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Der Orient · 1848-01-29 · Heft 5 (29.1.1848) · p. Seite 35

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 5 (29.1.1848)
Date
1848-01-29
Page
Seite 35 (sequence 5)
Language
German
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35 lung des hamburgischen Vereins zur Beförderung nützlicher Gewerbe unter den Israeliten (Hamb. 184?, 8.)". — Leipzig, 12. Jan. Der „Phönix" bringt in in Nr. 3 dieses Jahres eine politische Rundschau, die mit großer Belesenheit ausgearbeitet ist, und wir erlauben uns dieselbe als einen Beweis von dem trefflichen Geiste dieses Blattes unseren Lesern vorzuführen: „In England ist die Eidesformel, welche die Juden beim Eintritt ins Parlament schwören sollen, festgestellt worden. — Alderman Salomons hat durch seine Theilnahme an den Beratungen des Gemeinde- --raths an einem Sonnabend bereits tatsächlich den hechtorystischen Zweifel beseitigt, ob Juden die politische Pflicht über die religiöse setzen wurden, wobei er zugleich die Erklärung gab, daß die Sabbatfeier nicht dem Privat-, wohl aber dem öffentlichen Interesse weichen dürfe und müsse. — Die gegen zahlreiche christlich-religiöse Wehlthätigkeitsvcreine durch einen Inden geübte Freigebigkeit wurde in öffentlichen Blättern mit der besondern Bemerkung gerühmt, daß schon hierdurch der Ungrund der Furcht orthodorer Eiferer, als ob jüdische Parlamentsmitglieder sich dem Christenthum feindselig zeigen könnten, erwiesen sei. — In Italien läßt sich der Ruf des Volkes nach Judenemancipation immer lauter und imrner öfter vernehmen. So in Rom bei Gelegenheit der öffentlichen Feier des Namenstages des Pabstes am Ende des vorigeil Monats; so in Sardinien durch eine u. A. auch von 4 Bischöfen Unterzeichnete Petition; so in der Presse, namentlich vor Kurzem im Felstneo von Bologna, in welchem die Ausschließung der Juden von der Bürgergarde getadelt und eine warme Befürwortung der vollständigen Emaneipation der Protestanten wie der Juden hinzugefügt wurde. — In Rußland dagegen hat sich der Despotismus wieder kürzlich in seiner ganzen Härte gegen die Inden an der polnisch-preußischen Grenze gezeigt. Vor einigen Monaten war nämlich verkündigt worden, daß in diesem Jahre wegen Annäherung der Cholera keine Rekrntirung in Polen stattsinden werde. Die Inden, dadurch sicher gemacht, blieben im Lande, wurden aber plötzlich im December zur Nachtzeit ihren Familien entrissen / um vielleicht sichere Opfer des Krieges im Kaukasus zu werden. — Unter den deut s ch e n Staaten ist zuerst Oesterreich zu erwähnen, wo die Juden in Wien eine Bittschrift um Verbesserung ihrer Lage an die Regierung gerichtet haben; doch scheint nur.theilweise ihren gerechten Klagen abgeholsen werden zu sollen. In Prag hat die städtische Behörde die Juden in kommercieller Beziehung noch mehr zu beschränken versucht. — In Preußen wird die neue Organisation der Synagogengemeinden und Synagogenbczirke bald inö Leben treten; namentlich sind in den Hauptstädten. der Provinzen Schlesien, Sachsen, Pommern, Brandenburg und Ostpreußen die nöthigen Vorbereitungen, z. B. Eintragungder zur Wahl Berechtigten in die Listen, Berufung von Versammlungen durch die resp. Polizeibehörden u. s. w. bereits getroffen worden. Von den Universitäten Breslau, Berlin, Königsberg und Bonn sind theils von allen, theils von einigen Fakultäten die vom Kultusmister geforderten Gutachten über die Zulassungsfähigkeit der Inden zu akademischen Aemtern abgegeben worden. Unter den Bonner Professoren soll sich besonders Herr Blschoff in einem buchdickcn Gutachten ans ethischen (?) Gründen gegen die Inden erklärt haben; über die Vota der andern Universitäten ist theilweise schon früher berichtet worden, so daß wir nur noch hinzuzufügen haben, daß in der Vreölauer medieinischen Fakultät bloö die Professoren Henschet und Betschler sich den Juden günstig, dagegen die Professoren Remcr, Benedikt, Barkow und Purkinje für dieselben ungünstig ausgesprochen haben, was den Austritt sämmtlicher jüdischen Aerzte aus einem dortigen geselligen ärztlichen Verein zur Folge hatte; auch der Konsistorialrath Wächter in Breslau, seinem liberalen und rationalistischen Vater, dem verstorbenen Prof. Ludwig Wächter in Bezug auf seine religiöse und politische Richtung sehr unähnlich, hat in einer Predigt gegen die Juden.stark geeifert. — Unter den Berliner Professoren der Jurisprudenz soll nurHeffter sich für die Juden erklärt haben. — Auch in dem sonst so liberalen Königsberg haben zwei Professoren der philosophischen Fakultät, Drumanu und Voigt, die Behauptung gewagt, die Juden seien zur Bekleidung von akademischen Aemtern nicht passend.. Denn sagen sie, sind dieselben orthodox, so können sie in das Wesen des bestehenden — d. h. wohl des sog. „christlichen" — Staates nicht eingehen, sind sie cs nicht, so würden sie denselben nur untergraben. Es ist sehr treffend bemerkt worden, daß diese Argumentation an jenes Bild in den Münchner „Fliegenden Blättern" erinnere, auf welchem eine Frau dargestettt wird, die es ihrem Ehemanne durchaus nicht recht machen kann, welcher vielmehr, wie sie es auch anfängt, imrner den Allsspruch thut: „Schläge kriegt sie jedenfalls". — Erfreulicher ist cs, zu vernehmen , daß die Juden in Preußen wenigstens an den Prüfungen zum Kreiöphysikate sollen Thcil nehmen dürfen; tagegen scheint ihnen die Advokatur versperrt bleiben zu sollen. — In den großen imb selbst in kleineren Städten scheint sich übrigens die Stellung der Juden im Bürgerverbande immer günstiger zu gestalten. In Görlitz (irr der preuß. Lausitz) haben sich zuerst zwei Juden als Bürger niedergelassen (vor dem Gesetze vom 23. Juli vorigen Jahres dursten dort keine Juden wohnen); in Breslau ist ein erfreulicher Jahresbericht über die dortige jüdische Mädchen-Jndlfftrieschule erschienen; daselbst bestehen neben 1? christlichen 3 jüdische Privatfchulen. — In Berlin hat die Behörde die Einführung eines ganz unkonfcssionell gehaltenen Lesebuches für jüdische Schulen, welches von zwei jüdischen Lehrern 5*

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