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Der Orient · 1847-12-17 · 51 (17.12.1847) · p. Spalte 813-814

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
51 (17.12.1847)
Date
1847-12-17
Page
Spalte 813-814 (sequence 7)
Language
German
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813 Studien/ Parabeln und Sentcnzcn in der Haggada. 8M daß die Priorität dieser Lehren und Sprüche/dm talmudischen Lehrern zuzuschreiben sei, von denen es der Stifter der christlichen Religion, als Glied der pharisäischen Schule entnommen, oder daß seine Schüler, die ebenfalls großenteils aus.dieser Schule hervorgegangen, wie z. B. Paulus, die Applikation davon auf ihn gemacht./ : Von der Wichtigkeit' dieser zwischen Talmud und Evangelium angestellten Vergleichungen und wie sehr eine durchgreifende Bearbeitung dieses Thema's zur Charakterisirung beider, und für die Erforschung des damaligen Zeitgeistes nützlich sein konnte, werden uns noch folgende Beispiele belehren. Matthäus 1, wird die Geschlechtsfolge des Jesu als Sohn Davids, Sohn Abrahams angeführt. Vers 17 heißt es: alle Glieder von Abraham bis David sind- 14, von David bis auf die babylonische Gefangenschaft sind 14, von der babylonischen Gefangenschaft bis auf Iesum sind 14 Glieder. Wie sehr dem Evangelisten an der Zahl 14 gelegen sein mußte, erfolgt schon daraus, daß er ihr zu Liebe drei jüdische Könige, Achasia Ioa sch, Amafia (vergleiche Matlh. Kap. 1, V. 8, Chronik Buch 1 Kap. 3, V. 11 u. 12) wegließ. Welche Erklärung christliche Theologen über diese Weglassung, vorzüglich aber über diese symbolische Zahl geben, ist mir zwar unbekannt, da ich ihre Schriften nicht besitze. Lndeß findet sich schon im Midrasch eine ähnliche Berechnung der Geschlechtsfolge von Abraham bis auf die babylonische Gefangenschaft und kann! uns dieselbe als Leitstern hier dienen. Schemot Rabba 16 beißt es wie folgt : „Dieser Neumond ist euch gegeben", sowie / der Neumond dreißig Tage hat, ebensoviel Könige soll euer Reich zählen. Im Anfänge des Monats beginnt das Mondcs- 'licht und nimmt bis zum 15. an Größe zu, wo sich die Mondesscheibe gänzlich füllet; .vom 15. bis zum 30. nimmt das Mondlicht ad, so daß am Ende der Mond gar nicht sichtbar. wird, cbcn so Israel. Don Abraham bis. Salomo sind 15 Geschlechter. Bei Abraham begann Israels Größe und bei Salomo war die Mondesscheide seines Glückes voll. Von da nahmen die Könige an Größe immer ab, bis endlich bei Zedekia, ber geblendet wurde, ihr Licht gänzlich erlosch. Daß dergleichen astronomische Konstellationen und die Variationen der Mondesphasen in srühern Zeiten fast bei allen Völkern für das bürgerliche und öffentliche Leben von höchster Wichtigkeit waren und großen Einfluß auf ihre Denkungsart ausgeübt, ist allgemein bekannt. Was natürlicher , als daß man das Steigen und Fallen des nationalen Glückssternes, überhaupt beim jüdischen Volke, bei dem der Mond fast ein uumen coeli geworden, mit der Ab- und, Zunahme dieses Gestirnes verglich und der Zufall leistete du nicht minder wie gewöhnlich diesen den Aberglauben befördernden Vergleichungen mächtigen Vorschub. Die Bahn, die der Mond bei seiner Bewegung um die Erde beschreibt, ist doppelter Nature Die eigentliche und ^vahre Umlaufzeit, die bei einem Fixstern anfängt und wieder bis zu demselben fortgeht, oder von einem Equinocrialpunkre bis zum andern,' wird die siderische oder auch tropische genannt und dauert 27 Tage und 8 Stunden. Vollmond tritt also am 14. ein. Da aber die Erde in dieser Zeit, auf ihrer Wahn fortgerückt ist., die der Mond erst xinholen muß und »wozu er zwei Tage und 4 Stunden braucht, fo.-.tritt die sinodische Periode ein, wobei, von einem,Neumond bis zum andern 29 Tage und 12-Stunden; mithin .bis zum Vollmonde genau 15 Tage verstreichen. .Daß der Midrasch die sinodische Periode oder die Zahl 15 von Abraham bis Salomo , der Evangelist die siderische Periode, die Zahl 14 bis David nämlich annimmt, dies liegt in der verschiedenen Auffassungswcisevon der beide ausgehen. Der Midrasch, dem hier blos um das weltliche Reich Judas zu thun isr und der also den Kulminationspunkt irdischer Größe, entsprechend der völligen Ausfüllung der Mondscheibe herauszusuchen hat, findet diesen ganz natürlich in dem mächtigen, friedlich regierenden Beherrscher Salomo. Es waren also 15 auf - und 15 absteigende Glieder der jüdischen Größe. Was. aber nachher geschehen, hat kein Interesse mehrz das Bild der Mondcsvergleichung ist einmal vervollständigt. Der Evangelist, dem zwar hier ebenfalls der Volksglaube, die jüoische.Narionalgröße mit der Ab - und Zunahme des Mondes zu vergleichen, vorgeschwebt haben mochte, der aber diese Größe nicht in der weltlichen Macht, wovon doch sein Meister gänzlich beraubt war, sondern in einer geistigen Erweckung, in der davidischmessianischm Erlösung zu betrachten, hat, muß nothwendig von einem ganz andern Gesichtspunkte ausgehen und.die Geschlechtsfolge auch anders gestalten. Abraham-und,David, als- Urquellen des messianischen Glaubens, müssen Hauptglieder, Ausgangs- und Anknüpfungspunkte bilden. Das Bild darf ferner, nicht mit'der Gefangenschaft abbrochen; im Gegentheil muß da erst.recht der Faden weiter.gesponnen werden. Wie die geistige Größe Israels, von Abraham angesangen in hm ersten 14 Gliedern, bis zum König David, gleich dem Glanze des Mondes.immer zugcnommen, das heißt, daß sich die wahre Gotteserkmntniß in und außer seiner Mitte immer mehr verbreitet, mit den nachfolgenden Königen aber, auch hier bei Salomon angefangen, ebenfalls wie der Glanz.des Mondes bei der Abnahme, wieder verdunkelt wurde; so hat diese jüdische Nationalgröße abermals nach .Verlauf von 14 Gliedern, in.der Person des Erlösers, wie früher in der des David ihren Kulminationspunkt zu erreichen. Zwischen-den beiden Syzygien durfte nur eine siderische Periode verstreichen, es mußte daher eine 14gliedrige Geschlechts folge geschaffen werden und David dabei ein Hauptglied bilden; dazu kömmt noch daß die BuchstabenzahL dieses königlichen Namens (1 — 4 4. ) — 6 + 1 4' “ 14) zufällig die Zahl 14 giebt; ein Umstand , den der Evangelist gewiß nicht außer Acht lassen durfte, sollte er auch.deshalbin seiner Geschichtserzählung einige Glieder aus der. Kette reißen müssen.—v i DOT 'örra , nnv fD D.lll). Einen der .vorzüglichsten Streitpunkte zwischen dem christlichen N-eli'gionsstifter und den Pharisäern bildete, wie es uns die Evangelisten mittheileu, daß. seine Jünger am Sabbat zur Zeit der Noth Aehren abrauften und er selbst Kranke an diesem Tage geheilt. Nach

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