Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1847)
- Date
- 1847-12-17
- Page
- Seite 405 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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405 und das m seiner Jugclid nur bis Tertia im Glogauer Gymnasium reichte, als akademischer Bürger aber für den üblichen Preis den 'Doktorhut erhielt und plötzlich von einem Substitut des Schochets Ln Anklam zu einem Heros des Judenthums in der ersten Rabbiner-Versammlung anschwoll, dieses niedliche Ntäunchm wedelt um die bekanntesten Persönlichkeiten der Christen herum ohne die Juden, bei denen es sich selbst zu einem Mittagsbrode, oder zu einer andern Mahlzeit einladen kann, ganz außer Acht zu lassen. Solche Auswüchse haben bcn Juden mehr geschadet, als alle Eisenmenger und nach solchen Erfahrungen darf man sich nicht wundern, daß die Juden mit Vorwürfen belastet werden, von denen sie sich im Allgemeinen frei wissen können. M. Posen, 11. Nvbr. Das jüdische Schulwesen kann hier nicht gedeihen. Die schmähliche Arroganz von Seiten der Eltern, die von sich auf andere urtheilen, -behaupten, der jüdische Lehrer besitze keine Bildung und der Stolz, den man darin findet, sein Kind wenn auch von dem unfähigsten Christen unterrichten zu lassen, immer ein Zeichen jüdisch-polnischer Rohheit und Unwissenheit, lassen jedes edle Streben nicht aufkomssren und ersticken jeden Keim in seiner ersten Entwickelung und so vegetiren hier einige, nur für die untersten Stufen berechnete höchst nuittelmäßige jüdische Privatschulen, von denen sich nur Eine, mit vielen Opfern , erhaltene jüdische Mädchenschule rühmlichst auszeichnet. Die jüdischen Knaben wandern nun unter solchen Umständen in das deutsche Gymnasium, wo ihnen von Seiten der Lehrer eine humane Behandlung zu Theit wird. Früher waces den Kindern gestattet, an allen Feiertagen zu Hause bleiben zu dürfen, seitdem aber ein ©on Quixot der ersten Rabbinerversanunluug durch viele Künste dazu gelangte, einen sogenannten jüdischen Religionsunterricht an dieser Anstalt zu ertheilen, ist durch sein Drängen diese Erlaubnis' auf das Neujahrs- und Versohnungsftst beschränkt worden. Daß die jüdischen Knaben nicht das polnische Gymnasium besuchen, ist eine Erscheinung, die einer tiefem Erklärung bedarf, als ich sie hier geben könnte , -da man doch gerade das Umgekehrte erwarten durste, west sich sonst der Gedrückte gewöhnlich dem Gedrückten so gern aufchließt. - Die jüdischen Mädchen entbehren aber einer eigentlichen tüchtigen Schule. Zwar existirt hier eine höhere königliche Töchterschule, „dieLmsenschule"; allein der Direktor dieser Anstalt, Hr. Dr. Barth, weist jedes jüdische Mädchen gleich bei der Anmeldung mit der Bemerkung von sich, daß kein Platz mehr für ste vorhanden sei, während gleichzeitig sich für eine Menge christlicher Mädchen noch hinreichende Platze finden. Nur sehr wenigen Töchtern der reichsten Juden, ich-kauu nicht sagen durch welche Mittel, gelingt es, Ausnahme in dieser Anstalt zu erlangen. Es ist traurig wie sich die Juden behandeln lassen. Lehrer, die aus der Staatskasse, also auch von jüdischem Gelde, das so reichlich in jene Kassen fließt, besoldet werden, sotten es wagen dürfen, jüdischen Kindern, ohne sich auf ein Gesetz, ein Statut berufen zu können, eigenmächtig die Schulen zu verschließen, denen sie bevorstehen? — Wenn der Herr Dr. Barth seinen Judenhaß aus dem Wurzellan.de dieser Vorurtheile mit herüber gebracht hat, so konnte er sich schon und namentlich durch die Abstimmungen auf dem letzten Landtage überzeugen, daß seine judenfeindlichen Gesinnungen keine Unterstützung beim Volke in der hiesigen Provinz finden dürften und wenn auch vielleicht einige Regierungsbeamte, die in die Zukunft sehend, fürchten, daß das Talent und der Fleiß der Juden ihre Enkel aus den fetten Pfründen verdrängen werden, dem Hrn. Dr. billig zutächetn, so mußte er doch wissen, daß seine eigennützigen exeeptionellen Maßregeln den Judenhaß in den Gemüthern der christlichen Mütter nicht werden wieder anfachen können. — Allein wenn man genau znsieht, wird man sich bald überzeugeri, daß Hr. Barth seinen guten Grund für dieses Verfahren hat. Außer der Luisenschule steht auch die sogenannte Gouvernanleuschule unter seinem Direktorat, deren Einkünfte größtentheils in seine eigene Tasche fließen. Au didfer Anstalt unterrichten fast nur die sehr jungen Mädchen des Seminars, die keinesweges noch dnrchgebildet sind und eine Stunde nachher lehren, was sie eine Stunde vorher vielleicht selbst erst gelernt haben. Die jüdischen Mädchen, drängen sich nun, da die Eltern eine Befriedigung ihres lächerlichen Stolzes darin findeil, wenn ihre Kinder eine chri st li ch e Schule besuchen, gerade zu dieser Anstalt und in der That wird diese vollgepfropfte und so vielen Gewinn abwerfende Schule - ausschließlich von jüdischen Schülerinnen besucht, angerechuet 4—5 arme christliche Mädchen , die kein Schulgeld bezahlen, und so haben wir hier in Posen das absurde Beispiel einer vollkommenen jüdischen Schule, die von einem judenfeindlichen Direktor geleitet wird und woran nur christliche Lebrer unterrichten. Einen solchen Nutzen wissen unsere Feinde aus posen'schen jüdischen Vorurteilen zu ziehen und so werden die hiesigen Juden von einem obskuren Direktor behandelt! Wenn man bedenkt, daß die hiesigen Inden so Etwas sich schon seit einer Reihe von Jahren gefallen lassen, ohne auch nur dm geringsten Schritt gethan zu haben, um diese Schmach von sich abzuwälzen, so muß mau gestehen, daß sie eine selche schmähliche herabwürdigende Behandlung verdienen. Es wäre allerdings Sache des Vorstandes, der die Interessen der Mitglieder der hiesigen Synagogen-Gemeiude wahrzunehmen hat, gegen ein solches Verfahren zu protestiren und den Hm. Dr. Barth zu Rede zu stellen, allein dieser denkt, wie einige Berliner Juden, die Sache geht mir Nichts an und so bleibt Altes beim Alten. — Vergleicht man nun die hiesigen jüdischen Schul-