Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 3 (15.1.1848)
- Date
- 1848-01-15
- Page
- Spalte 35-36 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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35 mm den -LesMl. jetzt, indem der ganze Band nun vorlkegt, das Ganze ln' seinem Zusammenhänge vorgeführt wird. .Hr. Frie den thal übergiebt in diesem Werke, wovon nun auch der zweite Wand in vier Heften fertig geworden, dem Publikum jüdischen oder christlichen Bekenntnisses die reiche und eigenthüinliche Ernte seines- Geistes, eingesammelt im Verlaufe eines Menschenalters, die dogmatisch-philosophische Begründung des Iudenthums, verbunden wie bei den alten Religionsphilosophen mit einer Apologie des Mosaismus und Polemik gegen allezeit fertige Appionische Verunglimpfungen. Während der langen Iahrenreihe, in welcher der Vers. sein vielbändiges Werk Jesoda Ha-Dat nach und nach veröffentlicht, sind viele Vorwürfe, mannigfache Anklagen gegen das Judenthum, gegen den Mosaismus kund geworden. Der vulgare Rationalismus hat die alttestamentliche Gottesidee zum Ausgangspunkte seinesJudenhasses genommen, und den Gort Israels als Nationalgott, als zornigen und rach e s.ü ch tig en, seine jüdischen Anbeter einem morgenländischen Despoten gleich als Sklaven anschend, zu vertäumden gesucht; dieser unsaubere rationalistische Geist, genährt und getragen von der schmachvollsten Unkunde'des Mosaismus, hervorgerufen durch das Bestreben, das leere weiße Blatt in der eigenen Religion mit Unglimpfen gegen eine andere auszufüllen, hallt von Michaelis bis auf de Wette wieder und klingt sogar bei einem geistesleeven Rouge nach. Von der andern,Seite hat seit vielen Jahrzehnten der dumpfe Pietismus in eigener Trostlosigkeit unsere trostreiche Zukunft zum Gegenstände seiner Angriffe gemacht, die Ansichten der Hebräer über Unsterblichkeit, Messias, Auferstehung u. s. w. wurden verdreht, verketzert und verläumdet und was einst ein Lava ter in seiner bizarren Christlichkeit leise versucht, das hallt noch in der evangelischen Kirchenzeitung in schreienden Mistönen wieder. Die Beschuldigungen dieser beiden Richtungen protestantischer Theologie wurden so oft und so keck wiederholt und in Lehrbüchern eingetragen, daß der politische Judenfeind sie als unwandelbare und felsenfeste Wahrheiten angesehen und diese dann als -Grundlagen nehmend, schuf er ein drittes, die socialen Anklagen gegen die Juden. Der jüdische Eid wurde verdächtigt und die Formen desselben in absichtlich beleidigende Gestalten gegossen; die Juden wurden des Wuchers angcklagt, das Börsenspiel, der Kornwucher, der Mangel an Patriotismus und dergleichen wurde ihnen zur Last gelegt, und das Alles lwurde aus dem alten Testamente hergeholt. Wurden sie doch sogar für. die den Egyptern vor vielen tausend Jahren entwendeten Gefäße verantwortlich gemacht! Und aus diesem Material wurde das Luggebäude der Ausschließung und der Zurücksetzung der Juden gezimmert. Hr Fri ed en t h al hat seit vielen Jahrzehnten diese judenfeindlichen Richtungen verfolgt, und in einer Reihe von Aufsätzen und Abhandlungen das Judcnthum dogmatischphilosophisch, aber in apologetischem Geiste, zu begründen gestrebt; seit Jahrzehnten ging er, je nach der jedesmaligen Zeitstimmung, bald auf die Anklagen des Rationalismus, bald 36 auf die des Pietismus, bald endlich auf die social-politischen Verdächtigungen ein, mit der einen Hand, jenen Arbeitern an den Mauern Jerusalems gleich, das Feindliche abwehrend, und mir der andern das Judenthum als einen Idealismus philosophisch konstruirend, wobei.die angedichteten Flecken von selbst unsichtbar werden. Diese allmälige Entstehungsweise des Jesode ha-Dat, sich als Aggregat geistreicher einzelner Aussätze und Abhandlungen auf dem Gebiete des dogmatischphilosophischen Judenthums dem tiefer Blickendem darstellend, ist auch der Grund, dass in ihrer Zusammenstellung und Herausgabe, selbst hier in dem Auszüge, dir wissenschaftliche Systematik fehlt, daß den einzelnen )lper^'u's jene Abschattungen der jedesmaligen Zeitstimmungen anha'ngen, welche der aufmerksame Leser leicht htraussindet, so daß man wünschen muß, der Verfasser möge noch eine gutgegliederte, systematische rein wissenschaftliche Ausgabe besorgen, in welcher jene zufälligen Zeitmomente verwischt sind, wobei natürlich auch alle rein zufälligen Anhänge, die nicht hierher gehören, verschwinden müssen. ..Bevor ich jedoch auf den Inhalt eingehe, muß ich noch Etwas über den Verfasser wie über den Uebersetzer bemerken. Hr. Friedenthal ist Meister des hebräilchen Styles, sowohl des poetischen als auch des philosophischen und dogmatischen, und bei seiner regen Phantasie und bei seiner glühenden Begeisterung für den jedesmaligen Stoff spielt die poetische Schreibweise in die philosophische über. Bei hebräischen Schriften ist das nicht auffallend; eine Menge Schriften älterer geistreicher Autoren haben in dieser Weise ihre Gedanken geäußert und ist ja der göttliche Platon in seiner poetisch-philosophischen Darstellung mit einem solchen Beispiele vorangegangen; aber für eine Übersetzung in unsere abgemessene, kalte Sprache muß blos der logische und' streng philosophische Faden festgehalten werden. Der Uebersetzer Hr. Fürstenthal hat eine große Gewandtheit in Handhabung des Deutschen,' seine Diktion ist rein, sehr schmiegsam und durchsichtig, und wie er im Vorworte sagt, hat er in der Uebertragung der poetischen Fülle ausweichen müssen. Allein er hat es, meiner Meinung nach, nicht genug gethan, er hat theils nicht Konsequenz, theils nicht Unbarmherzigkeit genug, jedes, was nicht unmittelbar zur logischen Entwickelung gehört, ausgeschieden und namentlich hätten wir dieses gewünscht bei der Disposition der Theile. Nun gehe ich zu dem Inhalte über. (Fortsetzung folgt.) Salvador und Cichler. Ein Beitrag zur Geschichte der'typographischen Industrie. Von I. M. Jost. 6) Geschichte der Römerherrschaft in Judäa und der Zerstörung Jerusalems von I. Salvador. Deutsch von Dr. L. Eichler. 2 Bde. Mit Karten. Bremen, 1847, 8. ,F. Schlodtmann. Wir haben Salvador's neuestes Werk: ttistoire de la domination Komaine en Judee et de la ruine de J&u- Kritiken. Friedenthal. Salvador.