Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 2 (8.1.1848)
- Date
- 1848-01-08
- Page
- Spalte 21-22 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Studien. Chronologisches in Scherira's Brief. 21 Neigung - der Perser gegen die jüdische Sitte, die Todren zu begraben,"'" veranlagte einst Schabür N, dem Rektor Chama die Frage vorzulegen, wie er die Sitte des Begrabens aus dem Gesetze herleite; Chama wußte aber Schabür nicht zu antworten, so daß ein gleichzeitiger Gelehrter bedauernd ausrief: „Wir alle sind den Händen eines Blödsinnigen übergeben", und diese Unwissenheit bei einer so gewöhnlichen Sache der Anklage war in der Lhat um so unverzeihlicher, als schon Mar Jochanan eine Herleitung aus dem Gesetze aus früherer Zeit überliefert hatte.602 Bei einer Halacha, die nicht schon nach einer der streitenden Autoritäten entschieden war, stellte er es, wie sein Zeit- und Amtsgenosse Papa zu Aora, dem jedesmaligen Ermessen des Richters anheim,603 da er selbst eine Entscheidung zu treffen nicht vermochte. Neben dieser geringen Befähigung mußte also eine grausame Harte in Handhabung des Gesetzes noch um so mehr Abneigung erwecken. Eine Priestertochter, Jmarta batTali mit Namen, hatte nach altmosaischem Gesetze die Todesstrafe des Verbrennens verschuldet, und Chama ließ sie mit Reisbündel umgehen und verbrennen. Die Lehrer waren über diese grausame Ausführung eines alten durch die Aenderung der Zcitlagen längst abolirten Gesetzes sehr unzufrieden, theils wül die Prozedur an sich selbst nach dem mosaischen Gesetze nach der Deutung der Ueberlieferung nicht in dieser barbarischen Weise ausgeführt werden durfte, und dann weil mit der Zerstörung des Tempels, mit dem Aufyören des Sanhedrin in dem Quadernsaal, die Leibesstrafen nicht mehr verhängt werden dürfen.604 Jndeß war er mit seinem Kollegen Papa, der zu gleicher Zeit dasselbe Amt zu'Sora bekleidete, in gutem Vernehmen; sie besprachen manche civilrechtliche Fragen rniteinander, so sie einem derselben sonderbar geschienen und % me mar, ein Lehrer zu Neharde^a, theilte manche derartige Lehre von unserem Chama mit.66* Er' starb um 376 n. Ehr. nach zwanzigjähriger Verwaltung dieses Amtes,, als bereits Asche in Sora als Schulhaupt glänzte.666 Chama schließt sich das Leben der Hochschule zu Pum-Badita in dem'ersten Wendepunkte des Anbaues tradilionaler Lehrenab; wie Sora von 219—374 die erste Stufe der talmudischen Epoche durchgelebt, so Pum-Badita von 250—376, dort von Rab bis Papa, hier von Jehuda bis Chama reichend. Mit dem Auftreten Rab Asch e's wurde Sora für die Zeit der Abschließung des Talmuds der Mittelpunkt, so daß Neharde'a und Pum - Badita nur als untergeordnete Nebenerscheinungen angesehen werden können. 661) Jebamot 63 b. Vergl. oben S. 96 Anm. 209. — 662) Sanh. 46 b. — 663) Schebu'ot 48 b. — 664) Sanh. 53 b, — 665) Ketubot 86 a. —' 666) Scherira 1.x*., wo sein Todesjahr 688 s. Ae. festgesetzt. ist, während Asche in Sora 686 s. Ae. bereits sein 2(mt angetreten. Literarische Aualekteu (Schluß.) Die Chronisten, wie in Sefer Ha-Kabbala und Juchafln, haben dieses Nichtftimmen gesuhlt, obgleich sie es nicht ausgesprochen, und sie flickten und besserten nach Gutdünken» Bert Gold derg üi seinen Noten zu Scherira suchte die Schwere Dieser Verwirrung dadurch auszugleichen, daß er mit dem P'.us von der einen Seite das Minus auf der andern zu decken sucht und zwar so, daß er den Hilai mit 9 und Jakob mit 14 Jahren als die ersten des 12. Jahrhunderts die Liste des 1!. Jahrh?s beschließen läßt. Allein das geht nicht, da Bivoi wirklich der letzte im 11. Jahrh. war, indem Scherira sein Gaonat als gleichzeitig mit dem des Hü na und Menasche b. Io sef zu Pum-Badita setzt, und Huna trat sein Rektorat 1097, Menasche 1099 an. Auch ist durch synchronistische Angaben der erste und letzte in der Tabelle wie auch mancher in der Mitte bestimmt, so daß das leichte Hinübernehmen nicht geht. — Was nun die Kriterien anlangt, die ich bei den Angaben Scherira's amvende, um eine mit den summarischen Angaben übereinstimmende ununterbrochene Zeittafel für vbie Gaonen- ' folge herzustellen, so sind es folgende, die ich hier in aller Kürze skizziren will: 1) der zuweilen von Scherira o d e r A n d e r n berührte Synchronismus, Sie wissen, daß Scherirain Aufzählung der Gaonen zu Pum-Badita fast bei jedem derselben das Jahr der sei. Ae. an'giebt, so daß dort keine Verwirrung möglich, in der Aufzählung der Gaonen zu Sora aber blos die Verwaltungsjahre eines Jeden verzeichnet. Nun trifft es sich zuweilen, daß er bei irgend einem Gaon zu Sora die Bemerkung noch hinzufügt, daß gerade um dieselbe Zeit dieser oder jener Gaon in PB.Zwar, und. durch diese Zusammenstellung des Gleichzeitigen wird das Ungewisse durch das Gewisse bestimmt.- Durch solche synchronistische Notizen, wo der mitzeitige Gaon zu Pum-Badita figurirt, wird aber nicht blos die Zeit des betreffenden soranischen Gaon's bestimmt, sondern wir können daraus erfahren, ob die durch Addition der Verwaltungsjahre ermittelte Zeittafel bis auf diesen durch Synchronismus bestimmten richtig ist und somit der eigentlichen Quelle des Fehlers eher nachzuspüren im Stande sind. So z. B. sagt Scherira, daß während I ehudai b. Nach man in Sora das Gaonat bekleidete, hatte sein Bruder Dubai b. Nachman dasselbe Amt in Pum- Badita. Er sagt abe.r bei Pum-Badita, daß Dudai im Jahre 1072 der sel. Ae., d. h. 760 n. Ehr., sein Gaonat übernommen, folglich haben wir somit.für Jehudai das bestimmte Datum, nämlich 1072. Aber wir erfahren nicht blos das genau Datum bei Jehudai, bei dem er sonst weiter nichts angiebt, sondern wir entdecken, auch dadurch so fort, wo der Fehler sich findet , wenn er von 1000 — 1100 neun soranische Geonim aufzählt, deren zufammengerechneten Vc.rwaltungsjchre nur 774 in Summa geben, denn von 1000 —