Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1847)
- Date
- 1847-12-24
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- 406 - nissen; kommt noch hinzu, daß solch ein Augenblick au dem Abend meines langen LebenStageö erscheint, wo Geist und Körper der frischen Belegung bedürftiger sind als früher, so muß ich diese Stunde doppelt segnen , die mich heute in diesen hochverehrten Kreis geführt ", und eine Freudigkeit genießen laßt, die ich im Verlaufe meines langen und mühevollen Lebens weder erdachte, geschweige erwartete. Denn wie ich auch gestrebt, die Pflichten des Menschen ulld Arztes, nach Kräften $it erfüllen, und vielleicht hie und da über das gestreckte Ziel hinansreichtc, so war ich dennoch weit eiltfernt eine Anerkettttttng'ztt suchen oder finden zu wollen, als diejenige meines Bewußtseins. — Erfüllt vom heißesten Danke ist meine Brust, gegen denallcrglorreichsten Monarchen und Herrn , , cs fehlen mir die Worte, die Gefühle des tiefbewegten vor Freude übcrstremenden Herzens arrSzudrücken, dessen überschivengliche Güte und Gnade ich den heutigen Tag verdanke, für diese mir gewordene Auszeichnung. — Ihnen mein hochverehrtester Hr. Vorsteher habe ich durch ihre gütige Zustimmung einen großen Theil mci 11 er 'Auszeichnung zu verdanken, denn Sie haben den hohen Behörden Winke gegeben, daß nicht nur Derjenige, der mit denl Schwerte sich Lorbeeren erkämpft und mit dem Delzweige Länder und Völker beglückt: nicht nur derkühne Reformator, der mit hoher Originalität sich neue Bahnen schafft, der im Gange der Weltbegebenheiten allgemeine Krisen verursacht: nicht nur der Erfinder, der das Gebiet des menschlichen Wissens durch Wahrnehmungen und neue Kombinationen erweitert, und die Menschheit dadurch auf einen hohem Standpunkt stellt: nicht nur der geniale Künstler, der durch »seine lieblichen Formen die gerechte Bewunderung der Mit- und Nachwelt erregt — nicht nur diese verdienen, daß man ihren Mauen-Denkmäler setze, ihre Namen fiir die spätesten Zeiten als Muster ansbewahre, sondert: auch Jene, wenn sie gleich auf solch' eine Größe keine Ansprüchemachen können, deren Lebet: minder reich an heroisch - romantischen Thaten, an glänzenden Katastrophen, an welterschütternden Begebenheiten, die aber dennoch, in den gefährlichsten Epidemien, wo wir unsere physischen und psychischen Kräfte zum Wohle' des Staats und der Menschheit geopfert; die,'wie wir, in den ärmsten Hütten, alle Jene, die schon still zürn Grabe hingewandt, rve alle Baude der Natur treulos sprangen/ das Schifftein schon schanerhaft am Strande hielt — und das Lebensöl schon ausgebrannt schien, haben wir sie dennoch durch unfern Beistand, dem Nachen des Todes entrissen. Auch Diese sind es würdig, daß man sie zum Vorbild der Nachwelt ausstelle, und tvenn sie einst von diesem Schauplatze abtreten, man ihnen einige Blumen ans ihrem Grabe weihen könne. — Nehmen Sie daher hochgeehrtester Herr Vorsteher! einige Worte des Dankes, die mit aller Verehrung, dieses Unberedcten tief gefühlt, herzlich an. Auch Ihnen meine hochgeehrtesteVersattlmlung! durch Ihre ehrenvolle Gegenwart, die Sie mir den heutigen Tag verherrlicht, meinen tiefgefühlten Dar:k. Erhalten Sie ruir fernerhin ihre Freundschaft und guten Gesinnungen, und mögen Sie — wie Sie mein Leben schätzen — auch dereinst meinen Sarg ehren, als den höchsten Lohn meines WirkenS und Strebens. — Meinen innigsten Dank an meine hochverehrtesten Herren Kollegen! die Sie kollegialisch für meine Auszeichnung gestimmt haben. Wohl und Ehre der Körperschaft, welchem nicht scheeles Brod oder Ehrenneid die einzelnen Glieder als ülembra disjecta auseinander halt. Möge nie dieser Gistbaum unter uns seinen tödlichen Hauch verbreiten , mögen wir ineinander wirken, der Wissenschaft und der Menschheit frommen, und uns selbst die Ehre erhalten , die wir den Priestern der Hygea schuldig sind. ■— O! laßt uns den.heutigen Tag segnend preisen Und laut ertöne der Freude Jubelscing Von Jünglingen, Männern und Greisen, Ersteigen aus des Herzens tiefen Drang: Das ist der Tag, den hehre Freude umschwebt,' Das ist der Tag, der heule sich erhebt. — Aus Ungarn, im Novbr. (Fortsetzung.) Gesagtes gilt allerdings nur von der Hauptmasse der Schloßberger Einwohner, den wirklich großen und kleinen Kanfleuten. Vom den Wucherern, die auch hier leider zum Verderben ihrer unschuldigen Brüder ihr^Uirwesen treiben, kann man freilich nur das sagen, was man von Wucherern überhaupt sagen kann» Es ist merkwürdig, daß selbst hohe Bildung und Intelligenz vor diesem Laster nicht schützt. Man bezeichnete mir einen schon von Hause aus sehr reichen jungen Mann, der nicht weniger als ein halb Dutzend lebendiger Sprachen spricht und alle neu erscheinenden Werke mit Gier verschluckt, aber auch mit hundert Armen an der Furie des Wuchers angeklannncrt hängt! — Nun »Ellen wir auch von den löblichen Einrichtungen im Innern der Gemeinde Etwas" referiren. Unter den Gerncittde - Statuten ist eine Einrichtung merkwürdig und verdient Nachahmung. Es ist die sogenannte npTfi. Wenn Einer eine Wohnung , Gewölbe re. gemiethet, so ist er im vollem Sinne Herr darüber. Auf keine Weise ist der Hausherr im Stande ihm zn kündigen, sofern er seinen Miethzinö zahlt. Drei Jahre darf eine ,, ausgedungene " Wohnung von keinem Juden bezogen werden. So ist nun ein Jeder bei seinem einmal eingerichteten Geschäfte sicher, daß ihn Niemand ausstecheir unb brodlos stellen kann, wie das Laster in Obeningarn und gerade in den frömmsten Kehillot fo an der Tagesordnung, daß sehr oft Fälle eintreten, wo ein Familienvater, ohne daß er es vorher kaum erfahren konnte, von dein ersten besten polnischenvagabnndirendeu Eindringling pw^lich an den Bettelstab gebracht wird.