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Der Orient · 1847-12-17 · Heft 51 (17.12.1847) · p. Seite 404

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 51 (17.12.1847)
Date
1847-12-17
Page
Seite 404 (sequence 7)
Language
German
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— 404 - verein, welcher im vorigen Jahre daselbst ins Dasein getreten, kann und wird hoffentlich mit der Zeit ein segensreiches Institut werden. Für jetzt ist dasselbe aber noch viel zu jung, als daß sich über seine Leistungen scholl Etwas von Interesse dürste berichten lassen. Wenn Sie erlauben , Herr Doktor, so geben wir Ihnen in unserem nächsten Berichte einen Auszug von den Statuten. — In, Sch öntanke, drei Meilen von der vorigen Gemeinde entfernt, Hat es noch kaum zu dämmern angefangen. Der Grund hiervon ist leider in demselben Uebel zu suchen, welches wir bei Nakel so ausführlich beschrieben haben. Ihr armen Schönlankianer leidet gleiches Schicksal mit den Nakelmsern , und es bleibt Euch weiter nichts übrig, als Euch mit diesen zu trösten. — Czarnikau hat viel Juden und einen orthodoxen Rabbiner. Weiter ist von dort nichts zn sagen. — In Ftlehne tjat der zum Rabbiner imb Prediger erwählte Hr. Stein aus Cassel bis jetzt sein Amt noch immer nicht angetreten. Anfangs vorigen Monats wurde er dort mit Bestimmtheit erwartet;. allein er ist noch bis heute nicht eingetroffen. Herr Stein zaudert und sein Zaudern ist Klugheit. Denn wenn, auch (wie wir in Nr. 41. d. Bl. gesehen haben) die Wahl Stem's ohne Polizei und Bayonnette abgelansen, so ist doch das grauscnhafte Gespenst, genannt P arte igeist, in F. nicht ausgeblieben; es hat sich erst später eingestellt, soll aber dafür jetzt um so furchtbarer sein Wesen treiben. Herr St. thut sehr weise daran, nicht früher nach F. gehen zu wollen, bis er Horen würde, daß daselbst wieder Alles einig, ruhig und zufrieden. Und sollte Herr St. in diesem Vorsatze noch nicht fest genug sein, so möge ihn die Erinnerung an dieWreschuer Tragödie^ darin bestärken. Herr H a in m e r ste i n, zeitiger Vorstand von Fstlehne, hat sehr viel für die Hebung seiner Gemeinde gelhcm. Wie vertäutet, soll derselbe aber Willens sein, seinen bisherigen Wohnsitz nun mit einem andern zu vertauschen, und wenn dies wirk-' lich und noch vor St.'s Antritt geschieht, so ist vorauszusehen, daß Fitehne wieder einen schrecklichen Nückfall erleidet. — O möge* der Himmel einen solchen verhüten! — Die Fortsetzung der Revue in unserur nächsten Berichte. W. Grofiherzogthum Posen, 2. Deebr. Aus der Hauptstadt und ersten Gemeinde der Provinz sind uns einige Notizen zugekommen, die wir, ob sie auch gerade nicht von Wichtigkeit, den Lesern Ihres Blattes nicht vorenthalten wollen. — Der Bruder-Verein, welcher mit seinen Duodez-Reformen Gott weiß was für Glück zu machen glaubte, steht sich in seinen Erwartungen leider sehr getäuscht. Nur wenig neue Mitglieder haben sichHstt der Eröffnung des neuen Bethauses (siehe 3) Vergl. unfern letzten Bericht aus „Posen" in Nr. 41 d. Bl. und andere Artikel von uns in diesen Blattern. unfern Art. in Nr. 41 d. I.) dem Vereine angeschlosscn,. dagegen sind aber auch schon wieder so manche von den alten ausgeschieden. Das Bethans wird von Sabbat zu Sabbat menschenleerer; der halbmoderne Gottesdienst lockt nicht mehr so viel Neugierige in die heiligen Hallen, weit leider nur ,,das Neue reizt". — Ein Prediger ist in de* Brnderschule noch.immer nicht engagirt. Dagegen hat Dr. Cr. in jüngster Zeit bereits mehrere Mal in der alten Kwei-Jttim-Chevre mit ungetheiltem Beifall' gepredigt. Ob er sich diese Kanzel aequirirt? Bei Gott ist Alles möglich. — Herr P l e ff ner wird jetzt 'öfters in die umliegenden Gemeinden geholt, um daselbst das Wort Gottes zu verkünden. In Posen ist diesem würdigen Manne noch immer feine bleibende Existenzgesichert. — Der isr. Handlungsdienerverein, von welchem wir in diesen Blättern auch schon einmal gesprochen, hat mit dem 1. Oktbr. d. I. einen Lesezirkel eröffnet , , der aber auch bald wieder wird schlafen gehen , um einer Liedertafel Platz zu machen. — Im katholischen Schullehrerseminar dürfen wieder jüdische Jünglinge hospitiren.' Aber weiter Nichts. Gegenwärtig machen vier junge Leute, von dieser Gnade Gebrauch. Es ist (wie immer) der Seminartehrer Herr Baek, von welchem sie am aufmerksamsten und am freundlichsten behandelt werden. Wenn es auf diesen Mann ankäme, so würden die Inden als Seminaristen ausgenommen werden. fömuit. — W. Posen, 8. Nvbr. Man macht viele Erfahrungen in der Welt; allein einige von ihnen ftut» so wichtig und geben den Grund für so manche unerklärlichen Erscheinung, daß sie der Mittheilung wohl werth sind. Ich habe oft die Bemerkung gemacht, daß die tüchtigen, charakterfesten, gebildeten Inder: sich den Christen nicht nähren. Im Bewußtsein ihres W'erthes verharren sie in stolzer edler Zurückgezogenheit und warten, bis sie selbst aufgesucht werden. Allein da dieses nur höchst selten geschieht; so sind die edelsten Inden gewöhnlich von den Christen ungekannt. Hingegen suchen sich die halbgebildeten, fahlen, charakterlosen Juden den Christen aufzudrängen, und da nun diese gekannt werden, so fallen alle schlechte Eigenschaften derselben der ganzen Judenheit zur Last und daher die hänstgen Vorwürfe der Christen, die Juden seien aufdringlich, unwissend, blafirt u. s. w. Diese Erfahrung habe ich hier leider bestätigt gefunden. Der talentvolle Dr. L o w e n t h a t, dessen ausgezeichnetes Werk „Physiologie des freien Willens" (Glogau, 1,845 bei Flemming) ihm unter andern Umständen gewiß eine Professur eingebracht haben würde, ward fast von keinem Christen gekannt. Der kenntnißreiche Dr. Kal warst hat nur mit dem berühmten Orientalisten Professor Schönborn genauem Umgang. Ein kleines Männchen lebt aber hier, das man immer um 12 Uhr aus dem Dachfenster eines großen Hauses auf dem Wilhelmsplatze Herausblicken sehen kann

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