Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-12-17 · 51 (17.12.1847) · p. Spalte 809-810

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
51 (17.12.1847)
Date
1847-12-17
Page
Spalte 809-810 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9890729-9890766--5248-3533741
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

810 Sludien. Sprichwörter im Talmud. Bon Dukes. 809 auch zu einer Grundwurzel dieser Anschauungen zurück, die tiefer liegt als man gewöhnlich glaubt. So z. B. das Befragen der Bibel (Buchorakel) bei den Juden (vergl. darüber die Einleitung unserer Blumenlese S. 53) finden wir bereits bei den Griechen und Römern, erstere schlugen im H omerletztere im Virgil nach. Christlicherseits geschah dieses ebenfalls, sie hielten sich ebenfalls an die Bibel, Au gustin kennt diese Sitte bereits (Soldau: Geschichte der Hexenprozesse S. 6 l). Im Oriente bei den muhammedanischen Völkern ist diese Sitte ebenfalls verbreitet, so bei den Persern (vergl. Ker Porter Reise durch Persien, deutsche Übersetzung LH. I. S. 578).. Das arabische Sprichwort: „Nimm ein gutes Wahrzeichen aus dem Münde der Kinder" (Wiener Jahrbücher 1846- S. 27. Nr. 22), scheint ' auf diese Sitte hinzudeuten, und ist mit dem talmudischen "plDD plOD „sage mir deinen Bibelvers" eins und dasselbe. Wir finden den Grund dieser Anschauung in dem Fatalismus, der in der menschlichen Natur eingeprägt ist, welcher in verschiedenen Formen, und auch in-er neuern Zeit noch zuweilen erscheint, und.wozu wir Belege gegeben haben, im LB. des Orients 1847, Nr. 30. S. 473, Note 9. Manche dieser Anschauungen , die auf das blinde Geschick sich beziehen, und die in Sprichwörtern niedergelegt sind, sind uralt, und steigen in das graueste Alterthum hinauf. So z. B. das arabische Sprichwort (Wiener Jahrbücher 1846, S. 27. Nr. 194). „Siehe auf das Zeichen deines Losungspfeils" steht mit ^pbp „er fragte die Pfeile" Ezechiel 21- 6 .in Verbindung. Auch hiervon ist der Grund einzig und allein der festgewurzelte Fatalismus. Diese Ähnlichkeit findet sich auch bei vielen andern Gegenständen, wir finden gleiche Ansichten über allerlei Gegenstände. So z. B. sagt ein arabisches Sprichwort (Wiener Jahrbücher 1846 S. 28 Nr. 1036) „Hüte dich vor dem Nichtmoslemen wenn er Moslim wird"^ Wir glauben mit demselben steht der talmudische Ausspruch in Verbindung, welcher unter andern sich auch in Jalkut Jesaja zu 14- 1 findet. nriDDD „Proselyten sind den Israeliten so beschwerlich wie der Aussatz". Die Zahl dieser Vergleichungen. könnte noch sehr vermehrt werden,.und wir werden dieses bei einer andern Gelegenheit auch thun. i Der Werth dieser Parallelen ist zuweilen reell, d. h. die Vergleichung giebt Aufschluß über manches dunkle Sprichwort oder über manche dunkle Redensart- und in sofern stehen all-e Sprichwörter der verschiedensten Völker unter sich in Verbindung. Nur ihre Färbung ist nach den verschiedenen Zeiten und Ländern verschiedern. . Sprichwort bezeichnet Nationen Muß aber erst unter ihnen wohnen. (Göthe.) Solche Erklärungen der Sprichwörter durcheinander sind notwendig. Verschiedene Proben haben wir bereits mitgetheilt in unserer Einleitung zu 44. Note 19. Wir werden vielleicht bald Gelegenheit haben, diesen Gegenstand erschöpfend zu behandeln.. Wir lassen hier jeHt einige solcher Parallelen folgen.". S. 93. Nr. 32. .Eben so französisch „lesmurailles ont des oreilles“ Die Wände haben Ohren. S. 94. Nr. 33. Das französische Sprichwort „au pouvre un öeuf vaut un boeuf‘ (das Ei des Armen ist so viel werth als der Ochs des Reichen —) steht mit dem unsrigen in Verbindung. S. 99. Nr. 57. .58.' Vergl. weiter unten 111. Nr. 1. S. 100. Nr. 64. Das griechische Sprichwort, welches Aristoteles in seiner Poetik Buch 11. Kap. 10 an führt r „Der Löpfer ist gegen den Löpfer" drückt dasselbe aus. S. 104. , Nr. 81. Es ist auch das a r a b i s ch e Sprichwort damit zu vergleichen „der eine fischt der andere ißt die Fische" (Wiener Jahrbücher 1846. S. 41..Nr. 1723). S. 106. Nr. 86. Ueber die Schamhaftigkeit ist auch folgender arabischer Spruch anzuführen: „Die Schamhaftigkeit zum Glauben" (Wiener Jahrbücher Band 97. S. 91 . S. 107. Nr. 80. Hiermit ist das griechische von Aristoteles erwähnte (Rhetorik 11. Kap. 23) Sprichwort zu vergleichen „den Sumpf zum Salzwerk kaufen". ' : S. 107. Nr. 90. Das französische Sprichwort „quand on pari« de I«up on en voit la queue‘‘ (wenn man vom Wolf spricht siehet man den Schwanz) gehört ebenfalls hierher. S. 115. Nr. 108 Daß sich dieses Sprichwort wörtlich im Italienischen findet, haben wir bereits in der Einleitung zu . 13) Von hebräischen Parallelen, die nur entweder in veränderter Form oder in einem andern Idiom einen Gedanken ausdrücken sind hier folgende nachträglich.anzuführen. , : prpp^ NiipD «nPip Nm NTip nh Midrasch Lehillrm S. 21. Es ist dies nur eine veränderte Leseart von Nr. 204 der Wlumenlese. maan, WD hds Jeruschalmi Joma Abschnitt 1. Jalkut Pentateuch S. 164. Es ist dies dasselbe wie Nr. 134 unserer Blumenlesenur in hebräischer Sprache. Gelegentlich bemerken wir hier auch, daß die Erklärung des Wortes NntaflD für Wöchnerin (vergl. Blumenlese S. 128 Note 2) sich findet im Midrasch Kohelet zu 3, 2. Daselbst wird das Wort NfpTl ebenfalls als Synonym von ■wtenö genommen. Der allgemeine Sinn wäre demnach, daß das Kind während der Geburt in Todesgefahr schwebt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.