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Der Orient · 1848-01-22 · Heft 4 (22.1.1848) · p. Seite 30

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 4 (22.1.1848)
Date
1848-01-22
Page
Seite 30 (sequence 11)
Language
German
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30 ergriff einen Rekurs beim Krcisamte^ mit dem Bemerken, daß Duschak nicht Philosoph und die Wahl ganz ungültig sei: ferner weil bei derselben keiner von dem Amtsvorstande gegenwärtig war, und irr Folge dessen ist auch beim Kreitzamte als 1. und beim LandeSgnbcrninm altz 2. Instanz die Wahl für nichtig erklärt worden. Und so wurde ans philosophischem Wege eine herzzerreißende Entzweiung. herbeigeführt, welche gegenseitige Schmähungen, Lästerungell, itnb Drohungen zur Folge hatte, da Hr. Fei l bogen die Rcknrszeit 311 benützen und sich durch gewisse Künste, einige Stimmen, wie auch das Wohlwollen des Herrn Am to Vorsteher zu gewinnen gewußt ulld wollte sich soder Gemeinde, bei der er vorher gar keinen Anklang fand, gewaltsam aufrabbinern. Es wurde aus Anordnung der Behörden am 30. November eine 2. Wahl vergeuommen, wo trotz aller Künste, allem Zurede:: und Zudringen Duschak durch eine Majorität von 52 gegen 15, zum zweiten Male alsRabbiner gewählt wurde. Nun glaubte die Majorität als ,gerechte Sache" den Sieg errungen zu haben, aber cs sollte ganz anders kommen. Als der Wahlakt geschlossen werden sollte, kam ein Postschreibcn vom Landrabbiner Hirsch, worin bedeutet wurde, daß Duschak — welcher sich trotz seiner von drei autorisirteu in den tatmudischeu Wissenschaften vielberühmten mährischen Rabbinnen innehabenden Hatara, beim Hrn. H. sich nochrnaligcr Prüfung unterzog, zur mehren Bekräftigung seiner wirklichen Vesähigung zu der ihm bestimmten Rabbinatsstell^ von demselben aber, der seinen Ruf als Talmudist zu begründen vor har, Herrn Duschak über die im jetzigen gemeinen Leben gar nicht gang- und brauchbaren Hilchot Ncgaim und Nesikin (Plagen und Schäden haben die Juden genug) geprüft wurde und (angeblich nicht gut bestehen konnte— ohne Umerziehung einer uochmaligeu Prüfung beim Laudrabbinate zu einer Rabbinerstelle unfähig ist. Als die Majorität sich in ihren Hoffnungen getäuscht sah, da gab's Verdrießlichkeiten, wobei die Minorität ins Fäustchen lachte. - Nach diesen Debatten wurde beschlossen, das mährische Orakel (Hirsch) zum zweiten Male zu befragen, und er sah ein, wie er sich kompromitirt, welche Flamme der Zwietracht er durch sein verspätetes Schreiben in unsere friedlichen Gemeinde geschleudert und tröstetedie Majorität mit den entschuldigenden, schaalen Worten: ,,daß er nach bestehenden Landesgesetzen in der Wahl nicht einzuschreiten hat, folglich ihre Bitten und Beschwerden der höhern Behörde anheim 31t stellen, welche bestimmt zum Besten der Gemeinde entscheiden wird. Die Majorität befolgte dessen Rath und bewerkstelligt dies durch eine dritte Rabbinerwahl, welche im Febr. 1648 vor sich gehen wird. Da aber aller guten Dinge drei sind, auch das 3. Mal des Juden Recht ist, so steht m Aussicht: ,,falls Herr Duschak bei der zweiten Prüfung, n^p'^D die Negaim und Nesikin zn . bannen wissen wird, um dadurch den Nabbinerschlag, von der göttlichen Gnade des päpstlichen ObertandeSral'biuers als Stellvertreter Moses, zu erhalten, auch bei der 3» Wahl siegreich hervorgehen, wird. Ich meinerseits wünsche Herrn Duschak Kraft, Muth, Ansdauer und Beharrlichkeit sich der Nesikin, die nach der Meinung des Herrn Hirsch nicht mehr vorhanden sind, nicht zu fürchten. Mit den Negaim kanns wohl ein Bischen zu schaffen geben, weil sie sich so leicht nicht bannen lassen, aber da wird schon Herr Hirsch, besonders das Bet Din, worunter ein Verwandter Feilbogenö, folglich ein Gönner Dusehakö ist, doch schon ein wenig Nachsicht üben; weil ein Nega größtentheilö sich von selbst verliert und Herr. Feilbegen soll nach dem Hörensagen in Straßnitz die Rabbinatsstelle mit Sturm genommen haben, und somit kein Anstoß mehr-im Wege liegt. Wien, 5. Jan. M a n n h e i m er’ 3 in neuerer Zeit immer schärfer hcrvortretende konservative Richtung hat hie und da in unserer Gemeinde Anstoß erregt, namentlich kann man es diesem Nestor der jüdischen Homiletik nicht verzeihen, daß er seine, wie es scheint erst in letzter Zeit, gewonnenen Ansichten, mit unerbittlicher Strenge zur Geltung zu bringen sich bestrebt. Es hieß darum in neuerer Zeit, es solle noch ein zweiter Prediger am hiesigen Tempel angestellt werden, um dem gewaltigen Eiferer die Waage zu halten. Aber man zögerte, mit der Ausführung dieser Drohung, wahrscheinlich in der Erwartung, daß Hr. Mannheimer seinen Eifer dämpfen wird. Wie sich voranösehen ließ, traf dieses nicht ein, und so wurde natürlich zur That geschritten und man wählte einen Lokalrabbiner ans einem Städtchen in Böhmen. Ich sagte, man wählte, denn daß nicht die Gemeinde als solche bei den: ganzen Handel bctheitigt sei, ist jedem, der die hiesigen jüdischen Zustände kennt, bekannt. Aber es weiß auch Niemand zn sagen, wer denn, und man kann es höchstens crrathen. Der nächste Grund zu diesem Entschlüsse soll noch Einiget: eine fanatische Predigt (pur. wa-Jcra) Manheimer's'gewesen "sein,die eine Fraktion in der Kammer zum Entschlüsse der Intervention getrieben f diese Predigt nämlich, der Untergang Sodom's zum Te.rt, hatte es gegen die Börsenspekulanten, gemünzt, und 'ein Pariser Börsenritter hätte sich verletzt fühlen können. Mannheimer hat der Gemeinde erklärt, daß sein vorgerücktes Alter ihm nicht ertaube, die Mühewaltung, die mit dem Predigen verbunden ist, allein zu bestreiten. — Prttff, im Decbr. 1847. (Bemerkungen über. Prag. Ans dem Tagebuche eines Reisenden, im Monat November 1847.) Die Alteration über das bei Auwall vorgesallene Eisenbahnunglück, dessen Theilgcuosse ich war , hielt mich vor meiner Weiterreise über Dresden mehrere Tage in Prag, während welcher Zeit

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