Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1848)
- Date
- 1848-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 4 — (Verfasser derselben ist der Rechtsgelehrte jüdischen Glaubens Hr. Dr. Morgenstern aus Büchenbach), ist umfassend und stellt, wie in der derfallsigen Vorstellung beim vorigen Landtag, die gedrückte Lage der Juden besonders in komerzieller Hinsicht dar. Gebührt ihr einerseits das Lob klarer, warmer, besonnener u. praktischer Darstellung, so wäre andererseits diesmal Kürze mehr Zu wünschen gewesen. Man kennt unsre Begehren, weiß sattsam, wo uns der Schuh drückt, wenn man nur helfen will; aber unser Landtag kann uns diesmal noch nicht helfen. Ich übersende Ihnen anliegend Vorstellung und Aufforderung in Abschrift zu beliebigem Gebrauch und durfte der „Orient" der erster»/ als neue Momente beibringcnd, seine Spalten offnen. Daß unsre Kammer in dem bei der Debatte über die Geldfragen in der Diptomatenlogc anwesenden Hrn. v. Rothschild nur den Juden sah, daß in einer neuern Debatte der Ausdruck Jude synonym mit Wucherer wiederholt zur Belustigung der Kammer gebraucht wurde, werden Sie aus andern öffentlichen Organen ersehen haben; es sei hier nur zur Bezeichnung des herrschenden Geistes und zur Erinnerung für die, welche beim nächsten Landtag, aus denselben Personagen bestehend, Großes für uns erwarten, vorläufig niedergelegt. Nach diesem Allgemeinen zur Mittheilung einiger Spezialitäten. Eine neuere Nummer des Jntettigenzblatts für Mittelfranken bringt uns wieder eine allerhöchsten Orts bewilligte Kollekte für Reichmannsdorf, Landgerichte Burgebrach, zum Bau einer Synagoge. Gegen die unter der vorigen Verwaltung getroffene, der 'Sache uachtheilige Veränderung werden wieder die Landgerichte zur Einsendung der Beiträge aufgefordert. Besser jedenfalls, als die Sache beit Gemeinden allein zu überlassen, obschou traurig genug derlei Kollekten ans mancherlei Gründen, deren Angabe hier zu weit führen würde, gar ärmlich ausfallen. Da haben es, deshalb die Würtemberger wieder nach alterWeise und gewiß mit crkleck'lichcrm Erfolg angegriffen. Zwei Abgeordnete der Gemeinde Teufstetten haben in unsrer Gegend mit einem guten alten Schulbuch zum Bau einer Synagoge gesammelt. — Der schon gedachte Rekurs der Gemeinde Altenmuhr in Mittelfranken an die allerhöchste Stelle ist zu deren Gunsten entschieden worden und dieselbe gehört fortan zum Rabbinate Wassertrüdingen. Aus diesem resultirt, wie auch die dermalige höchste Verwaltung ohne Rücksicht auf Entlegenheit der Orte und gesetzlicher Befähigung der zuständigen Rabbiner den Gemeinden unbedingten Spielraum gewährt und der bisherigen Normalien, welche die Auflösung der Rabbinate unbedingt gestatten, auch ferner in Giltigkeit verbleiben. Dagegen gereicht es Ihrem Korrespondenten zur hohen Befriedigung berichten zu können, daß Dr. Herz die allerhöchste Bestätigung als Proscktor an der Universität in Erlangen erhalten hat. Somit ist nicht nur diesem Manne ein seinen Neigungen und Talenten angemessener Wirkungskreis eröffnet, sondern auch jenem System, das hartnäckig jedem Inden jede öffentliche Anstellung versagte, die Spitze abgebrochen. Das Gerücht, als habe Hr. Joseph Kohu die Ausäßigmachung in Nürnberg erhalten., hat sich leider nicht bestätigt. Dieselbe ist von Hr. Kohn nicht nachgesncht worden und konnte daher natürlich nicht gewährt werden. Int Kreise Ober fr a n k e n beklagt man sehr * die Versetzung des Hrn. Regierungsraths v. .Muffel nach Würzbnrg, der mit dem Referat über jüdische Angelegenheit betraut, vielen Eifer und guten Sinn bethätigt hatte. Gewiß bleibt das schöne Wirken des Hr. Rabbiners Dr. Aub in der Kreishauptstadt, der durch die Förderung alles Schonen und die Schöpfung gemeinnütziger Anstalten in seiner Gemeinde sich deren Hochachtung und die aller gebildeten Kreise daselbst erworben, nicht ohne wohlthätigen Einfluß auf die jeweiligen Mitglieder der Regierung und namentlich des Referenten in jüdischen Sachen, und wird daher diese Branche von dem neuen Referenten in gleichen: Geiste wie bisher gehandhabt werden. Es ist uns schon gar oft von christlichen Studirenden und Beamten, welche aus B aire u th kommen, erzählt worden, wie der dortige Rabbiner durch seine Gelehrsamkeit hochgeachtet und wie die dortigen Professoren in ihren engen Kränzchen gern mit ihm verkehren. Unerquicklich dagegen lauten, wie man erzählt, die Nachrichten aus Schwaben, besonders aus der großen Gemeinde H ü r b e n. Der dortige Rabbiner Schwarz hätte durch mehre erzeutrische Schritte, wie z. B. die Feilbietung von heiliger Erde mittelst öffentlichen Anschlags an der Synagogenthür, besonders aber durch heftiges öffentliches Lesziehen über •»y&ya, deren Sünden die Nahrungslosigkeit herbeigeführt hätten,, den Unwillen des jünger» Geschlechts aus sich geladen und mehre sind init ihren Anklagen, an der Spitze ein Arzt, in die Oesfentlichkeit getreten. Schwer ist ihre Anklage, daß der Rabbiner gegen eine gewisse Handelspraktik, die gedachte Nahrungslosigkeit herbeigeführt babe, nie öffentlich ausgetreten, vielmehr ihr Vorschub geleistet haben soll. Gegen diese schweren Beschuldigungen ist der Rabbiner nun klagend ausgetreten und ich werde später ein Weiteres mittheilen können. Auch in einer benachbarten Gemeinde Hürbens soll man gegen den Prediger und zwar weil er in einer Predigt jenes Uebel, mit dessen Berührung sich schon Mancher den Mund verbrannt, tadelte, ungehalten sein. Man stehet, es ist nicht das schönste Loos Rabbiner oder Prediger einer schwäbischen Gemeinde zu sein. Judeß ist kein jüdischer Bediensteter auf Rosen gebettet. Thun wir aber ein jeder in seinem Kreise waö recht und es wird gut stehn. —