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Der Orient · 1848-01-01 · 1 (1.1.1848) · p. Spalte 9-10

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
1 (1.1.1848)
Date
1848-01-01
Page
Spalte 9-10 (sequence 5)
Language
German
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9 Studien. Jacotot und das Unterrichtsverfahren bei den Israeliten. Gaonenfolge bekanntlich nach Jahrhunderten ab, er sagt in diesem oder jenem 'Jahrhundert der sel.''Ae. folgten folgende Lehrer im Gaonat aufeinander, bei jedem die Dauer seiner Verwaltung angebend. Von 1000—110Q der sel. Ae., sagte er z. B«, hatten 9 Lehrer nach einander das Gaonat, mit Chananja aus Nehar-Pekod das Jahrhundert beginnend und mit Bivoi Ha-Lewi beschließend. Vom Jahre 1100 —1200 zählt er 11 Gaonen, von denen Hilai das Jahrhundert beginnt, und die sich aufdrängende Frage ist: Soll Chanina aus Nehar-Pekod wirklich gerade mit dem neuen Jahrhundert sein Gaonat angetreten haben: soll Bivoi gerade mit dem Schluß des.Jahrhunderts /gestorben sein und soll Hilai gerade mit dem Anfänge des 12. Jahrh.'s sein Gaonat angetreren haben? Soll nicht Scherira vielmehr meinen, daß beim Beginne des 11. Jahrh.'s Chanina gerade das Gaonat gehabt, beim Beginne des 12. Jahrh.'s hat es Hilai,'ohne Rücksicht, ob schon einige Jahre ihres Gaonats vorübergegangen? Und wirklich hat es Scherira nur so gemeint, was man übrigens leicht findet, wenn man abgesehen von der Scheidung nach Jahrhunderten blvs der Reihenfolge nachgeht. Als das 11. Jahrhundert der sel. Ae sich abschloß war Bivoi freilich Gaon zu Sora und somit der letzte Rektor des Jahrhunderts, allein er hat sein Rektorat 1195 der sel. Ae. erst angetreten, und da er es 10 Jahre verwaltete, so hat er folglich das Gaonat noch 5 Jahre in dacneue Jahrhundert hinein bekleidet, so daß Hilai erst 1105 folgte, als der erste neue Rektor im 12. Jahrh. der s. Ae. Daß dieser Umstand nicht beachtet wurde, sehen Sie selbst ein, und so kommt es, daß in der Reihenfolge von 1000—1100 f. Ae. nur 77| Jahr herauskommt, so daß irgendwo 22£ Jahr nicht ausgefüllt ist und in den Jahren 1100—1239 ein Mehr von 21 Jahren ist, abgerechnet der andern Fehler. — (Beschluß folgt.) Zur Erziehungskunde. Jacotot*)' imb das Unterrchtsverfahren bei den Israeliten der Vorzeit. (Von L. Weyl in.. Schneid emühl.) Herr H. Lax, dessen Schrift (cs'N'isD NNW) wir unlängst in diesen Blättern angezeigt u. besprochen, hat sehr unrecht daran gethan, in dem Anhänge zuseinem Buche (Sitten und Gebräuche rc.) nicht auch ein Kapitel dem „Erziehung s- und Unterrrch swesen der alten Israeliten" gewidmet zu haben. Um so überraschender war es für uns, in der .neulich erschienenen zweiten Auflage?) 1) Jos.' Jacotot geb. 1770 zu Dijon, lehrte die franz. Sprache und Literatur auf niederl. Normalschulen (Löwen, Antwerpen rc.) von 1818 .bis 1830, kehrte dann nach Frankreich zurück und starb vor 7.Jahren in Paris. ~ 2) Die erste Aufl. dieses Schriftchens ist 1842 erschienen, 10 des Büchleins: „Jacotot's Universal-Unterricht re. von Rektor Preis" (Liffa bei Ernst Günther 1847. 8) eine Parallele zu finden, welche der Vers, zwischen der Jacotot'schen Unterrichtsmethode^ und der, welche bei den Israeliten der Vorzeit üblich gewesen, aufzustellen sich bemühte Das zweite wie es in der Vorrede 'heißt — ganz neu hinzugekommene) Kapitel des dritten Abschn. seines Buches hat Herr Pr../dem „Bestätigtsein der Jacotot'schen Erziehungsu. Unterrichts - Grundsätze durch Stimmen aus der VorundJetztzeit" gewidmet und unter riesen „Stimmen der Vo rzeit verfehlt er nicht, auch die „alten Israeliten" eine Rolle spielen zu lassen ^) Gestatten Sie mir, Herr Redakteur, Ihnen hier mit kurzen Worten wiederzugeben, was Herr Pr. in der altisraelirischkn Erziehungs¬ und Unterrichtsmethode „ Jacototartiges ", ober (wenn Sie wollen) was er in Jacotot's Erz. und Unterr.-Methode „A l tisraelitisches" will gefunden haben. — Erstens: Neben dem Grundsätze Jacotot's: „Behandelt Eure Schüler mit Ernst, schonend, liebreich und ermahnend!" stellt Hr. Pr. (indem er sich auf Cramer beruft) als allisraelitische Erziehungslehre auf: „Die Schulmeister sollen ihre Um tergebenen in Furcht halten, dabei aber zugleich auch freundlich fein."G) — Zweitens: der Jacotot'schen Regel, daß der Lehrer beim Unterrichte stets „vom Leichtern zum Schwerem" übergehe, sucht Pr. die altrabbinische Vergleichung des Un terrichts mit einer Stufenleiter"') zu parallelisiren, wobei er sich (mit Cramer) auf Pirke Abot V. 21* * 3 4 5 6 7 8 9) beruft u. jene Mischna auch fast wörts Uch citirt. — Drittens: Jacotot, welcher lehrte: „Helfet dem Schüler nur auf den Weg und lasset ihn selbstthätig sich weiter fortbilden" läßt Pr. seinen Dr. Cramer^ sagen: es sey ,Pr in cip des galten) Ra binis mus" gewesen: „Nichts zu lehren, was,nicht schon da war, sondern nur enthielt aber von dem Kapitel, das hier besprochen werden soll, noch gar Nichts. (S. d. Vorrede). 3) Diese ist ausführlich dargestellt in: .„Knseignement universal etc. par J. Jacotot. Paris, 1830. 8. (ed. V)u. 4) Auf die Israeliten laßt Pr. die Griechen und Römer und dann auch die Franken und Germanen folgen. — Seme „Stimmen der Jetztzeit" läßt er nicht nur aus England und Frankreich herübertönen (Locke, Fenelon, Roussaurc.), sondern auch auf Deutschlands Boden selbst ertönen und gehört werden (Erasmus v. Rotterdam, Aug. Franke, Basedow rc.) 5) Gesch. d. Erz. d. Unterr. im Alterchum von Dr. Fr. Cramer. Elberfeld 1832. 1. p. 109. 6) Vergl. Plato, de Legibus X. p 888., Cicero. De Officiis l 38 (Objurgationes etiam nomniiiquam incidant necessariae etc. etc.) , Quintilian. liistit. oratur. I. 3. (Non auctoritas ejus (praeceptoris) tristis, non dissoluta sit comitas etc. etc.) it. a. m. 7) Wegen des stufenweisen Fortschreitens. Vergl. Plato. De leg. VN. 81ö u. Quintil 1, I.) 8) D. i. Juhuda. ben Lhema's O'M EPOn p: 9) Geschichte d. Erz, re. Bnd.!. p. 112.

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