Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1848)
- Date
- 1848-01-15
- Page
- Seite 19 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360526-2360530--6238-3533813- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
19 immer den Misverständm'A'u und den Misdentnngen ausgesctzt sei. Die Erfahrung hat cS hinlänglich bestätigt, wie gerecht diese Besorgnisse wakvn. Die Uebersetzungen haben unter den Israeliten 'der Bibel keine neuen Verehrer gewonnen. Wir haben im Jnlereisse der Jugend'und der Wahrheit die mannigfachen und 'verschiedenartigen Bemcrkungen über diesen Gegenstaiad, welche wir übrigens als hinlänglich bekannt voraussetzen dürfen, sorgfältig erwogen. Die Einwendungnu gegen die Einführung der Vollständigen Bibelübersetzung in Schulen sind so kräftig und gewinnen besonders in gegenwärtiger Zeit so sehr au Bedeutung, daß es selbst dem strengsten Anhänger des entgegenstehenden. Systems schwer werden dürfte sie zu entkräften. Es versteht sich von selbst, daß darum den: Werthe der h. Schriften in keiner Beziehung zu nahe getreten werden soll!. Es kommt nur darauf an, im Geiste des historischen Judenthums den Weg zu betreten, welcher unter den Verhältnissen unserer Zeit zum Ziele führt. Merkwürdiger Weise stellt sich bei näherer Betrachtung dieser Streitfrage noch ein anderer, sehr wesentlicher Umstand heraus, nämlich der, daß in neuerer Zeit alle diejenigen Quellen, welche im Allgemeinen noch gar nicht übersetzt, worden, auch fast ganz unbenutzt geblieben sind. Der überreiche Schatz an moralisch-religiösen Sentenzen und Aussprüchen aller Art, welche ehemals allen unterrichteten Israeliten geläufig, und wie jeder Kundige zngestehen wird, unendlich wohlthuend für Geist und Gemüth waren, ist setzt beinahe vergessen, und was ist an dessen Stelle gesellt worden? Dieser Mangel, der durch einige kleine Sammlungen kemeswegeö gehoben wird, hat noch mehr dazu beigetragen, das Judenthum, beschränkt ans die biblischen Bücher und einige Brosamen spaterer Sprüche, für arm an ethischen Lehren zu halten, und hat auch die Teilnahme für dessen genauere Kenntniß vermindert. Selbst wohlunterrichtete Schüler und Schülermnm, welche die Grundlehre gut verstanden und in sich ausgenommen haben, finden daher zu ihrer fernem Bildumg in religiöser Hinsicht nichts mehr vor; sie wissen kaum von einem Fortgange des Zudeuchulns im Lause der Jahrtausende, sind für dessen Schicksale und Stellung in der Weltgeschichte gleichgilftg, cfccn weil ihnen, die nachbiblische Entwickelung fremd geblieben. Wir dürfen aber mit Sicherheit behaupten, dass die Liebe der Inden zu ihrer 'Religion, auch unter der neuern freiem Anschcumug, ganz vorzüglich durch genauere Bekanntschaft iniii der nachbiblischen Durchbildung der Lehre genährt worden; wie denn überhaupt eine solche Kenntniß von 'dem fortschreitenden inuern Leben jeder Erstarrung der Begriffe verbeugt. Eine großeZahl denkender., fühlender rund für die Religion begeisterter Lehrer haben uns eine Fülle von weisen Sprüchen und Lehren Hintertassen, welche zum geistigen Eigenthum der jüdischen Gemeinde gehören und nur von den vielen störenden Auswüchsen, mit denen sie behaftet sind, befreit zu werden brauchen, um auch in der Gegenwart wieder ihre Kraft zu bewähren. Soll unsere Jugend, blos weil sie die Sprachen nicht erlernt, in ’Dcncu solche aufbewahrt^sind, oder etwa nur um jener entstellenden Ausartungen willen, welche durch freie Kritik, unbeschadet des Kerns beseitigt werden können, dieselben nicht irr sich aufnehinen? Warum soll überhaupt das Judenthum in seinen Bekenntnißquellen nicht alles daS umfassen, was sich als wahrer Ausdruck und echtes Gepräge seines Geistes bewährt? Darum schien es unS von höchster Wichtigkeit, einerseits zwar was die biblische Grundlage betrifft, vorläufig von allen denjenigen Bestandtheileu, welche aus den angedeuteten Gründen einem spätem Nachstudinm Vorbehalten bleiben mögen, abzuscheu, — dagegen aber andererseits den nachbiblischen Anbau, so weit in demselben der Geist der Religion sich ausprägt, und seine Acußemngen ein gewisses Ansehen und eine allgemeine Geltung gewonnen haben, mit in den Bereich der Jugendbelehrung hineinzuziehen. Hierzu rechnen wir, außer den unmittelbaren Lehren und Grundsätzen, noch manche ältere Kounnentirungen wichtiger Stellen der h. Schrift, eine bestimmte Darstellung der Entwiekelnngsmomente des Judenthums, eine Kenntnis; hervorragender Persönlichkeiten, und Erläuterung alles dessen, was zum Verständniß sowohl der Lehre als auch der religiösen Institutionen dient. Wir haben uns vereinigt, ein Werk zu gründen, welches düsen Erfordernissen entsprechen soll, und hegen die Zuversicht, daß wir nicht nur der Schule eiu u mfaffcude s B ueh als bleibende Religionsquelle geben, auf welches sowohl der mündliche Unterricht, als auch Lehrbücher und Katechismen sieh beziehen können, sondern auch den F a m i l i e n , wctd) c im Haus li chen Kreise gern der Religion einige Stunden festtägiger Erbauung znwendcn, ein Mittel darbieten, ihren Geist zu nähren und Betrachtungen anzuknüpfcn, welche der Stimmung znsagcn. Dem Judenthume selbst soll das Werk Achtung und Anerkennlmg verschaffen, und der Bibelkünde soll cs als Vorschule dienen. Dasselbe soll den Titel führen: Kleine Bibel für Israeliten, und tm Allgemeinen folgendes enthalten: 1. Die 24 B n ch e r der h. Schriften i m A uszug e, neue, dem Zwecke entsprechende Uebersetzuug mit einzelnen eingestrcuctcn Erläuterungen, Parallelen und kurzer Nachweisuug. Es versteht sich, daß hier alles nur als biblischer