Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1848)
- Date
- 1848-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
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3 Zuerst wende sich meine Betrachtung dem Himmel zu. Die erste Beobachtung, die ich anstellte,. betrifft die Planetenbewohner. Auf alten Planeten, die sich sehr langsam bewegen, herrscht der christliche Staat, und als man erfuhr, ein Jude sei .so kühn, einen prüfenden Blick auf dieselben zu richten, trat die größte Bestürzung ein. „Wie, auch im Himmel keine Ruhe vor den Juden", erscholl es vom Mars und vom Jupiter, und als ich bemerkte, daß. ein deutscher Jude genöthigt sei, einen andern Planeten als die Erde aufzusuchen, wurde mir ertyiedcrt, daß das Hinnuetreich auch seine Privilegien habe und daß nur christliche Astronomen das Recht hatten, den Himmel zu mustern. Ich dachte auf Erden zu sei ul Am tolerantesten zeigte sich der neue Planet Lcverricr, den cm Franzose entdeckt hat. Dort giebt es auch Juden und zwar sehr orthodoxe, die gegenwärtig damit beschäftigt sind, Weihnachten zu feiern. Toiit .coinine cliez nous; auch im Himmel feiern die Juden Weihnachten. — Die zweite Beobachtung betrifft dm Schatten, welchen die verschiedenen Länder auf den Himmel werfen. Deutschland's Schatten hat die Gestatt eines Zopfes und überragt alle andern Schatten. Darum ist mail auch im Himmel Deutschland nicht besonders hold und es gilt für einen finstern Theil der Erde. Vergebens suchte ich zu beweisen, daß in Deutschland mix meisten von Aufklärung und Licht gesprochen wird; es wurde allgemein behauptet, es gebe dort mehr Schatten als Licht. „Und die Deutschkatholiken l" rief ich auS; sind sie nicht Herolde des Lichts? Mit Nichten, erwiederte mir der große Bär; ihr Lichtputzer Rouge ist ein Dunkelmann, wenn er das Judenthum beleuchtet. — Meine dritte Beobachtung bezieht sich auf die Cenlralsotme. Sie wissen, daß man in neuerer Zeit nicht blos von eineur Central-Komite der RG., sondern auch von einer Centralsouue viel gesprochen hat. Diese theilt ihr Licht sehr uneigennützig aus und klagt nicht darüber, daß die andern Sonnen ein Plagiat au ihr begehen. Dadurch unterscheiden sich die himmlischen von den irdischen Lichtern. Es herrscht überhaupt weder Neid noch Zwietracht unter ihnen und jeder freut sich seines eigenen Glanzes. Doch lassen sie mich jetzt einen Blick auf die Erde werfen. Daß mir Berlin mit seinem Treiben kleinlich erscheint, werden Sie natürlich finden, wenn Sie bedenken, wie hoch ich über demselben stehe. Mein Gesichtskreis geht aber noch über Berlin hinaus und ich stehe über dm Parteien. In meiner Jsolirthcit auf der Sternwarte kommt mir Alles, worauf manche. Helden sich so viel zu Gute thnn, sehr unbedeutend vor. Unsere Alten stehen und gehen rückwärts beim Gebete; Unsere Neuen beten gar nicht. (Der alte römische Satyriker Kalvnymos sagte: ,,Je tiefer sich Einer „Modim" bückt, desto weiter gehe Du ,/Osse Schalem" zurück".) Unsere Alten glauben an Träume; unjere Neuen träumen im Glauben. Unsere Alten waschen sich; unsere Neuen sind oft ungewaschen. Unsere Alten lieben die Mäßigkeit; unsere Neuen sind maaßtos im Leben. Unsere Alten essen nur Geschlachtetes; unsere Neuen essen ungeschlacht. Unfern Alten gilt „ora,“ am Sabbat; unfern Neuen „labora“. Doch genug dieser Gegensätze. Wenn das Alte mit dem Neuen eine gemischte Ehe cingcht, daun wird diese Ehe bedeutender als die Köuigsberger sein. Allerdings werden viele Juden sich dieser Ehe widersetzen. Allein „seid umschlungen Millionen" rufe ich — nicht im Sinne Rothschilds — wohl aber im Sinne des Friedens aus, der unter den Sternen herrscht. Adieu für das Jahr 1847. * Vaierrr, Nov. 1847. (Monatsbericht). Die schon gedachte Vorstellung Seitens der israelitischen Vorstände Münchens an die zweite Kammer kam im dritten Ausschuß zur Verhandlung und der Referent, Hr. Regiernngsrath Freiherr von Lindenfets *) trug darauf an, den vorjährigen Gesammtbeschluß beider Kammern zu erneuern. Dieser Beschluß ging dahin, Se. Majestät zu bitten, lkaß 1) bis zum nächsten Landtag ein Gesetzentwurf zur Beseitigung der gegen die Israeliten bestehenden civilrechtlichen und prozeßualischen Ansnahlnsgesetze vorgelcgt; und 2) das Edikt von 10. Juni 1813 über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen einer gründlichen und zeitgemäßen Revision unterstellt, jedoch dabei die nothwendige Rückficht auf den, unfern christlichen Landlmten gebührenden Schutz gegen Ilebervortheilung in Dartehns- und im Kreise der Landbevölkerung gewöhnlich vorkommenden Rechtsgeschäften genommen werde." Der Ausschuß hat diesem Antrag beigestimmt. — Die Angelegenheit selbst muß nun noch auf die Tagesordnung selbst gestellt**) und nach wahrscheinlich kurzer Debatte der Reichskammer zur Beschlußfassung im Ausschuß und Plenarversammlung hinüber gegeben werden. Erft dann ist eine k. Entschließung zu gewärtigen, wenn anders derlei Anträge zu k. Verabschiedung diesmal gelangen. Mag es aber auch bei der Kürze, welche die ständische Thätigkeit andauern wird, nicht zu einem solchen gemeinen Antrag kommen, der Vorstand Münchens hat der: Zweck, welchen er bei seiner diesjährigen Vorstellung wahrscheinlich hatte, erreicht. Er hat keine Gelegenheit vorüber gehen lassen, seine gerechten Klagen zu erheben. Einen sofortigen Erfolg konnte er nicht erwarten und erwartete ihn gewiß nicht. Die Vorstellung der 43 Gemeinden Mittelftankens, deren Zustandekommen mau zunächst dem löblichen Eifer des Hr. Joseph Kohn in Nürnberg zu danken hat *) Bei Hrn. v. Lindenfels in Mittelfranken, Referent in israelitischen Kirchenu. Schulsachen, ist gehörige Sachkenntniß vorauszusetzen. ") Laut neuern Nachrichten ist dies für die XX. öffentliche Sitzung bereits geschehen. 1*