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Der Orient · 1848-01-08 · 2 (8.1.1848) · p. Spalte 29-30

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
2 (8.1.1848)
Date
1848-01-08
Page
Spalte 29-30 (sequence 7)
Language
German
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29 89 Kritiken. Kurze Anzeigen. Jüdischer Plutarch. der de» Trieb zum Streit mit auf die Welt gebracht/ dessen Federzüge Dolchstiche waren, und der sich nicht ausschließlich mit dem Talmud beschäftigte, kam dieser Kampf, wie einem kühnen Nitkersmann sehr gelegen; dem ganz entgegengesetzt war der Charakter Eybenschütz's. Bon Natur sanft, allem Disput abhold,^stets mir dem Talmud beschäftigt, ließ er lange genug den R. I. Loben, nur mit Widerwillen und auf vielfältiges Zureden seiner Freunde, ergriff er die im Streit ungeübte Feder. „Bei der ganzen Sache — rief er oftmals aus — ärgere ich mich blos, weil ich mich in meinem 'Studium störe," und wie sehr ihn dieses erfaßte, davon erzählt mein sel. Vater, sein Schüler, folgendes: „Wir lernten gewöhnlich die ganze Nacht von Donnerstag auf Freitag hindurch. In einer solchen strengen Winrernacht, war ihm eine Stelle im Nambam höchst unerklärlich. Er empfahl sie unserem Nachdenken und ging hinaus auf den Hof. Gar bald tobten und schrieen wir nach Studentenmanier, und vergaßen den Rabbi. Nach mehreren Stunden endlich merkten wir seine Abwesenheit, und, bei der unbeschreiblichen Ehrfurcht die wir vor ihm hatten, loosten wir, wer es wagen sollte, ihn aufzusuchen. Diejenigen .die das Loos getroffen, gingen hinaus, und trafen ihn scheinbar leblos unter einem Baum, ganz von Schnee bedeckt. Als ihn Einer von uns berührte, da rief er aus: „So hat doch der Rambam recht!" Gleich jenem alten Griechen, war er von seinem Genius der Erde entrückt. — Aber bei all' seinem Fach-Studium, war er den Wissenschaften nicht abhold. Das zeigt auch sein Umgang mit Pastoren, was ihm Emden sogar zum Vorwurf macht, und seine Liebe zur hebr. Poesie, wenn er sie auch selbst nicht pflegen konnte; seine Gedichte haben keinen großen Wertb, so wie auch fein hinterlaßenes Werk tyo pDv, über die sogenannten Sieben Wissenschaften, keinen großen Schatz für die gelehrte Welt enthalten mag, aber es bezeugt doch sein Streben nach Wissen, welches zu befriedigen ihm seine Stellung nicht erlaubte« Zu allen Zeiten muß der Rabbiner gar oft im Volkssinn handeln, und daß alsdann „die Schaafe den Hirten weiden," darüber klagt schon der Prophet. 2. R. Jakob Emden. Dieser Riesengeist konnte sich mit den großen Männern aller Zeiten messen. Hätte er zur Zeit der arabischen Schule oder zu unsrer Zeit gelebt, so würde er Epoche in der ganzen gelehrten Welt gemacht haben. Aber eben dies steigert seinen Ruhm, daß er in einer finstern Zeit so eine reine klare Anschauung hatte. Er verstand es, sich in 'allen Fächern der hebr. Literatur zu bewegen. Mit dem nämlichen kritischen Geiste, mit dem er in seinen Responsen ''(jOJP nbwtp) eine schwierige halachrfche Aufgabe rein wissenschaftlich löste, bekrittelte er Werke der Grammatik (nn), obschon er gestehet, daß ihm zu dieser Beurtheilung, Kenntnisse und Materialien fehlen. (Fortsetzung folgt.) Kurze Anzeiger;. 4) Jüdischer Plutarch; oder biographisches Lexikon der markantesten Männer und Frauen jüdischer Abkunft, (aller Stände, Zeiten und Länder) mit besonderer Rücksicht auf das österreichische Kaiserthum. Von mehrern jüdischen und nichtjüdischen, in- und ausländischen Schriftstellern. Erstes Alphabet!), oder erster Band. Mit einem Titels bilde. Wien, 1848. 8. Ulr. Klopf und K. Eurich» Der schöne Gedanke, einen jüdischen Plutarch als Lesebuch für Gebildete jüdischen und christlichen Glaubens zu veranstalten, erscheint dieses vorliegenden Versuches ungeachtet, noch ein bloßer Gedanke, wenn er nicht gar durch die misglückte Ausführung für eine Zeit lang zu Grabe getragen ist. Der (mir übrigens ganz unbekannte) Herausgeber scheint weder über Haltung und Geist, den ein Plutarch jüdischer Persönlichkeiten haben sollte, noch über Anlage, Plan und .bestimmte Begra'nzung, noch endlich über sprachliche Form, Slyl und plastische Gewandung nachgedachr und bis zu einem Abschluß es gebracht zu haben; und doch hat der Ahn Plutarch bereits so treffliche mustergiltige Proben gegeben, daß eine gänzliche Unbekanntschaft mit diesem meisterhaften Zeichner großer Charaktere um so auffallender erscheinen muß. Es ist wohl gleich, ob der reiche Stoff zu Lebensbildern aus neuer Bearbeitung oder aus Auszügen, Uebersetzungen u. s. w. hergetzolt ist;- es muß jedem Leser gleichgiltig erscheinen, ob das eine Lebensbild zehnmal so umfänglich als das andere ist. Denn der Lehm, woraus der Bildner seine Gestalten bildet, kümmert den Beschauer nicht und ein quantitatives Maas zwischen einzelnen Gruppen ist ziemlich indifferent. Aber lebensvolle Bilder, gezeichnet und geschildert in geistvollen Kontouren, Charakteristiken) in psychologischer Wahrheit koncipirt, belebt von der erquickenden Wärme der Poesie und durch den lichtschimmerden Zauber der Sprache den Lesern sich einschmeichelnd, das ist's, was man in einem Plutarch sucht, wenn er als Lese- und Unterhaltungsbuch diesen Namen verdienen soll. Nach einem solchen Muster ist unser Plutarch natürlich nicht gearbeitet; es wäre, wenn auch gerade zu viel, doch etwas unbescheiden, nach solchem Muster die Ausführung zu verlangen. Allein das muß das Publikum entschieden verlangen, daß die sogenannten Lebensbilder wenigstens in schöner edler Sprache abgefaßt sein, daß die Beschreiber von den Persönlichkeiten, die sie den Lesern näher führen, genaue Kunde besitzen, daß der Redakteur oder Herausgeber über Plan und Anlage sich klar sein solle, von welchen Dingen eben hier keine Spuren zu finden. Es gehören nur zwei Klassen von Persönlichkeiten in einen solchen Plutarch, nämlich solche, die als Juden im Kreise der Juden gewirkt und einen Nachruhm für den Kreis ihres Stammes verdienen, oder solche, die obgleich im geschloffenen Kreise jüdischer Jfolirung lebend und stehend, dennoch über diesen Kreis hinaus, der Menschheit überhaupt durch ihre trefflichen Anlagen oder durch ihren Fleiß gedient, sei es in Kunst und Wissenschaften oder meinetwegen auf dem

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