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Der Orient · 1848-01-08 · Heft 2 (8.1.1848) · p. Seite 12

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 2 (8.1.1848)
Date
1848-01-08
Page
Seite 12 (sequence 7)
Language
German
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- 12 berg an die Schriststclle Proph. 4—23 anknüpfmde, über den Werth eines edlen Herzens, das zur Ausübung jedweder Tugend, zur- Darbringung der größten Opfer jederzeit bereit ist, in einer gehaltvollen Rede, in welcher derselbe zugleich die vielseitigen Verdienste des Verblichenen würdig zu schildern suchte, sprach. Tief ergreifend waren die Worte des Redners, kein Herz blieb ungerührt, kein Auge thränenleer. Vieler Seelen heißes Flehen war wohl in diesem Augenblicke: ,,O! daß auch mein Ende dem seinigen gleichen möge!" (4 Mos. 23, 10"). Friede seiner Asche! Jastrow, 9. December. Nur sehr selten, Hochgeehrtester-Herr Redakteur, bringt Ihr geschätztes Blatt Berichte aus der Provinz Westpreußen, namentlich aus dem hiesigen Regierungsbezirke, und doch wäre das für . viele Leser von besonderem Interesse und für die Entwickelung unseres Gemeittdetebens, für die Verbesserung, und Hebung unseres Synagogen- und Schulwesens aber auch gewiß sehr zweckmäßig. Und so angemessen und nützlich es ist, das Gute und Verdienstliche hervorzuheben und zur Nacheiferung und Nachahmung aufzustcllen, eben so nützlich und sogar nothwendig ist es unseres Bedrückens auch, bestehende Mangel und Mißstände vor das Forum der Oeffentlichkeit zu bringen und frei und ohne Rückhalt zu tadeln und zu rügen. Denn nur wenn das Uebel genau, erkannt ist, läßt sich eine Heilung, eine radikale Heilung desselben vornehmen und auch herbeiführen; nur wenn bestehende Misbräuche als solche allgemeine erkannt und die Nothwendigkeit der Abstellung derselben allgemein zum Bewußtsein gekommen, läßt sich eine Beseitigung derselben mit Erfolg erstreben. Hiermit wollen wir aber nicht etwa sagen, daß bei uns noch Alles bunt durcheinander liegt, daß von den Gemeinden des m ar i e n w e rd e r s ch e n D epartements gar nichts Erfreuliches zu berichten wäre — bewahre. Auch bei uns ist schon Etwas geschehen für Glaube und Sittlichkeit und für die Aner- * kennung unserer heiligen Religion nach Innen und Außen; aber — gestehen wir es nur — noch lange nicht genug; wir haben noch viel, sehr viel zu thun, wenn wir den Anforderungen der Zeit und der Religion entsprechen wollen! — Was unsere Stellung im sozialen und öffentlichen Leben betrifft, so ist es erfreulich und wohlthuend, wenn man sieht, wie der mittelalterliche Wahn, das mittelalterliche Vorurtheil immer mehr schwindet und das Licht der Aufklärung und Humanität sich immer mehr Bahn bricht; wenn man wahrnimmt, daß die Bürger in den Städten, wenigstens Der intellegente Theil derselben auch im Israeliten das Ebenbild Gottes, den treuen Unterthan, den friedlichen Bürger achten und ehren und immer mehr^ einsehen will, daß der Israelit die Interessen der Stadt mit eben der Treue und Umsicht wahrnimmt, wie der christliche Bürger. Und schon seit längerer Zeit wurden in den meisten Städten, unseres Regierungsbezirks Israeliten zu Kommunalämterls gewählt, und ist dies hier zu Lande'schon so etwas Gewöhnliches, daß man darin gar keinen besondern Fortschritt erblickt. Um ein Beispiel zu erwähnen, so bekleiden gegenwärtig in unserer Stadt vier Israeliten städtische Aemter und zwar fungirt einer als Rathmann im MagistratSkolleginm, zwei sind Stadtver-' o r d n e te n - S t e hl v e r t r e te r. Achnliche Verhältnisse ' finden sich auch in vielen andern Städten und können:' wir zuversichtlich hoffen, daß die noch hie und da verkommenden Beispiele von Lieblosigkeit und Intoleranz gegen Inden und Jndenthum iimmi: mehr schwinden und die Wahrheit auch hier endlich den Sieg davon trage:: wird. — Mit dein Gemeinde- und Synagogenwesen unseres Regierungsbezirks sieht's im Allgemeinen noch sehr übel ans. Wohl giebts manche Gemeinden, die hierfür schon Etwas gethan haben, so die Gemeinden zu Thorn und Graudenz, (m welchen beiden Städten erst vor Kurzem durch Herr:: Dr. Sachs ans Berlin, zwei neue Synagogen eingeweiht wurden), M ari en w erd er (die schon seit längerer Zeit eine statutengemäße Gemeinde- und Synagogenordnung besitzt),. S chw e tz (die an Hrn. A. Kassel einen gute:: Prediger haben soll), Märk. Fried Land (wo besonders schon sehr viel für das Gemeinde und Synägogcnwesen, namentlich aber für den Jugenduntericht geschehen ist x) und zum Theil auch C o n i tz, D. Cro n e und S ch l o p p e (welche letztere Gemeinde seit zwei Jahren in der Person des Herrn Joseph Neilst ad t einen durch seine schönen deutschen Predigten recht segensreich wirkenden Rabbiner besitzt); aber in den meisten Gemeinden herrscht zcither noch der alte Schlendrian, die alte Unordnung und laßt sich die ganze Verfassung derselben mit dem alten Allsspruch wy*1 ‘WH etn am treffendstell bezeichnen. Indes ist es nicht zu-leugnen, daß die zeither bestehende Unordnltng im Gemeinde- und Synagogenwesen zum Theil eine Folge der wenigen gesetzlichen Kraft und Autorität ist, welche die Gemeindevorsteher bis jetzt besaßen und daß die Nothwendigkeit einer Acnderung und Verbesserung der bestehenden Verhättniffe und Zustände immer mehr zum Bewußtsein kommt. Und wenn unsere Gemeinden auch im Allgemeinen Gottlob weit davon entfernt sind, sich von jenem Resormschwindel, von jenen Himmelsstürmen der Neuzeit, diesen wahren die sich einbilden ovfrtt \n zu sein, bet hören zu lassen: so werden sie doch immer mehr überzeugt, daß es Pflicht, 1) Durch die imZuni c. erfolgten Abdankung des Herrn Dr. Frankel und durch die Abdankung des bisherigen fett vielen Jahren dort fungirxnden Kantors ist in F. gegenwärtig das Rabbinat und Kantorat vakant. Es haben sich um beide Aemter schon mehrere Kandidaten, zum Tbeil aus weiter Ferne beworben; aber.zu einer bestimmten Wahl soll es immer noch nicht gekommen sein.

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