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Der Orient · 1848-01-29 · Heft 5 (29.1.1848) · p. Seite 36

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 5 (29.1.1848)
Date
1848-01-29
Page
Seite 36 (sequence 7)
Language
German
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36 verfaßt ist, beanstandet. In Königsberg hat der Unterstützungsverein, dessen Mitglieder großentheils Juden sind, vor Kurzem sein Stiftungsfest gefeiert; bei dieser Gelegenheit legten wiederum die bedeutendsten Notabilitäten Königsbergs ihre Sympathieen für die völlige Gleichstellung an den Tag. — Die Stettiner Arbeitsnachweisungsaustalt für den Winter 1847—48 will nicht recht gedeihen; desto mehr aber ist dies mit dem Adreß-Comtoir für die arbeitende Klasse und mit der damit verbundenen Arbeiterkinderschnle in Düsseldorf der Fall. — Unter den Zeitungen der preuß. Rheinprovinz hat kürzlich die Kölnische einen trefflichen leitenden Artikel über die englischen Emancipations-Debatten gebracht; in der Trierschen fährt der Korrespondent von der Ostsee fort, sich mit den Bestrebungen unserer Gesellschaft zu beschäftigen und macht n. A. die treffende Bemerkung, daß das dem Jahresbericht derselben angehängte Budget nur bedeutende Beiträge von englischen und französischen aber nicht von außerhamburgischen deutschen Inder: aufweise, was leider dafür zeuge, wie gering das Interesse der letzteren für unsere socialen Bestrebungen, denen er bei dieser Gelegenheit wärm das Wort redet, noch sei. — Die Klagen der Juden im Königreich Sachsen haben in voriger Woche in der Heidelberger ,,Deutschen Zeitung" einen trübestimmeuden Ausdruck gefunden. Auf den sächsischen Juden lasten noch viele gewerbliche, bürgerliche und politische Beschränkungen, und es ist wenig Hoffnung vorhanden, daß der nächste Landtag auf die Beseitigung derselben antrage. Und doch haben erst kürzlich zwei Juden in Leipzig das dortige Museum vordem Eingehen bewahrt. — In Baden nehmen an dem neuen Bürgerverein viele Juden in Mannheirn Theil. Der Abg. Helmreich wird nächstens in der zweiten Kammer auf eine neue zeitgemäße Gewerbordnung antragen; auch die Emancipationsfrage wird wohl wieder zur Sprache kommen. —. Der „Ländcöverein" hat über seine im vorigen Jahre gehaltene Generalversammlung einen Bericht veröffentlicht, auf dessen Inhalt wir umständlicher zurückkommcn werden. — In Bai ern scheint endlich eine Revision des Judengesetzeö bevorzustehcn. — Uebec die Juden in Mecklenburg enthält das Deeemberheft des ,,Wächters an der Ostsee" einen längeren Artikel. — Die Lage der Juden in Hamburg und Altona in der neuern und neuesten Zeit wird voil Hrn. Dr. Kleinpaul im Dcccmberhefte von WisticenuS „kirchlicher Reform" geschildert. — Die „Neuen Lübeckischen Blätter" haben seit mehreren Wochen fortlaufende Berichte über die Fortschritte der Judengesetzgebung in Deutschland und im Auslande.— In Holstein nehmen die Juden an dem an Zahl und Bedeutung stets zunehmenden Bürgerverein einen sehrregen Antheil. So in Altona, und nun auch in Rendsburg, wo der Vorsteher der Gemeinde, Hr. Rheindorff, in den provisorischen Vorstand des sich eben jetzt bildenden Bürgervereins gewählt ist. Auch an dem Gedeihen der reerganisirten Liedertafel nimmt derselbe einen sehr thätigen Antheil. — Von dem Ueberschusse der Aachener und Münchener Feuerversichernngsgesettschast, ist so weit sie der Kommune Glückstadt, zugefallen, ein Theil dem dortigenr israelitischen Handwerkerverein überwiesen worden. Oesterreich. Aus Mähren, 2. Jan. (Offene Briefe. VIII.) Wer kennt nicht die lehrreiche Geschichte von beit beiden Planeten, die der Talmud und Herder uns erzählen; wie der eine Stern den andern nicht neben sich dulden und das Licht und den Glanz für sich ganz allein in Anspruch nehmen wollte. Ihr Berliner rft hat sich von dem Geschicke des blassen Sterns keine Lehre genommen, und will Ihrem mährischen * das bischen Licht das er ausstrahlt, nicht gönnen, anstatt an seiner Seite ruhig und friedlich seine Bahn dahinzuwandeln, durch den bald klaren, bald wolkigen Himmel der Journalistik. Darf am Orient etwa Ein Stern nur leuchten? Weiß er nicht wie geschrieben steht: IN' pn “Vp3 *cdd „Zusammen und in Eintracht sollen sie ihr Werk verrichten die Sterne des Orient!" Wahrscheinlich hat er eine andere Asmachta: ONlpOQO D'ZDDH „die Sterne sollen streiten mit einander aus ihrer Bahn!" Nun so sei es denn meinetwegen, ich habe wahrlich nichts dagegen. Wirft er mir den Handschuh hin, so hebe ich ihn auf und lege meine Lanze ein. Nun ich betrete die Arena. Mein feindlicher Stern greift nicht nur meine geringe Persönlichkeit, sondern in mir mein ganzes Vaterland, mein gutes Mähren, an., Es gilt also einen Kampf pro ara. Der Berliner ist Generalpächter des Witzes. Der Witz ist ein Privilegium Preußens, wid findet er es demnach unerhört, daß ein Nichtpreuße, und zwar noch dazu ein Mähre, in die Gauen-der Satyre sich wage. , ,D e x Witz, d e r H u m or u n d die Satyre sind preußisch!" Was ich von preußischen: Witz kenne, das ist Mislowitz, ferner Tarnowitz (wo auch ein mährischer „Enüssär" seinen Sitz hat) und endlich Gleiwitz (das ebenfalls einen mährischen Emissär in seine Mitte wünscht). „Der Humor ist preußisch", und doch ist der europäisch berühmte „Humorist" ein Oesterreicher. — Und wenn die Satyren, wie manche Mytbologcn behaupten, Kinder des Bachus sind, so ist auch die Satyre weit eher in den reichen Rebenwäldern der Moravia, als in den weiten Sandfeldern der Mark Brandenburg heimisch. Ja was gedeihet gewöhnlich in sandigen Stepper:? Höchstens ein Dorn der sti ch t. Wir haben Tranbenblut, das uns das Blut frisch und lebendig durch die Adern treibt. Ihr habt höchstens euer aqua yitae, süßes gefärbtes Wasser, darinnen kein

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