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Der Orient · 1848-01-29 · Heft 5 (29.1.1848) · p. Seite 34

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 5 (29.1.1848)
Date
1848-01-29
Page
Seite 34 (sequence 3)
Language
German
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34 sogenannten Chcbra, bk aus puren Aristokraten bestand; das Konnte desselben hat sich jedoch neuerdings, angespornt durch die Predigten d'eö Hrn. Dr. Krakau ers, eines Besseren besonnen: Personen, ohne Unterschied des Standes werden als Mitglieder ausgenommen. Am 22. d. Mon. trat der Fleisch ermeistcr Hr. W., ein sehr reicher Mann, in den Verein, und wurde bei der Wahl denjenigen Mitgliedern, die davon noch keine Kenntnis) genommen hatten, als ihr Vereins-Bruder vorgestcttt. Immer vorwärts, immer vorwärts Pom er, ruft man Euch zu. Mögen andere Gemeinden hierdurch ein Beispiel sehen, wie Patrizier mit Plebejern harmvniren können. Egalite et liberte oder welches besser klingt, wie der Pole sagt: noenntrse 1 wolnosc! Nach ersterem strebet Ihr, das sehen wir. Doch ist Letzteres nicht eben so edel?" — M. r. t\ 93atetti, tm Jan. Mit freudiger Zuversicht sehen wir einer Zukunft entgegen, die bald sowohl in politischer, als religiöser Beziehung unsere Verhältnisse verbessern wird. Schon seit mehrern Monaten werden bei allen Unterbehörden im Namen und Aufträge des kön. Staatsministeriums sowohl christliche als jüdische Gemeindevorsteher dahin vernommen, die Beschwerden vcrzubringen, welche über unsere dermaligen Verhältnisse mit Recht geführt werden können und zugleich Vorschläge über deren Beseitigung zu proponiren. Man muß es zum'Ruhme dieser Behörden hier öffentlich erwähnen, daß sie, wenigstens die weit größere Zahl, in ihren Gutachten nur höchst günstig für uns sich äußern. So hat vor Allen der Magistrat der Stadt Bamberg sich für volle Gleichstellung unserer Glaubensgenossen mit den Christen Vakerns ausgesprochen. Obgleich schon im Monat November v. I. mehrere israelitische Gemeinden an den gerade versammelten, außerordentlichen Landtag Petitionen ubcrschickt hatten, wie z. B. Munch e n, 43 Orte des Kreises Mittelsranken (welche letztere Eingabe meist durch den Eifer dcö Hrn. Ko hu in Nürnberg veranstaltet und eingereicht wurde), so waren diese Anfragen vor: Seite der obersten Staatsbehörde dennoch nicht Folge derselben, vielmehr bestimmte der eigene allerhöchste Witte unseres Monarchen, daß nach dem Anträge der Landstände von 1345 eine Revision des, in den meisten Theilen in jetziger Zeit nicht inehr anwendbaren, und im Ganzen nur als Erziehungsmaßreget gegebenen Ediktes vom 10. Juni 1813 vorgenommen werde. Um so mehr können wir eine wesentliche Verbesserung erwarten, als die derzeitigen Mi- *) Die hiesige Gemeinde hat sich bcm, Jmmedkat-Gesuche der edler denkenden Breslauer Gemeinde, wegen Abschaffung der neuen Geburts- und Sterbe-Steuer nicht anschließen wollen. Warum? wissen wir nicht. Doch, hierüber Nächstens. Kor. nistcr, Fürst von Watterstein und von Berks schon früher einer gemäßigten Reform sich geneigt und überhaupt als humane Staatsmänner gezeigt hatten. Das Resultat werde ich Ihnen seiner Zeit mittheiten. Uebrigens hoffen und wünschen wir nicht, daß unser religiöses Leben dadurch gefährdet werde. Wenn daher manche Rabbiner des Auslandes erwarten, daß ihre Kollegen in Baiern numnehr ununlschränktc Macht zur willkürlichen Reform oder die Bewilligung zum Besuche prinziploser Versammlungen erhalten, so können wir denselben auch ohne prophetische Gabe eine Täuschung mit Gewißheit Voraussagen. Denn Sie können kaum glauben, welche Entrüstung, selbst bei den liberalsten Neologen unseres Vaterlandes sich äußerte, als man dieser Tage aus der JZ. Nr. 1 und 2 entnehmen mußte, daß unser Landsmann, Einhorn, der bei'Bewerbungen »in Rabbiner- stellen schon gar fromm sich gebährdet, nnn die heiligsten Dogmen unserer Religion verspottet und allmälig aufzuheben sucht. — Nächstens werden wir eine Rundschau in den bedeutendsten Gemeinden BaiernS vornehmen und dem Orient zufenden. — Posen, 9. Decbr. 1847. Heute wurde der hiesige Rabbiner, Salomon E g er als Kultusbeamter für unsere Stadt erwählt. Die Stimmenmehrheit war zwar für Dr. Gebhard, Rabbiner in Gnesen, da es jedoch eine zu große Schande für die Hauptstadt der Provinz gewesen wäre, in seiner Mitte nicht einmal ein zu diesem Behufe geeignete Persönlichkeit stnden zu können und deshalb in die Nothwendigkeit ersetzt, nach einer kleinern (aber gebildeter») Stadt. Zuflucht nehmen zu müssen; so wurde zugegrissen. Ob ein Misgriff wird die Folge und.— die Erfahrung lehren. Homburg, 6. Jan. Ich erlaube mir, für heute Ihnen einige kleinere Mittheilungeu zukommen zu lassen. Fürs erste etwas Statistisches. In der deutsch-israelitischen Gemeinde wurden im Jahre 1847 kopnlirt 60 Paare. Geboren wurden 214 Kinder, worunter 6 uneheliche, und zwar 106 Knaben und 108 Mädchen, gestorben sind 246. — Der hiesige seit lange bestehende ,,Verein zur Beförderung nützlicher Gewerbe unter den Jöraclite" hat den Sonntag vor Neujahr eine Generalversammlung abgehalten, in welcher der Präses der Direktion, Hr. Hahn, eine Uebersicht der Leistungen dieses Vereins seit 1839 gab und zugleich sein Ausscheiden aus der Direktion, worin er segensreich 25 Jahre gewirkt , anzeigte. Der Verein feierte auch sein 25jähriges Jnhiläum im Viktoria-Hotel durch ein Essen, wobei es natürlich an liberalen Toasten nicht kehlte und wobei der des Dr. Jsler in englischer (?) und des Dr. Niesserm deutscher Sprache die vorzüglichsten waren. Der erwähnte Bericht wurde übrigens vcröffcutiicht u, d. T.: „Bericht, verlesen am 26. Decbr. 1847 in der Generalversamm-

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