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Der Orient · 1848-01-08 · Heft 2 (8.1.1848) · p. Seite 14

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 2 (8.1.1848)
Date
1848-01-08
Page
Seite 14 (sequence 11)
Language
German
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14 nchtsanstalten. Doch hiervon so Gott will und wenn Sie, bester Herr Doktor, e§ gestalten, das nächste Mal. Heute nur noch den Wunsch, daß man doch das wichtigste und edelste Werk des Erdenlebens, die Bildung des Heranwachsenden Geschlechts, nicht so oft ganz außer Acht lassen, vielmehr endlich zu der Einsicht gelangen möchte , daß es in den religiösen Wirren der Jetztzeit ganz besonders Noch thue, daß alle unsere Kinder, Knaben- und Mädchen einen zeitgemäßen Neligionsünd Elementarunterricht erhalten und daß es eine der wichtigsten Aufgaben der zu wählenden Repräsentanten und Vorsteher sei, mit Rücksicht auf §. 62 des neuen Judengesetzes dahin zu wirken, daß es keinem Kinde an dem nöthigen Unterrichte fehle! W-r-ll. Leipzig/ 2. Jan. Mit dem neuen Jahre geht Ln der Redaktion des Israeliten eitle Veränderung vor. Dr. H e l d h e i in , der Rabbiner, der Reformgenossen, wird Mit- oder Hauptredakteur, und damit wird der ,,Israelit" ein Organ der berliner Oiefermgen offen, wo alle Aktenstücke ^.nnd Verhandlungen allein abgedruckt werden sollen, wo auö.schließ!ich über Reform gesprochen und die o f fitielLen Nachrichten erscheinen sollen. DieReform-Zei'tung muß, dieser Erklärung des ,,Israeliten^ zufolge, zu Grabe gegangen fein, oder richtiger Holdheim-Ahrimün muß über Rebenstern-Ormuz gesiegt haben. — Von den franzöfifchen-jüdischell Blättern kommt seit langer Zeit gar keines mehr an, weder der „Ilnivers" noch „\& Paix“ iiodf; „L’Aini“ ist seit vielen Wochen angelangt, und ich weiß nicht, ob dies in äußern Hemmnissen des Verkehrs oder in' innern Umgestaltungen zu suchen. Es wäre unverzeihlich, wenn dort auch, wie so oft in Deutschland, die Kouklirrenz dem Fortbestehen entgegen wirkte; der jüdische Journalismus daselbst ist noch in seiner ersten Entfaltung und kann dergleichen noch nicht vertragen. — Seit 2^ Jahren bereitet die Rabbiner-Versammlung ein eigenes Gebetbuch vor, das bis jetzt noch nicht erschienen, und nun wird über diese Zögerung Klage geführt und die Mitglieder der dazu niedergesetzten Kommission der Lässigkeit beschuldigt. Allein dreS mit Unrecht. Die Theilnahmlosigkeit der Massen, der Eigelldüilkel so vieler Vorstäilde und der niedrige Geiz der Reichen, selbst derer, die init .Reformplänen prunken, ist der eillzige Grund des Nichterscheinens. Haben doch selbst die Protokolle, die sogar selbst als Lektüre auziehend sind, keine Leser gefunden und mußten zu erneut Antiquarpreis herabgesetzt werden, ohne dennoch Käufer zu finden? Wohl that sich mancher Gutsbesitzer viel darauf zu Grit, bei der Rabbiner-Versammlung die Schweinezucht beantragt zu haben, aber wenn es gilt, ein solches Werk zu fördern,, so geben solche ihr iör. reformistisches Himmelreich für einen Dreier hin. ' ~ — Baiern, Ende Dez, 1647. Die ersten Tage dieses Monats brachten uns neue, hochwichtige Veränderungen in den obersten StaatSämtern, Veränderungen deren ich in meinen früher» Berichten schon Erwähnung gethan habe,, und mit welchen wenn auch ein Wechsel der Personen aber nicht des Systems vorgegangcn ist. Alt die Spitze unsrer Staatsverwaltung ist ein Mann getreten, dessen Wirken ans den Jahren 1832 bis 1837 auch für unsre Verhältnisse noch in Segen steht. Nicht nur einzelne Erscheinungen im kirchlichen Gebiet wurden im Sinn.des Fortschritts beschieden, auch dem Ganzen war die Regelung in gleichem Sinn, wozu die angeordneten Kreisversammlungen von Rabbinern, Lehrern und Gemeindeabgeordneten einen wesentlichen Schritt bildeten, in Aussicht gestellt.' Dell iör.-deutschen Schulen ward der Antheil an den Staatsmitteln znerkannt ulld manche materielle und geistige Vortheite erwuchsen hieraus. Auch in unserer politisch bürgerlichen Stellung geschahen Schritte vorwärts. Was Wunder daher, daß auch wir uns der Berufung des Fürsten von Wallerstein besonders als Minister des Innern für Kirchenlind Schulangelegcnheit mit dem ganzen Lande freuen! Seien wir aber auch nicht undankbar gegen das zurückgetretene Ministerium Maurer - Zurhein! Waren auch die Maaßregetn bezüglich unsrer Verhältnisse nicht allgemeiner Natur und konnten wir wenig Thatsachcn beweisen: wir bcscheideil uns gern mit unfern Wünschen und Begehren, da wo so ein reiches Material zu bewältigen war, zu warten und von der Zeit und dem guten Willen Gewährung billiger Wünsche zu erhoffen. Jndeß wurde ein Zankapfel, ein Ueberblcibsel ans jener Zeit der Neologie-Schöpfung, beseitigt: das Begehren der Minorität in Fürth, sich einen bcsondcrn Rabbiner nach ihrem Geschmack neben dem Rabbiner der Gemeinde Dr. Loewi anzustetlen, durch allerhöchsten Erlaß abgewiesen. Zn den vielen in dem desfallsigen Reseript angeführten Gründen gehört auch dev, daß durch Gewährung des Begehrens der Friede nun wieder gestört würde, und wer die Verhältnisse in Fürth kenntmuß diesein Grund die höchste Gerechtigkeit widerfahren lassen, denn die Gegner des Rabbiners sinken in der That täglich mehr auf ein Minimlim herab, in welchem weder die Intelligenz noch der Reichthum vertreten ist. — Ein weitrcs Verdienst der abgetretenen Verwaltung ist: den Akt der Beschneidung in sanitäts-polizeilicher Hinsicht durch abvcrlangte gutachtliche Beweise, besonders über die Schädlichkeit und Gefährlichkeit der flS'Sq gewürdigt zu haben. Ob diese Beweise von der neuen Staatsverwaltung beachtet werden, muß die Zukunft lehren. — Die Nachricht, als würde die Zulassirng jüdischer Nechtsgelehrten zur Advokatur erleichtert, ist durch kein Faktum bestätigt worden, und von den Grundsätzen unsres neuen Justiz-Ministers v. Beisler ist zu wenig bekannt, als daß auch nur eine Vermuthnng ausgesprochen werden könnte:

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