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Der Orient · 1848-01-08 · Heft 2 (8.1.1848) · p. Seite 10

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 2 (8.1.1848)
Date
1848-01-08
Page
Seite 10 (sequence 3)
Language
German
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10 - Dr. Hirsch fe t d - fct;r Viel für geregelten Religivnsunterricht gethan. —; Zn Nakw itz, welche Gemeinde bekanntlich zum Sprengel des Well stein er Rabbiners gehört, will man Chergcfang ulld regelmäßigen Gottesdienst emführen. Das Wort Gottes lassen sie sich jetzt nur zwei Mab im. Jahre verkünden. — Fr a u st a d L hat jetzt bloS Emen Lehrer. Aber auch der ist Zn viel; denn, die Schule'schrumpft immer mehr zusammen. — In Rawicz sind Juden zum christlichen Kastnozugelassen. — In Kr o losch in ist gar Nichts vorgesallen. — Ostrowo hat Unglück mit seinen Lehrern. Entweder sie bekommen Einen,-der zu viel, oder sie bekommen Einen , der zu wenig gelernt hat. — Plesch en hat gar keine Schute, d. h. keine öffentliche. — Schroda will eine orgarlisiren; aber eS bleibt beim Wollen. — Wreschen .sängt an einznfehen, daß es gegen Gebhardt doch zu arg gehandelt, und wird nächstens Buße thnn. An wen man sich dieserhatb wenden wird, kann ich Ihnen noch nicht sagen. So viel weiß ich aber, daß der heilige Zions-Wächtcr-Orden dort einen Agenten hat. — Ju Rogasen ist der Rabbi im strengsten Sinne orthodox und dabei doch nicht so intolerant wie Andere seiner Farbe. —> Ins Netzgebiet wollen wir uns heute nicht verirren. — Schließlich noch Etwas von Lissa. Der Dirigent der dortigen jüdischen Schute (ein evang. Pastor) ist neulich ins Reich der Seligen hinübergegangen. Die Frage, wem dievakantgewordcne Stelle zu übertragen, ist dort jetzt an. der Tagesordnung und sie soll den Leuten nichlvw eilig die Köpfe warm machen. — Auch hierüber mag Ihnen Ihr dortiger B.-Korrespondcnt das Nähere mittheilen. — Für dieses Jahr Gott befohlen! — W. Krotoschirr, im Jan. Die Konservativen haben hier einen glanzenden Sieg über die Orthodoxen errungen. Am 9. December 184? wurde der Kauter H. Grünwald aus Beskowitz in Mähren, ein Schüler Sulzcrs und des Wiener Konservatoriums einstimmig znm Kantor gewählt. Diejenigen, welche vor noch nicht' langer Zeit entschieden gegen Choralgesang in der Synagoge waren, würden jetzt dagegen sich ansiehnen, wenn man denselben nun wieder ans der Synagoge bannen wollte; solchen Einfluß übt der bessere Geschmack selbst über diejenigen aus, bei welchen man kaum vermutheu konnte, daß er bei ihnen sich Eingang zu verschaffen vermöchte. Im, Uebrigen macht die hiesige Gemeinde an Hrn. Grünwald eine sehr gute Akquisition, wovon sich auch jedes Mitglied derselbeu überzeugt hält, da derselbe mit seiner umfangreichen musikalischen und guten allgemeinen Bildung auch eine hervorstechende und.sehr erfteltende Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit verbindet, die ihm die Herzen Aller sich geneigt machen. Andererseits hat Herr Grünwald ebenfalls Ursache mit dem Gehaffe, das von 300 Thtr. seinetwegen auf 400 Thtr. jährlich erhöht ist worden, zufrieden zu sein, zumal da die hiesige Kalltorstelle, die außer dem Gesang unterricht in der Elementarschule kein anderes Amt mit sich verbindet, die einzige in unserem Herzogihum, 'welche so hoch dotirt ist. — Wenn übrigens zwischen Sängerund Kantor streng genommen ein Unterschied gemacht werden, müßte, so dürste es hier an rechter Stelle fein sich hierüber ausznsprcchen. Der Sänger, vorweg füfts Theater gebildet, kann, wenn die Natur ihn mit einer metallreichen altgenehmen Stimme ausgerüstet hat, die durch Hebung und anhaltenden Fleiß noch zarter, lieblicher und gefälliger geworden, sich einen Ruf erwerben, ohne auch mit dem Talente der Selbstschöpfung begäbt zu sein. Der jüdische Kantor hingegen verdient meines Dafürhaltens nur dann dieses Prädikat, wenn er seine Aufgabe als Kantor allseitig zu lösen versteht. Es genügt für ihn nicht nur vom Blatte zu singen , tüchtig musikalisch gebildet und sehr gut geschult zu sein, sondern er muß auch selbst zu schaffen und zu komponireu besonders aber zu improvisiren verstehen. Den vor sich habenden^ Text muß er fühlen itnd tief empsinden und ihn im Gesang wiederzugeben Verstehen. Soll daS Chor nicht langweilig, ja überdrüßig werden, so muß es in der jüdischen Liturgie den zweiten, der Kantor aber den ersten Rang cinnehmen. Auch muß dieser sein Publikum nicht zu sich heranziehen, es für seine Reeitative heranbilden und gewinnen wollen, sondern er muß .den Geschmack und Anspruch desselben kennen und sonach die Saiten seines Gesallgcs stimmen. Er muß die Schöpfungen des unsterblichen Beethoven studirt haben, mit zu den Herzen seiner Zuhörer zu singen, hauptsächlich bei uns zu Lande, wo die wehmüthigen Mollklänge lind Gesänge der polnische Chasanim so' bezaubernden Einfluß aus das Ohr und die Gemüther der Zuhörer stets ausgeübt, haben. Es wäre demnach zu wünschen, daß Herr Grünwald sich wenigstens mit derlei Gesängen vertraut machte, sie von ihren Schnörkeleien und den musikalischen Schlacken reinigte, um ihnen fceit gebührenden Platz unter den Synagogalgesängen einzuräunrerr« Es dürfte Ihren geehrten Lesern vielleicht nicht unlieb fein, wenn ich Ihnen eine Kuriosität, dem Vorhergesagten angereiht, zum Vesten gebe. Der Repräsentant der hiesigen Strengorthodoxen und besoldeter Dajjan Hr. S. M. stellte oder richtiger setzte sich am 10. Januar v. I. an der Spitze eines sogenannten PnJ) p £70/ das dem Korporationsvorstand unaufgefordert einen pDD überschickte, worin es unter andern Tiradeu heißt: , pn D.T0Dt> ’nysffl no dm^didh dhoiSi viddn pb nDTin tfnND Nä»? in?po hy inpni N'N' p riw ,-inipn ay b^dnn^ nih -nsi -hd^n o ntso . Da jedoch diesem pv3 jeder Nachweis der Stellen, die gegen ein Chor sprächen, mangelte, so sah sich der Vorstand veranlaßt,^.sich deswegen an anerkannte Autoritäten zu wenden, und so stimmen mehrseitigeAntworten ein mit der Erklärung, daß Choralgesang in der Synagoge nicht

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