Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1848)
- Date
- 1848-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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cm Preußen, und kennen dennoch den Preis der Freiheit nicht, sondern preisen uns schon höchst glücklich, wenn wir nur die Famitienstelle Nr. N. N. erhalten. Wiele haben bei uns schon Familie und haben-doch noch weder Weib noch Kinder (auch ich!). Wiele zahlen bei uns Vermögenssteuer und haben doch kein Vermögen (auch ich!). O Widerspruch der Widersprüche! Wir haben so viele Stellen (5400 Familienstetlen) imb dennoch klagen unsere Kandidaten, und wistcn sich nicht zu rathen. Zmn Schlüsse empfangen Sie etwas Wunderbares, nämlich - mährische ,,Literatnrberichte". Hr. Fasset läßt uns Gnade für Recht ergehen, und will uns in seinem DDttfDI 1DH was An m uth igeS und was Rechtes bieten; doch hält es die Censur noch immer unter ihrem vcrhängnißvollen Rothstift. Hr. Rabbiner Renda hat eine Monographie ,,die Juden in Mähren" für den Druck bereitet. O ihr armen Juden in Mähren, euch ist der Druck wohl gar nichts Neues. Hr. Deutsch hat daS erste Heft feines Plutarch fertig. Wie es heißt,-wird derselbe nach München berufen.um für die dortige Hofbibliothek einen Katalog zu schreiben, d. h. wenn ihm nämlich Gott Kraft dazu gibt. Schließlich hat ihrbescheidener Korrespondent so eben an ein Werk ,,Spitzige Nägel" den letzten Hammer angelegt, daran die Guten ihre Freude, die Argen und Bösen aber recht viel Herzeleid haben werden. Sehen Sie, doch dachte ich, es wird bei uns nichts gedruckt. Abermals ein Widerspruch! * .VI. Ihre Leser dürften sich wohl wundern, daß ich mich als Autor ankündige, da sie doch noch so wenig Rühmliches von mir gehört; und so sei es mir denn gegönnt, der freundlichen Lesewelt einen hohem Begriff von meiner armen Welligkeit beizubringen. Auch ich bin zum Dichter geboren, Auch ich hat)’ der Literatur, Den Eid der Treue zugeschworen z Auch ich bin zum Dichter geboren, Doch glaubend bis Dato mir Wenige nur. Sie sehen, ich laß mich durch das Dichten recht wenig geniren, ich reime hübsch mnthig fort, ohne gar zu skandirm. Ich schreib ein so glänzend Hebräisch, Wie man es nur immer kannschreiben, Versteh' mich superbe auf's Aramäisch - Und thu' auch Arabisch betreiben. Und Griechisch, Latem, Versteh' ich gar fein, Und gar nun die Kunde der lebendigen Sprachen Die wird mir doch Niemand wohl streitig machen. Ich Hab'auf Universitäten gehört, Was immer zum.vir eruditus gehört. Und trage ich auch noch keinen Doktortitel So glaubt mir, es fehlen bis jetzt mir dazu nur die Mittel. Auch bin ich ein grundehrlicher Mähre Vom reinsten Blut. Im Auge die Zähre Im Herzen den Muth, Bekunden daß ich nach Geist und Sinn Nicht einer der ärgsten Kinder Israels bin. Nach meinem Stand und Charakter dürft ihr mich nicht fragen, Den kann ich und den darf ich euch wahrlich nicht sagen. Doch wenn ihr halt gar zu neugierig drauf seid, So wisset, daß man mich zum Bischof von Ollmütz — nie*# mals geweiht. VII. Der geistreiche Lbt. schrieb in Ihrem Blatte vor klrrzem ein Paar gesunde Witze über ben jungen Roth sch itd; und das erinnerte mich daran, daß ich Ihnen eine alte Neuigkeit zu berichten, habe. Seit einem Jahre gehört Hr. Rothschild zu unfern mährischen Ständen. Er ist Herr der Herrschaft Kontschou im Brünner Kreise. Die dortige Gemeinde (sie darf kühn mit der Gemeinde zu Köslin in die Schranken treten!) betet alle Tage und alle Stunden — meinen Sie etwa ohne )\3B? nein —: für das lange Leben ihres goldenen Grundherrn. Denn derselbe hat ihren ,,Knltnsbeamten" (bevor wir so fleißige Zeituugsleser geworden, haben wir immer OMIwMY gesagt) also den Kultnsbeamten der Kontschoner r6np,. auf so tauge eine jährliche Gehaltszulage zngesagt, atS es dem Herrn über Leben und Tod gefallen wird, ihn in dem Jammerthat des Lebens zu. belassen. Rothschild — das ist eine Name voll Bedeutung, vor dem ich allen Respekt habe! Hr. Dessauer, bei dem nicht nur das Porträt, sondern auch das Motto in so hoher Gunst steht, hatte auf die leeren Titelblätter seiner Geschichte, vor der Mittlern und neuern Zeit, als Devise, das eine Wort Rothschild hinsetzen sollen, und da hätte er denn doch was Originelles in seiner Geschichte gehabt. Roth-Schild, d. h. das Rothe (c^ruv) war, und ist noch immer, der Schild.der Söhne Israels; darum ist auch der Appetit nach dem enNn CHK DTn von Esav auf Jakob übergegangen. Ach wie Manchen schon hat die ro the Lockspeise zum Verkauf seiner Erstgeburt verleitet! (Bei uns Mährern inr buchstäblichen Sinne! —). Und dann sind ja die Blätter unserer Geschichte zumeist roth.gefärbt, und der. Kampf der Zeit hat ja unfern Schild niemals rosten lassen, sondern stets von .neuem ein. frisches, warmes Roth darauf getragen! Wir haben gegen Hm. Rothschild eine ewige Verpflichtung. Er hat den raschen Fort s ch r i t t bei uns eingeführt, wie sehr auch Fiaker und Lohnkntscher sich darüber beklagen. Mau sagt, mit den eisernen Schienen ist das eiserne Zeitalter eingetreten. Aberdas wäre noch nicht so arg gewesen. Allein die eiserne Bahn hat gar ein papiernes Zeitalter für uns hcranfbeschworen, und das ist das Schlimme. Es gibt eine ungeheure Menschenktasse, die mit verzweifelter Stimme immerfort schreit: La bourse ou la Tie! Die Börse