bewohnern Mährens gleichsam zum Lebenselemente geworden und fühlen in solcher Apathie nur wenige, daß die gegenwärtigen Verhältnisse schmählich, darum selten ein Klagcton von hier in der Oessentlichkeit vernehmbar ist. Das zur Erwiderung auf die bezügliche Rüge in Nr. 47 Ihres geschätzten Blattes. — Da aber, wie ein großer Mann sehr treffend sagt, man nicht müde werden sollte, die Wahrheit mit Werten immer lind immer zu wiederholen, weil auch derJrrthum nicht müde wird, sich in der That zu wiederlmlen, so wollen wir eine in Specialität eingehende nakte Darstellung der vorwaltenden Uebelstände versuchen. Wie unsere Altvordern vor Olim von v-OO NV