Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1847)
- Date
- 1847-12-10
- Page
- Seite 398 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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398 Die einzige Kliere., die ihmn Liö jetzt noch als Juden gelassen ist, ist die, daß' sie nämlich Felldscheerer nnd L e k ar s (Regiments - Chirurgen) werden können, welche Steile ihnen allerdings Mr U n t e r o f s i c i er s- und Offieiers-U'Ni form, keineswegs aber die Rech ie und den Charak/ter derselben, die den christlichen Beamten dieses' Klasse zu Eh e i l 'werden •—■■ verschafft, weil sie als Juden, vermöge der bestehenden Gesetze-, keinen eigenillchen Staatsdienst leisten, also auch nicht zu eigentlichen GtaatSdiencrn avaneircii können. Drcselbe BewanNlnß hat es auch mit dem Range eines . btöcherigen . Gemeindevorstehers ntid Rabbiners, der sich vermöge des bestehmdm Gesetzes, zwar zum Range des Kaufmanns erster und zweiter Gilde zählt, darf aber bei 'hohE Strafe von den Rechten derselben keinen Gebrauch machen. Hier ist recht passend das alte Volkslied anzu wenden ■: „Es glcbt einen Osfioier Von Papnw, Zwar nur Treffen, Bekommt aber Nichts zu essen! —" Run glaube man aber ja nicht , wie csdie.Zei- Lüngen-vielfach auspofaimendaß sted e r jüdische Soldatsich Kn russischen Militärdienste so sehr unglücklich fühlt'; mit Nichten! Die Nüchternheit, dir Genügsamkeit und endlich allerdings auch jene Geistesgegenwart, die dein Inden in alle): LebenSverhaltnissen eigen ist, und wodurch er sich auch tu jedes Verhältniß zu fügen weiß, macht, daß der jüdische Soldat sich auch in russischen Militärdiensten recht wohl zu verhalten weiß, und oft sich eben so, ja viel besser noch als in freiem Staude befindet , und'treu seinem Glauben, wie seinem Kaiser lebend, — wie dieses die Militärobrigkeiten schon oft genug zu bezeugen Gelegenheit hatten, — ist er stets jufvrcbcn und wohlgemuth und weiß kein anderes Glück als zu entbehren und für Gott, den Kaiser ttnb seine eigene Familie, wenn dr welche hat, zu leben und zu st erb eil. — Besonders glücklich leben diejenigen jüdischen Militärs, dir in den großem Städten des Reiches in Garnison stehen, und die gew'öhnlich auch Familie haben. Erhebend 'ist der Anblickwenn man sie in Petersburg, Riga und Milan ihre NOD am Laub Hütten feste ungenirt an öffentlichen Straßen aufbanen und -ihre religiösen Zeremonien darin ohne -alle Scheuverrichten sieht. ----- So bauen die 'jüdischen Soldaten^ die in Riga in Garnison stchm, alljährlich mit Erlanbniß des Stadt- Kotumandanteu, ihre Sukkot aus öffentlicher Straße bei ihren Kasernm, die in 'einem der lebhaftesten Stadttheile gelegen ist (zwischen der großen Post -und dem Karls-Thvro) ans, und während 'sie darin 'essen und ähre Tisch-Semirot IkS 'Uüd rf?J/ pm JT in echt Icational - Melodien gemüthlich abstngen, steht draußen, auf Anordnung der Militär-Obrigkeit, ein christlicher Soldat Schildwache, daß ihnen Nichts Angebühn'ndes geschehe. Es fällt aber auch Niemanden ein, sie in ihrer wahrhaft patriarchalischen Hans sich keiti auf irgend eine Weise zu kränken oder ihrer 'Religion zu spotten. — Diesmal habe ich Ihnen zugleich eine Neuigkeit aus Wilnür zu berichten. Wilna, dieses russische Jerusalem, diese der Sitz der strengsten Orthodoxie, diese Stadt hat sich nokns yolens resormirt. —- Was? hat sie vielleicht den Sonnabend, wie ihre Kleiderlracht, auf den Sonntag verlegt, oder hat sie vielleicht eine Rabbiner- oder Theotogen-Versammlung ausgeschrieben u n d ui ch t g c h a l t e n , oder giebt sie eine Zeitschrift in Folio heraus? Rein; Nichts von allem dem; — aber sie hat sich ein geregeltes Gotteshaus gegründet, und unter der Benennung Knpn mritt geschmackvoll eingerichtet; hat daselbst einen anständigen, stillen und erbaulichen Gottesdienst hervorgerusen, hat die trwp und nur mit Auswahl beibehalten und Predigt eingesnhrt. Nur darf man nicht glauben, daß alle Wituaer sich dazu verständigt hätten, solch ein Wunder ist noch nicht geschehen; wohl aber kann ich versichern, daß die Angesehensten und Geachtetsten cs gethan haben, die nicht nrlr als große Talmud-Gelehrten, sondern auch als strenge Orthodoxen, die selbst der ZW. zu seinen Korrespondenten zu haben sich eine Ehre machen würde, allgemein gelten. — Auch die Nabbiner¬ und Lehrerschnle wird hier noch im Laufe des Jahres, so Gotte will, ins Leben gerufen werden, von der ich Ihnen zu seiner Zeit berichten werde. — Außer jenen Literatur - Erzeugnissen, von welchen Ihnen schon Herr R. I. Wunderbar in Riga von Zeit zu Zeit genau berichtet,— habe ich Ihnen noch mitzutheilcu, daß Herr Dr. P inner jetzt in unserer Gegend-anwesend ist und seinen Talmud feil bietct. Er stößt aber gar oft ans Nebenbuhler, die auch ihrerseits ihren Talmud sammt allem Zubehör und um viel bittigcrn Preis noch los zu werden wünschen; weshalb er nur sehr geringen Absatz findet. Offen gesprochen, verdient Herr Pinner mehr Aufmunterung, als sie ihm bis jetzt vom Publikum geworden ist. Denn mag sein Werk einerseits-allerdings ziemlich mangelhaft ausgefallen sein, so wird es doch andererseits gewiß auch recht viel GutcS für sich aufzuweisen haben. Deshalb ist eS untobtich, das Ganze schlechterdings zu iguorireii und es dadurch im Keime zu ersticken. Nicht eininal einer Kritik ist cs von unfern Gelehrten, trotz dein es schon seit 6 Jahren erschienen ist, gewürdigt worden; und während nnfere schreib- und kritikfüchtige 'Welt über ruanche noch so unbedeutende Predigt, über manches noch so trockene Geschiehtchenbuch ein Weites und Breites sich einläßt, hat sich zu diesem Pimrerschen Werke (desseil erster B a n d v o tlstä nd ig g cg eben und typ ograp h i sch prachtvoll ausgestattet ist) bisher nicht allein kein Kritiker, sondern auch nicht einmal ein Referent gefnn-