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Der Orient · 1847-12-17 · Heft 51 (17.12.1847) · p. Seite 402

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 51 (17.12.1847)
Date
1847-12-17
Page
Seite 402 (sequence 3)
Language
German
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— 402 - Worte, iit herrlichen, prunkhasten äteden cs zeigen/ ohne daß es am wenigsten ihnen warum zu thun. Mögen sie cs doch in ihren Thaten zeigen/welcheS warme Herz für Religion in ihnen schlägt, mögen sie es in ihren Gemeinden imb Synagogen, bei ihrer Jugend argnmen- Liren, nrögen e§ ihre Anordnungen in ihren Sprengeln beweisen, welcher Ernst sie um den wahren Gottesdienst —. im ganzen Leben und Weben — belebe, aber es nur in Werl'en/dem Publikum zeigen, ist eitle Prahlerei, ist prahlerische Eitelkeit. Doch kehren, wir zu unserer Ausgabe zurück. Es giebt Vieles stur unsere'Gelehrten zu thun, und Knoten, die selbst für unsere Zeitverhältmsse zu losen wären, sind noch dicht verworren. Es ist die Ausgabe, um es kurz zu sagen, unser ehrwürdiges Alterthum und dessen Geisresprodukte mehr zu erhellen. Unstreitig ist aber dieses AlterthuiuS ehrwnrdigeZ Produkt der Talmud; und dieser ist, obgleich so allgemein verbreitet und gar nid)! selten tiefe Kenner desselben angetrossen werden, ,unS doch in gelehrter Uebersicht seiner wisstnsehaftlicheii Ansichten iniD Glaub em s ar Li k el nach ziemlich dunkel. Sotten wir — und cs scheint beinahe Vonnöthen, da wir eines sankLionirten Gelehrten Wort so hoch achtele —/wenn es aus. dem Munde eines NichtiSraetiien kommt, wenn gleich von Hunderten unseres Volkes dasselbe nie beziveifelt worden — die Stelle, wo sich Bnrtors über den Talmud anSspricht auch noch anführen? Wisseri wir nicht zur Genüge: ln ea mul La jinduica, medica, pliysioa, elliica, politica^ astronomica el aliarum scientiarum praeclara documeiUa, qaae istius genlis et lemporis 3iis (o ui am mirificc comniesKlanS, ..... esse? Zeige man uns aber eilt Werk, das das corpus iuris Hebraeorum vollständig und verständlich enthalte? Daß ein solches Unternehmen keine nutzlose Arbeit wäre, braucht kaum bemerkt zu-werden; werden doch dann die Staaten und Regierungen sehen, daß/ unsere ehemalige juridische Verfassung voll.vor/den herrlichsten und ausgezeichnetsten Vorschriften sei, ja daß Die meisten juridischen Gesetze unserer Zeit daS corpus juris und Code ..Napoleon geradezu mit den Ullfngm nbereinstimmcn. — Zeige man uns ferner cm Werk, das den medieillischen Standpnllkt des Talmuds zu erforschen unternommen hätte, und man fände wahrüch, wie die von Sachnnklmdigell oder, von jetzigen Ncologen ironisch und negirend gern ach ton Bemerkungeii überdie Gelehrsamkeit des^ Talmuds, so grund- und bodenlos wären; das wir vielmehr die Anlvendnng und Heilung des kalten Wassers, des Gegengiftes, der.Arzneireibung — wo ein mittelbares 'Einnehlnen nicht möglich ist — als ganz bekannt antreffen. Zeige ntau uns weiter eine theologisch-philosophische. Ethik, die ans den Talmud basiri wäre? Man überzeugte sich doch zuverlässig, daß das alte Jndenthnm — wenn ich es so nennen darf — nicht so barbarisch, wie man zu glauben geneigt ist, gegeir Andersglanbende gehandeltttvisstll will, daß eS vielmehr überaus Humane Lehren anempsiehlt. — Wo, fragen wir immer, werden unS in einer .Abhandlung die physikalisthell und astronomischen Kenntnisse des Talmuds oder unserer Vorzeit ansgezeige, die doch, wahrhastig keineswegs gerilrg sind. - Entdeckten wir hier :— und besonders tu deu kabbalistischem Schriften des -vnr — Vieles , woraus physikalische E.rperimente nnserer. N e u z e i t bernhell — unter andern auch worauf sich das Gesetz der Taucherglocke gründet — sehen wir ja sogar die Antipoden erwähnt, also beinahe ein Jahrtausend vor Entdeckung' Amerikas vor: diesem ncncn Welttheile eine Andeutung l 'di mb mm: ]b “jothn* id rijnN nw* — Wer wird mm — \mm es gethan hätte — noch frag eit, was zu thun' übrig bliebe?' Ob unsere Theologen, ob alle jüdische Gelehrten nicht Stoff genug hätten, tüchtiges in der eingeschlagenm/literarischen Bahn zu thun, und solche der Wiffeuschast Höchst fruchtbare Elemente befördern'könnten? Gehören, wenn wir es genau betrachten, alle diese Probleme selbst zur Tagesordnung, und ihre Lösung würde, wenn auch nicht so sehr vom ungelehrten , desto mehr vorn, gelehrten Publikum Dank erwerben. Wir schließen mit dem herzlichen Wunsche, daß unserer Anregung doch bald Genüge geleistet würde, und wir nicht vergebens diese Zeilen geschrieben hätten. I. S. Th. PoseN, 11. Novbr. sBr. Ztgch Endlich ist mi gestrigen Amtsblatte der hiesigen königlichen.'Negierung die wichtige Verordnung erschienen, nvodnrch die Lage derv jüdischen Bevölkerung im Grosherzogthum Posen, die bekanntlich noch manchen Provl'nzialbeschränkmlgen unterliegt, thcilweise wenigstens wesentlich gebessert wird. Die Eintheitmlg unserer Juden in naturalisirte und nicht naturalistrte dauert fort, uud während erstere nicht ohne manche Schwierigkeiten in andere Provinzen, des Staats nbersiedeln können, ist letzteren dies i>r der Regel gar nicht verstattet; sie sind also gewissermaßen noch glebae adscripti. Die Staatsregiermig hat wohl aus dem Grunde keine plötzliche Reformen in dieser Beziehung eintreten lassen wollen, nur nicht die übrigen Provinzen deS Staates ans einmal mit jüdischen Proletariern zu überschwemmen,'was nn fehl bar der Fall sein würde, wenn unfern tausend mib aber tausend kleinen Schacherjnden ertaubt würde, ihren Wohnsitz nach anderen Provinzen zu verlegen. Bei ihrer Virtuosität im gewandtcften Schacher würden sie daselbst»^anch unfehlbar gute Geschäfte machen. Die Lage dieser Volksklasse ist durch das neue Gesetz nicht altcrirt, wohl aber die der naturalisirten Juden. Die Hauptpunkte der neuen Verordnung sind nn ge fahr folgende: 1) Die naturalisirten Juden des Großherzogthllms Posen bedürfen bei der Verlegung ihrcö Wohnsitzes nach einer' andern Provinz des Staates nicht mehr einer Genehmigung des königl. Ministeriums dcs Innern, vielmehr haben dieselben in sol-

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