Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 3 (15.1.1848)
- Date
- 1848-01-15
- Page
- Spalte 37-38 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8555529-9897534-9897531--5283-3533821- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
37 salem. 2 Voli. 1847, -mit lebhafter Freude begrüßt. Es ist recht wohlthuend, bei der überaus großen Seltenheit von Schriftwerken jüdischer Verfasser im Gebiete der Geschichte, und bei der geringen Lheilnahme, welcher im Allgemeinen auch andere mehr* und minder werthvolle Schriften*) der jüdischen Gelehrten begegnen, wahrzunehmen, daß ein achter Jünge-r der Wissenschaft Aufmunterung genug findet, um ausdauernd seinen ganzen Fleiß der altern Geschichte der Juden und der christlichen Kirche zuzuwenden, und zugleich frei und unabhängig.wie durch günstige Verhältnisse im Leben, so auch in der Gelehrten- Republik seine Stimme abzugeben, welche oftmals gegen verjährte Vorurtheile hart anschlägt. — . Noch bevor wir uns vollständig mit dem Inhalte des genannten Geschichtswerkes vertrauet machen konnten, benutzten wir die Gelegenheit, den Verfasser selbst in seiner schönen Zurückgezogenheit, die ihm gestattete, ganz u-. gar dem Studium zu leben, auszusuchen. Eine wahrhafte erquickliche Erscheinung! Anmuth und Bescheidenheit, Sinn für alles Schöne und Streben nach Abrundung der leitenden Prinzipien, ohne verletzendes Selbstgefühl und ohne jene in Deutschland 'fast zur Mode *) Wir klagen nicht gern über das,, wofür es keine Abhülfe giebt. Bei den Juden hätte freilich die Bildung auch den Sinn für Verbreitung tüchtiger, die Begriffe aufhe.llender Schriften, und'kräftige Förderung der Gelehrsamkeit durch Lheilnahme für deren Werke, beleben sollen. Dieser Sinn ist nicht vorhanden, und mit Bedauern muß man sehen, daß die Lheilnahme der Juden für Bücher eigentlich nur die ihnen auch sonst stets anzurühmende Mildthätig keit ist; man kauft fast nur von hausirenden sogenannten Literaten, die sich allerlei Empfehlungen verschaffen, von den unternehmenden Buchhändlern (denen man ja nichts schenken, will) selten. Daher ist auch die Literatur oft genug danach armselig und bettelhaft; werden Autoren, die nicht von der Mildthä'tigkelt unterstützt sein wollen, dadurch abgeschrcckt, so veranlaßt die Gleichgültigkeit des jüdischen Publikums hinwiederum die Verleger zu allerlei Kunstgriffen, die man eben so wenig billigen kann und die nur als unschädlich betrachtet werden müssen, weil sie nichts helfen. Sie machen nämlich aus der liegen gebliebenen Makulatur neue Auflagen oder, um ehrlich zu sein, A us ga de n. Wir haben früher schon ein solches Verfahren an dem Würtembcrger Schulkarechismus gerügt, neuerdings sinden wir wieder Fr a nke ls Eidesleistung, mit einem bloßen Anhang vermehrt, ganz und gar in. der ersten Gestalt wieder herausgegeben (mehrere unsrer Bekannten sind dadurch getäuscht worden),, ferner Holdh e im s A u to no m i e d er R a b b i n e n, blos mit einer kurzen, /noch dazu anderswo reproducirten Vorrede, als neue Ausgabe (auch hier wurden schon mehrere zum Ankäufe verleitet, die das Buch längst besitzen. Die Schlesinger'sche Handlung hat doch'wenigstens ehrlich auf die Predigten von Zunz im 1.1846 setzen lassen unverand erte Ausgabe,'damit jeder wisse, es seien dieselben von 1816 (die übrigens bleibenden Werth haben.) Der Verleger von Herzfeld neuestem Werke, das offenbar mehrere Bände umfassen wird, hat cs-vermieden auf den Titel „Erster Band" zu setzen! — Wenn die wenigen Freunde der Literatur erst sehen, zu welchen unwürdigen Mitteln man seine Zuflucht nimmt, werden sie nicht ebenfalls sich *t)inwegwenben? Jost, . 38 gewordene Disputirsucht oder Verachtung! S. ist nicht mit allen fremden Leistungen auf seinem Gebiete bekannt, weil er nicht deutsch liest; er lebt hauptsächlich in dem antiquarischen. Kreise, der ihn nun seit einem Viertel Jahrhundert beschäftigt, und genießt eine gewisse Befriedigung darin, seinerseits durch Quellenstudien die Wahrheit aufzuhellrn, ohne Neid es vernehmend, daß Andere von ihrem Standpunkte aus manche Aufschlüsse über wichtige Fragen zu Lage fördern, die ihm entweder sich nicht darboten, oder zu lösen ihm nicht möglich waren. Wir wollen hiermit von vorn herein andeuten, daß dem wackern S. eine Anzahl historischer Hülfsquellen verschlossen sind, aus welchen er auch nicht, wie sonst Autoren wohl zu thun pflegen, geschöpft zu haben vorgiebt, und das sind jedenfalls alle rabbinischen Werke, wir glauben aber auch alle griechischen Originale; was er von beiden hat, und von' letztern natürlich in reichem Maße, und treuer übertragen) fließt aus abgeleitetem Gewässer der lateinischen Übersetzungen. Dieser Mangel wird aber hei ihm ersetzt durch einen aufmerksamen historischen Blick, durch interessante Vergleichungen synchronistischer Charaktere und Begebenheiten - und eine außerordentliche Originalität der Anschauung, so daß S.'s Werke immer einen enormen Werth behalten. Ueber das Vorliegendehaben wir an einem andern Orte berichtet, wir sprechen hier von dem relativen Werthe desselben für Deutschland. Im Allgemeinen möchten wir' eine Bemerkung voranstellen, die freilich hier verhallen dürfte, wenn sie nicht noch weiterhin einen Widerhall findet; - wir wollen sie nicht unterdrücken, vielleicht hebt einer das Saatkörnlein auf. Verleger und Uebersetzer verdienen den Dank der deutschen Welt, wenn sie fremde EczeuMisse -auf unserw Baden verpflanzen, sobald solche'das Gebiet, der Gelehrsamkeit oder des Geschmackes bereichern. Aber es ist hierbei einige Vorsicht nöthig, besonders in ersterer Beziehung; denn da die Deutschen in der Gelehrsamkeit und namentlich im Studium alter Quellen nicht gerade hinter den Nachbaren zurückstehen, so ist bei solcher Verpflanzung, wenn der Gegenstand sonst schon hier zu Lande mit Fleiße behandelt worden, wohl darauf zu achten, wie fern die fremde Geistesthätigßeit über die deutsche hinausgegangen sei, oder andrerseits selbst, noch-einen Mangel an Erfahrung verrathe, — und eine Übertragung würde dann vorzugsweise sich verdient machen, wenn sie sich bestrebte auf diesseitige Leistungen in einer oder anderer Hinsicht zu verweisen. Dies gilt vornehmlich von französchen Werken, da ohnehin vorauszusetzcn ist, daß die französische Sprache denen, die Geschichtswerke lesen, genügend bekannt ist, so daß eine deutsche Bearbeitung fast nur in solchen Nachweisungen ihren Werth behaupten kann. Daß dann außerdem Verleger, Uebersetzer- und Korrektoren für die untadelige Beschaffenheit der Uebersetzung eine gemeinschaftliche. Verantwortlichkeit übernehmen, versteht sich um so eher, als dem ersten die Wahl eines tüchtigen sprach- und sachkundigen Uebersetzers, diesem wieder die Sorgfalt in seinem Gk- 3 * Kritiken.. Salvador und Eichler. Von I. M. Jost.