Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1847)
- Date
- 1847-12-10
- Page
- Seite 399 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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399 den, und die Drei W orte I o st's (ii: seinem neuesten Bande der isracl. Kultur-Geschichte) ,,daß das Werk s i ch se l bst g er i ch Le t h a b e" ist eben so zweideutig als munotivirt, wie so, wodurch und warum hat es sich selbst gerichtet?. Es wäre wünscheuSwerth, wenn unser geehrter Hr. Dr. Zost sich in diesem Blatte näher darüber aus sprechen würde; denn wer A gesagt hat sollte in der Regel auch B. sagen. — —*— N achschrift d e s Korrespondenten: Man wundere sich nicht, daß jetzt plötzlich so viele Sterne im Orient auftauchen; wir leben ja ill einer sehr erleuchteten und aufgeklärten Zeit! —- Jener glänzende Stern am Berliner Horizonte aber braucht auf mich nicht im geringsten eifersüchtig zu werden, da ich nur als schlichter Nord-Stern anftrete. — Schweden und Norwegen. Stockholm, 1. Novcmb. Bevor wir htrdj den herannahenden W mtcr, der unS zwischen eisbedecktcu unzugänglichen Meeren cinschließt, von unsern Brüdern in Deutschland aus 6 — 7 Monate getrennt werden, beeile ich mich Ihnen einige Skizzen, von dem hiesigen jüdischen Wesen und besonders von der hierorts von Herrn Dr. M or i tz L o e w ent h a l unlängst gehaltenen trefflichen Gastpredigt zu geben. Daß in ganz Schweden nur 100—110 jüdische Familien und zwar nur in den Städten Gothmburg, Stockholm und Norrkvpmg (in fü/$) wohnen, werden Ihre Leser gewiß schon wissen, wie es aber mn unsere religiösen Zustände, Schulen und wohlthätigen Anstalten steht, sollen sie jetzt aufs Nene erfahren. Jedoch wenn wir die Juden Schwedens näher beurtheilon wollen, so müssen wir vor Allem die älteren, welche von anderen Ländern, meistens Mecklenburg hierher eingcwandert sind, voll den jünger:!, welche hier ill Schweden geboren und erzogen wurden, genauer unterscheiden. Die C'rsteren, von denen cs jetzt schon nur noch sehr wenige giebt, bewahren natürlich noch imlner einige Spuren ihres ursprünglichen Vaterlandes; die Letzteren hingegen sind im vollen Sinne des Wortes jüdische Schweden und mit allen Vorzügen und Mängeln dieses Landes behaftet. Zwar wird man wohl im Auslande glauben^ da alle nordischen Völkerschaften überhaupt, durch ihre phlegmatische Gemüthsart und Abgeschlossenheit des Klima'S, sowohl von dem sanguinisch et: Rationalismus und leichtsinnigen Unglauben des Westens als auch.von der Schwärmerei und dem glühenden Fanatismus des Ostens und Südens verschont bleiben, daß auch die jüdischen Schweden von einem ernsten, tiefen lttld ruhigen Sinne für ächte Religiosität durchdrungen sind, aber dieses ist leider nur zun; Theit wahr; denn erstens ist mit dem vorigen Könige Bernadotte, aus Frankreich mich eine ziemliche Portion 'Pariser Leichtsinn und französischer JndiffermtMuus nach Stockholm ge-? kommen., der auch bei dm Juden so ziemlich Wurzel gefaßt; dann, hat der von deir Engländern herüb erg e.-? kommme praktische Materialismus , vereinigt mit einer? phönizischen Gewinn-, Prunk? und Genußsucht, fast alle wahre Religiosität bei dm Neichen und Begüterten ertödtet. Indessen haben sich die religiösen Zustände in den letzten Jahren wie in Deutschland auch hier um sehr Vieles gebessert. Wenigstens strebt und ringt ein großer Theil der.herangewachsenen Jugend nach Erkennt? niß des Gotteswortes, wahrhafter EebcmnuZ wird Bestie? dignng des religiösen Gefühls, denn die Thatsache, daß die Synagoge zu Gothenburg und Stockholm, trotzdem daß mau die Jozerot und Pijutim aus dem Gebete entfernt und ein ziemlich gutes Chor eingerichtet hat, dennoch selbst an Sabbaten und Festtagen wenig besucht wird, hat nicht wie man fälschlich glaubt in: -Mangel an religiösen: Sinne und Gottesfurcht ihre Knolle, sondern vielmehr in dem Umstande, daß die älteren Heute, denen das Hebräische durch Gewohnheit dermaßen ein? geprägt wurde, daß sie durch, dm bloßen Klang der un? verständlichen hebräischm Laute schon zur heiligen An? dacht gestimmt werden, von Tag zu Tage weniger wer? den, und die ^Heranwachsende Jugend, welche in Schweden geboren und gleichsam mit der Mntternülch zugleich auch die anmuthige schwedische Sprache emgcsogm, bei einem nur aus unverstäudlicheu hebräischen Stücken zu? sanuncugesttzten Gebete sich nur langweilet: :uuß. Den?.: den .ganzen Tag über sowohl in der Beruftthätigf'eit als im Familienkreise äußert dieselbe ihre Gedanken in der geläufigen Muttersprache, und in: Gottes haust, wo doch ebenfalls nur die Empfindungen der Seele, die sch lummen wer: geheime» 9 t eg nagen des Herzens durch den Sprachlant geweckt und enthüllet werden sollen, da -soll plötzlich das innige Band zwischen Gedanken und Mutteesprache gewaltsam zerrissen werdet: , um das lebendige Gefühl in tobte hebräische Worte hincinznztvänge!:. Dieses Ueber::atürlieh.e, den: Menschengcfuhte hohnsprechende Verfahren kann nur ein.solcher Geistlicher gut heißet:, der mit dem Zionswächter auf der Schaubühne der Religion den umgekehrten Prom etheus spielt, anstatt Licht und Aufklärung auf der Welt zu verbreiten, dieselben von der Welt nach dem Himmel zurücksendm möchte. Ganz anders verhält es sich mit dm Schulen der jüdischen Gemeinden. Diese gedeihen und gehen einer fortwährenden Vervollkommnung entgegen. In Gothenbürg steht an der Spitze der jüdischen Schute, der als tüchtiger Pädagog bekannte Rabb. Dw Heine mann, der in: Deutschen, Hebräischen und in der Religion Ut:- terricht ertheilt. Diese Schule, an der auch der wackere und tüchtige Lehrer Hcnrique mitwirkt, gehört zu den lüften der Stadt, daß selbst christliche Mitbürger vielfach