Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1848-01-15 · Heft 3 (15.1.1848) · p. Seite 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 3 (15.1.1848)
Date
1848-01-15
Page
Seite 18 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2360092-2360526-2360530--6237-3533812
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

unentgeldlichen Unterricht (:n:t dessen Ertheitnng er mehrere Stunden des Tages zuzubrmgen pflegte) empfangen, derer, für die er, zur Milderung ihres Schicksals, mit Aufbietung seines bedeutenden Ansehens, Verwendung und Fürsprache bei mildthätigen Freunden eingelegt, derer, die er mit Kleidung versah, wenn sie entblößt waren, die er mit der zartesten Rücksicht und unter den 'ehrendsten Fermen an seinen Familientisch zog, wenn, sie hungerten, die Anzahl, derer, die er, obgleich selbst der entschieden orthodo.ren Richtung angehörend-, ohne Rücksicht auf Glauben und Meinung mit Rath und That unterstützte, die Anzahl derer, welchen seine seltene Tugend zur Richtschnur und zur festen Stütze durch ihr ganzes Leben gewordere, diese Anzahl der Empfänger seiner Wohlthaten belauft sieh, man kann es ohne die allermindeste Uebcrtreibung sagen, notorischermaßcn auf viele Tausende, deren Thränen um beit dahingeschiedenen ausgezeichneten Mann und cbfcn Menschenfreund sich mit denen seiner trostlosen Witwe und stiller zahlreichen, ticftvaucrubcn Kinder vermischen. Am 22. Decbr. 1847 endete dieser merkwürdige Bürger unserer Stadt sein stets der Gottesfurcht und den schönen Werken der Nächstenliebe geweihtes Leben. Seinem Sarge folgten am 26. Decbr. in tiefster Trauer ein unabsehbarer Zug von Verehrern und Frclmden des Verblichenen, worunter Ni ein and von den Notabititätcn und der Elite der hiesigen israelitischen Gemeinde vermißt ward, da unter aftcn Parteien und Meinungsgmessen derselben über dell biedern und tadellosen Charakter wie über die außerordentlichen Talente deS Seligen nur eine einzige Stimme herrschte. Als auf dem Friedhofe das Grabgcbct: „des Schöpfers Thun ist tadellos!" re. allgestimmt ward, da füllten sich Aller Alrgeu mit Thränell und mail hörte Greise, Männer und Jünglinge gleich Frauen und Kindern lallt weinen ' und schluchzen. D a s A u b c it f c li des F r o Ulmen sei gesegnet! „Er ist der Glückliche, er Hai vollendet!" L. H. L. Frankfurt 8.Jan. (Vorläufiger Bericht über ein neu zu begründendes Religionswerk für Schule und Haus, von Dr. .I a k o b A uerb a ch u n d D r. I. M. I o st.) Eine der wichtigsten Fragen, welche gegenwärtig die Aufmerksamkeit der deutschen in der Bildung fortgeschrittenen Israeliten beschäftigen, ist die zeitgemäße Gestattung deS Religionsunterrichts. Die erhöheten Anforderungen, welche an den Unterricht der Jugend gestellt werden, erstrecken sich gailz besonders auch auf die ReligionSlehre, um so eher, als hier die Ansichten, Grundsätze und Richtullgell auf nlailnigfache Art sich spalten und auseinandergehen. Aber auch die Schwierigkeiten, hierin ein einheitliches Streben zu erzielen, wird allgemein empfunden, und die gewissenhaften Lehrer der Jugend sehen sich immer von neuem anfgcfordert, ernstlich die Mittel und Wege in Betracht zu zwhen, wie derselben eine grülldliche Verbreitung zu ertheileu sei, damit sich eine gesinlde, geläuterte, wahrhaft ftonlrne Anschauung und sittliche Gesinnung herausbilde. Die 24 Bücher der h. Schrift, für den Israeliten die Hauptquelle religiöser Erkenntnis;, sind auch beim Unterrichte das alleinige und bleibende Fundament, ausweichem mit Sicherheit fortgebaut werden fatm. Lehrbücher und Katechismen, verschieden in Einrichillug, Methode und Ausdruck, auch nothwendig wechselnd nach Alters- und Bildungsstufen, sind nur Hilfsmittel, Wegweiser und Führer auf diesem Gebiete, und entbehren dabei jeglicher Autorität, — die Bibel allein ist die bleibende Grundlage. Aber hier erheben sich ernste itub wichtige Fragen, welche noch nicht gelöst sind, und von deren Erledigung der Erfolg bedingt wird. Anders war es vormals, anders ist es jetzt. Bis in unser Zeitalter herab bediente Ulan sich der h. Schrift beim Unterricht säst nur in der Ursprache. Bei mündlichen: Uebersetzen und Erläuterung des Textes zog die Beachtung der Sprache die Aufmerksamkeit stark an; es lag auch in ihr eine Weihe, durch welche jeder Profanirung des Inhaltes vorgebcugt war, und mau beschränkte sich häufig auf eine angemessene Auswahl, indem man vieles dem spatem Selbststudium auheimstettte; die weibliche Jugend lernte in der Regel nur Auszüge aus der h. Schrift kennen. Jetzt aber liegt die gestimmte h. Sehr. inderMuttersprache vor und ist allgemein zugänglich! -Was auch Rigoristen sagen mögen, um der Benutzung der v otlständi g e n B i b e l übe r s c tz n u g in Schulen das Wort zu reden — wir vermögen nicht uns dieser Meinung anznschließen. Gegen die Benutzung der vj c f a in nt tnt ch. S chriften be im Unterricht der Jugend beider Geschlechter erregen n a h e l i egende p a d a g o g i s ch e R ü ck s i ch t e u s o u n a b w e i ö b a r e A n st ä n d e und sprechen auch sonst so w i ch t ig e Bede n k en , daß wir wohl annehmen dürfen, die überwiegende Mehrheit der Jugendlehrer theite unsere Ansicht, welche übrigens im Judenthum auch historisch begründet ist. Schon seit uralten Zeiten war es nämlich ausgesprochene Regel, bei den öffentlichen Vorlesungen der h. Schrift, solche Stücke, welche sich für das Volk nicht zu eignen schienen, unübersetzt zu lassen. Und selbst die h. Schrift übergab mau dem Volke nicht sowohl in wortgetreuer Uebersetzuug, als vielmehr in Umschreibungen und Konunentirnngen. Man fühlt ganz richtig, daß bei der überaus starken Eigenthümlichkeir des Sprachgeistes, eine noch so treue wörtliche Uebcrtragung doch nicht den wahren Gehalt wiedergebcn könne, und daß bei der Unmöglichkeit, der fremden Sprache die Weihe des Urtextes einzuhancheu, der Inhalt in der Uebersetzuug

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.