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Der Orient · 1848-01-01 · Heft 1 (1.1.1848) · p. Seite 2

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 1 (1.1.1848)
Date
1848-01-01
Page
Seite 2 (sequence 3)
Language
German
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- 2 - der Geist der modernen Pädagogik herrschen und die Zopfherrschast der mittelalterlichen Melamdim ihr Ende erreichen. In der Synagoge sott^ unsere Bildung sich nicht verletzt suhlen .durch die Codices des Mittelalters. Im Gemeindeleben soll die gleiche Berechtigung Aller vorherrschend sein, und der Emancipatiettskam.ps muß so lange durchgeführt werden, bis kein Jude mehr geächtet und geknechtet sein wird. ES giebt aber noch einen anderen EmaneipalionSkampf: es ist der Kampf der innern Emancipation. ES nagen noch so viele Misbräuche und Vonlrtheite cm unserem inner» Leben, der religiöse Zwiespalt, die Heuchelei, die Verstellung erzeugen so viele entsittlichende und demoralisirende Momente unter den Juden, daß dieser Kamps mit Warme und Begeisterung geführt werden muß, was der Redakteur dieses Blattes, da er kein von Volkslannen und Rücksichten abhängiger Theologe, zu leisten im Stande ist. Aber auch die Geschichte erhält ihren Tribut durch Aktenstücke und statistische Nachrichten. Ueberhaupt sucht die Redaktion diesen Theil frisch und lebendig zu erhalten, damit er ein wahres Bild der innern Gährung, des Kampfes, des Zwiespaltes und der Zerrissenheit abgebe, wenn sie auch unmöglich alle ihre Korrespondenten kontroliren und die volle Verantwortlichkeit für dieselben übernehmen kann. Sie ist sich aber bewußt, stets im uneigennützigen Dienste der Wahrheit zu stehen. II. Studien. Hier liegt das ganze große Gebiet der jüdischen Wisftlischaft offen. Geschichte, Sprachforschung, Exegese, Literatnrkunde, Bibliographie, Religionsphilosophie, Theologie, Atterthumskunde — alle bieten ihre Fundgruben zur Benutzung dar. Natürlich kann die Aufgabe eines Journals nur sein, anzuregen, anfznmuntern, 'Winke zu geben, Materialien zu sammeln, Grundlinien zu entwerfen oderin der höchsten journalistischen Form, Abhandlungen zu liefern. Was der „Orient" bis jetzt in diesen: seinen Theile geleistet, kann nur der benrtheilen, welcher der Literatnrentwicketung seit einem Jahrzehend ungefähr gefolgt ist. Er hat die jüdische Wissenschaft aus der verschlossenen Bücherwelt in das Volk eingeführt, und den Geistern der verschiedensten Länder einen Vereinigungs- Punkt geboten. Wir führen hier die Worte des Geschichtsschreibers Jost an: ,,Wir müssen dem Orient das Verdienst besonders beimessen,. den vielen vereinzelten wissenschaftsichen Erörterungen und namentlich der historischen und linguistischen Seite der jüdischen Studien eine weit verbreitete Theilnahme und höhere Anerkennung verschafft zu haben, ein Verdienst, welches durch einen Rückblick aiif die Verwahrlosung aller jüdischen Wissenschaft noch bis in die Zeit der Juli-Revolution, an Werth gewinnt." III. Kritiken. Alle Erscheinungen der jüdischen Literatur kommen zur Anzeige vorn Standpunkte der Wahrheit aus. Die Jugend der jüdisch-titerarischen Thätigkeit.anerkennend, gehören wir nicht zu denen, die Alles bekritteln, sondern wir wollen fördern und ausmuntern, da die Zahl der jüdischen Schriftsteller ohnedies nur sehr gering ist. Auch die kleinste Gabe nehmen wir mit Liebe und Anerkennungauf, wenn wir auch nicht nufer Blatt zu literarischen Lobhudeleien hergeben wollen. — Und so treten wir unserem Publikum entgegen mit der Fahne der Wahrheit und- Offenheit, das Geschwätz unserer Gegner bemitleidend, Kultur und Wiffenschast fördernd, unsere zahlreichen Mitarbeiter achtend und zum Schlüsse die Worte eines jüdischen Schriftstellers gebrauchend: ,,Somit sei der „Orient" der Gunst der Kenner und Würdigen empfohlen. Gegen Schimpf und Unglimpf ist er, wie sein Vater, gehärtet.und gleichgiltig". Die Redaktion des „Orients". Deutschland. Berlin, Ende Deebr. 1847. Meine Sternwarte, von der ich Ihnen in meinem letzten Briefe schrieb, ist errichtet. Sie hat die Höhe des babylonischen Thnrmeö und reicht bis zum Himmel. Die Orthodoxie hat das Baumaterial dazu geliefert, denn nur durch sie kommt man in den Himmel. Die Tausend und aber Tausend Eeremonim und Gebräuche habe ich auf einander geschichtet — und siehe da, es blieb noch ein bedeutender Rest übrig. Sie werden sich vielleicht wundern, wie ein solches Riesenwerk in so kurzer Zeit vollendet werden konnte; allein wenn man eine Geschichte der Israeliten aus einigen Handbüchern so schnell zusammensetzen kann, wie der ZW. exkommunieirt und der Refermrausch verfliegt, so ist es in der That eine Kleinigkeit, sich einen Weg zu den Sternen zu bahnen.. Der Vortheil, den ich durch meine Sternwarte erreicht habe, ist, daß mir Niemand so leicht zu Leibe kann. Allerdings erscheinen mir von meiner Höhe aus die Großen der Erde sehr kleinlich. Eine besondere Laune des Schicksals ist es, daß unsere größten Geister von kleiner Statur sind und mir daher sehr winzig erscheinen. Doch ich will mir nicht vorgreifen.

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