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Der Orient · 1848-01-22 · Heft 4 (22.1.1848) · p. Seite 28

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 4 (22.1.1848)
Date
1848-01-22
Page
Seite 28 (sequence 7)
Language
German
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28 hat, ehe er so zu sagen unter die Haube kommt. —- Da werden Erkundigungen eingezogen über seine Persönlichkeit, über seinen Charakter, überfeine Religiosität, über seine S Lu d ie n — ob er auch wirklich ein Tricnninm absolvirt, oder nur dem Namen nach ein akademischer Burger gewesen, ob der Doktortitel ein echter oder nur ein für Gold erworbener n. s. w., was auch den Gemeinden nicht übel zu nehmen ist; denn es steht geschrieben.3BV] mpm nttni). Aber nun sollte man glauben, daß ein solcher „Ehebund" zwischen Gemeinde und Rabbiner, dem so viele Erkundigungen und Forschungen und Proben vorangegangen, doch ein glücklicher und dauernder sein müßte. — Und doch ist dem nicht also. So heilig auch in Israel der Ehebund gehalten wird und so sehr auch Friede und Eintracht, und Familiensinn und Eheglück in den israelitischen Hausern heimisch sind, so wenig ist diese Zufriedenheit und diese Eintracht Ln den Bündnissen, so die Gemeinden mit ihren Geistlichen schließen, zu finden. Und nur zu oft sind diese Bündnisse so locker und für die Betheiligtcn so unerträglich, daß es über kurz oder lang zu einer Scheidung kommt; und bcimt? — dann bleibt die Gemeinde wieder auf längere Zeit vakant, und der Herr Rabbiner ist wieder was er früher gewesen — ein Rabbinatskandidat. — Ob in solchen Fallen immer die Gemeinde oder der Rabbiner Schuld habe -— wer kann das behaupten? — Genug, es ist dieS ein Misstand, der sich nur'zu häufig wiederholt und wahrlich ein Nebel ist, das sehr nachtheilig wirkt. Doch mit der Zeit pflückt man Rosen. Mit der Zeit wird es auch hiermit, wie mit vielem Andern besser werden; mit der Zeit werden die Gemeinden emancipirt werden von der Unordnung, von der Parteisucht und von den sogenannten modernen Duodeztheologen, die mit Reformen wie mit Pfannkuchen um'sich werfen und da glauben, Gott weiß was für'ö Judenthum gethan zu Haberl, wenn sie einen jp“no Dip' oder JQipD irflw wegreformiren. Mit der Zeit werden aber auch die Rabbiner emancipirt werden von der prekären Stellung und von den ungebührlichen Anforderungen, die noch mitunter an sie gemacht werden; mit der Zeit werden die Gotteslehrer in Israel eine ihrem Stande angemessene Stellung erlangen; aller Hader und aller Federkrieg wird aufhören; e6 wird in den Gemeinden und unter den Nabbinen ein allgemeiner Frieden herrschen, und dann? dann werden die Gemeinden einig sein und ihre Lehrer einig. Hessen wir es, denn nipnn ra qj/jn issnb dn i^dn , fwo -on sagt ein altes' Buch. — Uebrigms, um wieder auf unser Thema zu kommen, soll auch Hr. Dr. C. schon einige Konflikte gehabt haben; er wollte nämlich Religionsunterricht ertheilen, und das soll ihm, weil er die vorgeschriebene Lehrerprüfung nicht genracht, untersagt worden sein. — Es ist das nicht das erste Mal, daß einem jüdischen Prediger das Unterrichten untersagt wurde; und doch könnte dieser Stein des Anstoßes, wenn es den Herrn Gvttesgelahrten Ernst um die Sache ist, sehr leicht beseitigt werden; sie brauchten ja nur die Elementar- oder Religionsprüfung zu machen; die doch am Ende nicht so schwierig ist! — Doch das ist Nebensache. Was die Hauptsache ist, so'ist Friedland eine Gemeinde, die Sinn hat für alles Gute und Zweckmäßige und wäre es zu wünschen, daß sie/wenn sie einmal einen Rabbineu wählt, einen gestnnnngstüchtigen und charakterfesten Mann bekäme, wenn er auch gerade nicht den Doktortitel führt, der beiläufig gesagt, ebenso wenig den Rabbiner macht als der breite Hut und der Talar. —. Vorläufig aber möge Fr. in Hrn. C. wenigstens einen Prediger gefunden haben, der seine Stellung würdig aussntlt; und Hr. Dr. C. möge in Friedland ein Land des Friedells gefunden haben. •— Nun noch Etwas. Bei dem Königl. Landnnd Stadtgericht zu Tempelburg (in Pommern) ist vor einiger Zeit ein Israelit, Herr H. Jakoby, als Protokollführer und Bureaugehilfe augestellt worden. Wir halten dieses Faktum deshalb' des Miitheilens werth , weil dies der erste Fall ist, daß hier 31t Laude ein Israelit ein Staatö'amt (wenn das erwähnte anders so genannt werden kann) bekleidet, und weil jüdische Staatsbeamte in unferm Vaterlande überhaupt noch zu den Seltenheiten gehören. — Schließlich bester Herr Redakteur, gestatte:: Sie uns hier noch einige Druckfehler, die sich in unscrm Art. (in Nr. 2 d. Bl.) befinden, 31t berichtigen. S. 12, Sp. 1 v. u. ist das Wörtchen „will" übrig; Sp. 2, Z. 7 v. 0. l. zwei sind Stadtverordnete und einer Stadtverordneten-Stellvertreter. In der Note 1 l. „Durch den re. Abgang; S. 13, Z. 4 v. 0. l. Leichenbegängnissen; Note 2 l. betragen jetzt die hierbei entrichtenden rc.; Note 4, Z. 4! Marienwerdcr und Note 5, Z. 3 Krojanke. W—ll. Berlin, 1. Nov. 1847. Schluß.) 111. Einiges über unser Verhärtniß zur gestimmten Judenheit,. und über einzelne specielle Gesetze. Wir sehen sämmtliche Bekenner des JudmrhumS als Bekenner der wahren Religion an, und halten nur die 2C c t und W ei se des Bekenntnisses, wie die Bethätigung desselben, als eine Form der Vergangenheit, die einer Reform kür die Gegenwart, besonders aber zum gesicherten Tortbestehen deS Judenthums für die Zukunft, dringend bedürftig ist. Insofern dieses Bedürfniß in den meisten deutschen Glaubensbrüdern namentlich anerkannt ist, und diese auch auf dem Wege der Reform begriffen sind, sehen wir uns nur als die Vorgänger in der Reform an, so daß wir die gegenwärtig notwendig gewordene Sonderung in eigne religiöse Institute nur als ein einstweiliges Mittel betrachten, durch welches unsrem Bedürfniß genügt, und der Weg, den wir für den richtigen halten, für die Zukunft und für Alle angebahnt wird. Indem wir ferner die bisherigen Schriften Des Juden-

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