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Der Orient · 1848-01-08 · Heft 2 (8.1.1848) · p. Seite 11

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 2 (8.1.1848)
Date
1848-01-08
Page
Seite 11 (sequence 5)
Language
German
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11 unstatthaft sei. In Folge dessen also wurde besagter ohne Weiteres annnllirt. Der schönste Spaß hierbei ist, daß dieser Dajan obendrein keinen Anstand nimmt, jetzt die Synagoge zu besuchen, um den schönen Choratgesag/trotz seinem "VID'N mit anzuhören. llnd wenn er befragt wird, warum er gegen , seinen eigenen "HD’N jetzt handele, so lautet seine naive Antwort: Ahron ging ja auch zum Diese Antwort wäre 'witzig zu nennen, wenn sie auch wahr ’ wäre. Wenn aber auch der gequälte Aaron, um sich aus einer unvermeidlichen Verlegenheit zu retten, das goldene Kalb langsam sonnte, so würde Samuel ohne Zweifel ein gottloses Ansinnen gewiß zurückgewicsen haben. Der arme schwache Mann! Da lobe ich mir doch Einige seines jH iT3, die ihrem Aussprüche geltreu in ihrem fcyVlßn D'D, wie au den Strömen Babels sitzen und ihre Andacht verrichten. Hier gewahrt inan doch wenigstens festen Willen und Charakter, der den Menschen ziert l — Doch halt, ich muß nicht so schnell und voreilig mich belobend aus sprechen. Der Hyder, nachdem man sie aller Kopfe beraubt hat, wächst im Nu ein frischer nagelneuer Kops. Wie man hört soll eine De- 'nunciation gegen die am 9. v. M. stattgehabten Kaute nv ab t von der Orthodoxie, den sogenannten qidjuv, an die Vorgesetzte höhere Behörde abgesegelt sein; da jedoch Verleumdungen in der Regel wenig oder gar nichts schaden, so wird hiervon wenig Notiz genommen, zumal nicht Personen sondern die Sache selbst den schönen Sieg davon getragen hat. ■ Ueber die hiesige .Rabbinerwahl weiß ich wenig Erfreuliches zu berichten. Vorläufig ist dieselbe kaum in Aussicht, da es an geeigneten Kandidaten mangelt. Wie man sagt, sott Hr. Rabbiner Fasse! zu Proßnitz ein von ihm verfaßtes hebr. Werk hier drucken lassen und deswegen bald Herkommen. Die Wahrheit dieses Gerüchtes kann ich jedoch nicht verbürgen. Sollte Hr. Fasset die hiesige Rabbinerstelle nicht für zu unbedeutend dotirt stnden, so ließe sich ihm schon im Voraus versichern, daß sein Ruf und seine anerkannte Gelchrsamkeit ihm die ganze Gemeinde, ohne seine persönlichen Vorzüge und sein Rednertalent zu kennen, geneigt gemacht hat. Fulda, 1. Decbr. 1847. (Nekrolog.) Die hiesige israelitische Gemeinde hat einen schmerzlichen Verlust zu beklagen. Den 27. v. M. Abends 7 Uhr entschlief nach 25tägiger schmerzloser Krankheit an einem Schteimsieber in seinem 55. Lebensjahre der Kaufmann Waruch Isaak Haßdörsfer hier zu einem bessern Leben. Nicht minder durch seine Wohlthäügkeit, als durch seine sehr ausgebreiteten Geschäftsverbindungen in allen Gauen Deutschlands bekannt, hält Referent, es für eine Pflicht der Pietät gegen den Verstorbenen, seinen auswärtigen zahlreichen Freunden einige Züge ans seinem Leben milzuthciteu. - ' Nachdem der Verblichene längere Zeit als Rechnungssührer der Israelitin des Großherzogthums Fulda . thätig gewesen , erwarb er sich durch strenge Redlichkeit, Uueigeunützigkeit und innige Religiösttät das Zutrauen der hiesigen israelitischen Gemeinde.in dem Grade, daß ihn dieselbe zu ihrem Vorstände wählte, als welcher er denn auch einige zwanzig Jahre lang uucntgeldlich thätig war und weder Zeit noch Mühe oder Kosten scheu etc, um soviel als nur immer möglich, sein sehr beschwerliches Amt zur allgemeinen Zufriedenheit und gewissenhaft zu verwalten. Auch das Zutrauen seiner christlichen Mitbürger zu feiner Geschäftsknndigkeit und seinem Eiu- - slusse btthätigte sich dadurch, daß a mehrfach als Deputier der Handels- und Gew erb stände die Interessen derselben bei der Staatsregierung vertrat und siegreich verfocht. Nicht minder anerkennungswerth ist seine Mitdthätigkeit, Gastfreundschaft und Gefälligkeit. Er entließ keinen Hilfesuchenden, von denen er sehr häufig in Anspruch genommen wurde, wes Glaubens und Standes sie auch waren., ohne Rath, Trost, Unterstützung oder Fürsprache bei Hochgestellten. Die fromme Sitte, die armen, außerordentlich bedrägten Israeliten Palästinas durch jährliche Geldspenden zu unterstützen', übte er nicht nur sehr eifrig, sondern er unterzog sich sogar der Mühe, Gaben von wohlthätigen Glaubensgenossen zu diesem Zwecke zu erbitten, mit Beschwerlichkeit und Zeitverlust zu sanuneln und nach tem Orte ihrer Bestimmung zu befördern, wofür ihm ein Ehreudiplom v'ou der israelitischen Bevölkerung Palästinas zu Theil wurde. Aber dasselbe Herz, das so warm für die soweit entfernten Glaubensgenossen schlug, erglühte nicht minder für das Wohl seiner nächsten Umgebung. So war er der zärtlichste Gatte, der liebevollste Vater, dessen eifrigstes, weder Mühe noch Kosten fcheneudes Streben, dahin ging, seine Kinder zu guten und gebildeten Menschen, zu echten Glaubensgenossen erziehen zu lassen. Endlich war er ein frommer 'Israelit, der bei allem Ueberstusse an irdischen Gütern dennoch mäßig und nüchtern war, und bei seinen häufigen'Reisen, was auch der Redner bei seinem Grabe mit Recht hervvrhob — allen Entbehrungen, die ein streng nach jüdischen Satzungen geregeltes Leben erheischt, sich willig unterzog. Diese zu einem unverwelkbaren Kranze vereinigten Tugenden des zu einem bessern Jenseits nur leider für uns zu früh Entschlafenen, fanden, aber auch eine würdige Anerkennung bei dessen Beerdigung am 29. v. M. Mittags 1‘2± Uhr. Ein unabsehbarer Leichenzug füllte die Straßen, Männer von allen Konfessionen und anö allen selbst den höchsten Ständen gaben ihm trotz der ungeeigneten Tageszeit, das Geleite zur letzten Ruhestätte, -an welcher der Provinzial-Rabbiner Hr. Dr. Rosen-- 2*

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