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Der Orient · 1848-01-08 · Heft 2 (8.1.1848) · p. Seite 15

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 2 (8.1.1848)
Date
1848-01-08
Page
Seite 15 (sequence 13)
Language
German
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15 Dagegen wird aber dermalen gutachtlicher Bericht von allen Landgerichten über die Scelenzahl, Erwerbs- Verhältnisse, Matrikelwesen re. der Juden und von einzelnen Distriks - Schulinspektionen über die §§. 23 bis 34 des Edikts v. 10. Juni 1813, über die Verhältnisse .derInden, ihr Kirchen- und Schulwesen, bearbeitet und zwar, wie wir ersehen, in Folge allerhöchst vorhabender Revision jenes Ediktes. Geht -nun daraus gleichwohl hervor, wie man nur ein neues Edikt beabsichtigt rurd von einer Gleichstellung nicht entfernt die Rede ist, so ersieht man doch einen Willen und die neue Staatsverwaltung wird gewiß das eingehende Material nicht ungenutzt bei Seite legen. An derlei Berichterstattungen und Materialsammlungcn Hai cs zwar auch unsrer wie jeder deutschen Sache, die wohl recht gründlich erörtert und bepapierwirthschaftet werden muß, ehe man sich zu einem frischen Schritte entschließt, nicht gefehlt, und in den dreißiger Jahren hat schon der jetzige Minister den Ständen gegenüber erklärt, cs lägen zwei Elaborate vor, allein die Zögerung kann das Gute haben, daß inzwischen die öffentliche Meinung eine günstigere geworden und sich manche Behörden im bessern Sinn aussprechen werden. Wirklich wird erzählt: der Magistrat der Stadt Bamberg habe sich für völlige Emancipation gutachtlich ausgesprochen. Von einer andern großen Stadt vermuthet man dies und werden derlei Nachrichten mit dem neuen Jahr, in welchem alle inner» Staats- und Kemmunalaugelegenheiten keiner Zensur mehr unterliegen, gewiß bestimmter und häufiger zur Oeffentlichkeit gelangen. An sonstigen Vork'olttuttliffcn ist wenig zu berichten. In das Seminar zu Schwab ach stnd in diesem Jahr wieder zwei Israeliten ausgenommen worden, was wirklich nöthig war, wenn der Mangel au Lehrern nicht immer fühlbarer werden soll. Sic^ erhalten Unterricht in hebräischen Gegenständen bei dem dortigen Rabbiner.— Eine mir zufällig zugekommne Nummer des in Augsburg erscheinenden Missionsblattes fällt mit einer solchen gemeinen Berserkerwuth über die Bemühungen der Christen zur Annäherung der Inden her, daß man es verachten muß, solchen Gemeinheiten öffentlich entgegenzutreten , wohl aber sollte man einem solchen Verläumder einmal durch die Gerichte das Maul stopfen lassen. — Äas soll man aber wohl dazu sagen, wenn die M nnchn er-A ch n er Feuerv ersieh eru ng s Gese l l s ch a ft ihre Agentur beauftragt, j ü d i sch e K a u fleute en delail gar nicht oder doch unter erschwerten Bedingungen zur Versicherung anznnehmen? Wenn einer ihrer Beamten bei mehrern Anmeldungen um eine Agentur erklärt: ,,die Kinder Israel streichen wir vorweg?" Es hatten sich nämlich auch zwei Juden neben vier Christen darum beworben. Wir werden bald in den Stand gesetzt sein, die diessattsige Korrespondenz eines jüdischen Kaufmanns mit der General-Agentur in diesen Blättern veröffentlichen zu können. So hätten wir also ein Jahr des Höffens durchlebt und einem solchen gehen wir entgegen, denn wenn auch die Vorlage eines Gesetzentwurfes bei der nächsten Ständeversammlung zu erwarten steht — die außerordentliche dieses Jahres brachte die Frage gar nicht zur Debatte — so wird dies gewiß vor 1849 nichts geschehen, da sie wohl Ende 1848 zusammentrcten. Dagegen kann und wird auf dem Weg der Verwaltung manches geschehen und manches daher für den Orient zu berichten sein. K. ' Lrffa, (Pr. Posen) , den 26. Dezember 1847. -Durch das im November erfolgte Ableben des Pastor Schieden) itz ist die Dirigenten-Stelle unserer jüdischen Volks-Elementar-Schule vakant geworden. 'Unter der fast zehnjährigen Leitung dieses Dahingcschiedenen hatte sich genannte Schule stets eines guten Gedeihens imt> tadellosen Rufes zu erfreuen gehabt, und wenn auch Manchem aus unserer Mitte dieselbe nebst ihren >el. Dirigenten aus gewissen Nückstchten stets ein Dorn im Auge war, so sind doch deren Leistungen, so wie die Nothwendigkeit des Bestehens derselben nicht zu verkennen. Ob jene Vakanz bald ausgefüllt werden dürste, ist zu bezweifeln; wahrscheinlich jedoch ist es, daß der nächstfolgende Jnspieieut der Schule (welches Amt gesetzlich nur einem Geistlichen anvertrant werden darf,) mit seiner Inspektion auch die Direktion derselben, wenn auch nur.pro lornm, verbinden wird. — Zwei moderne Rabinats-Kandidaten beehrten uns jüngst mit ihrem Besuche und gaben uns Gelegenheit, wieder einmal einige tüchtige Predigten zu hören, auf die wir seit der -Pollach- Epoche Verzicht leisten mußten. Der Eine dieser modernen Kandidaten, unser Landsmann Dr. S. Pop er, hervorgegangen aus der Schule des Dr. Geiger, gab uns die ersten Kanzel-Vorträge in seinerRabbinats- Karriere. Sie waren ganz im Sinne des Fortschritts, und obschon Anfangs mit etwas Befangenheit begleitet, so waren sie doch irn Ganzen gediegen und hatten einen logischen Jdeengang zum Grunde. Aber einen Verstoß beging derselbe doch darin, daß er nach Beendigung seiner ersten Predigt, ,,um, wie er sich selbst ausdrückte) gegen die alten Formen nicht zu verstoßen," nach Art eines Baldarschen mehrere Stellen' aus dem Talmud auf der Kanzel citirte. Absichtlich dabei nur den Orthodoxen schmeichelnd, um es mit diesen nicht zu verderben, zeigteer sich doch in einer großen Inkonsequenz, denn schon sein zweiter Vortrag war der Art, daß sich dieselben gewaltig darüber gebehrdeten, theilweise sogar das Gotteshaus verließen, und es nicht mehr der Mühe für werth hielten, die dritte Predigt gar anzuhören. Wir glauben, Herr Dr. P. wird sich auch derartige Demonstrationen weder irre machen, noch abschrecken lassen, und haben alle Hoffnung für diesen gesinnungstüchtigen-

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