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Der Orient · 1847-12-10 · Heft 50 (10.12.1847) · p. Seite 400

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 50 (10.12.1847)
Date
1847-12-10
Page
Seite 400 (sequence 15)
Language
German
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400 den Wunsch geäußert Haben, ihre Kinder in diese Schule schicken zu dürfen , was ihnen jedoch statutengemäß abgeschlagen wurde. Dieses ist auch ln Stockholm der Fall, wo der Rabb. Dr. Selig mann ebenfalls an der Knaben- und Mädchenschule den Religionsunterricht ertheilt. In den übrigen Fächern unterrichten andere tüchtige Lehrer, von denen besonders der strebsame und sehr beliebte Kantor Hr. Lipmanson und der Magister Schick namentlich genannt zu werden verdienen. Das Landesgesetz Skandinaviens, daß Keiner in einen Beruf oder in ein eheliches Bündniß treten darf, wenn er nicht vom fungirenden Geistlichen einen Konfirmationsschein Nachweisen kann, befördert sehr den fleißigen Besuch der Schule. Denn wer diesen vernachlässigt, hat zu gewärtigen, daß ihm der Rabb. selbst bis in sein dreißigstes Jahr als zur Konfirmation unreif, von jeder Berufsthäiigkeit cmsschließen werde. Jedoch auch dieses heilsame Landesgesetz wird nicht immer von den Rabb. zum Besten der Schule und zur Beförderung der wahren Erziehung angewendet. So giebt es in Kopenhagen, wo über 800 jüdische Familien leben, außer der Armenschule nicht' eine «einzige Lehranstalt für Israeliten, und doch wurden alle vom Rabb. Dr. Wolf konfirmirt, ohne daß sie auch nur das' Mindeste von: Judeuthume wußten. Ja, als der dortige Kantor Hr. Rosenseld mit dem Dr. Levisohn eine jüdische Schule gründen wollte, so hat der Dr. Wolf dieses Unternehmen zu Hintertreiben gewußt. Nun lassen Sie mich noch eines für uns sehr erfreulichen Vorfalls erwähnen, der hier, wo auswärtige tüchtig gebildete Gelehrte so selten sich sehen lassen, eine außerordentliche Sensation erregt hat. Es hat nämlich der durch seine Kenntnisse und besonders durch die Herausgabe seines trefflichen BucheS: ,/Praktische Philosophie des Hiob" allgemein bekannte Dr. Moritz Loewenthal auf seiner Reise durch Schweden auch unsere Stadt und Umgegend besucht. Der Verfasser und sein Werk wurden sowohl von den Theologen und Orientalisten der Universität Upsala, als auch von dem gebildeten Publikum hiesiger Stadt sehr freundlich und mit gebührender Hochachtung ausgenommen, und da der Dr. Loewenthal auch viele Moreuu's und Hatarot- Haraot von berühmten Rabbinen besitzt, so wurde ihm vom hiesigen Rabbiner und Vorstande der Gemeinde der ehrenwerthe Äuftrag zu Theil, am Hüttenfeste in der Synagoge zu predigen. Daß der Dr. L. eine tüchtige Predigt zu verfassen versteht, können Ihre Leser aus seinem Hiob zur Genüge ersehen, wo der Verf. viele glänzende Proben von homiletischen Fähigkeiten an den Tag legt; daß aber derselbe in einer streng rhetorischen, von schönen Bildern reich durchwebtm, ganz freien Sprache über die schwierigsten Wahrheiten der Religion Verlag von C. L. Fri tz sch e. das gemischte Publikum dennoch länger als anderthalb Stunden in der gespanntesten Aufmerksamkeit zu erhalten und es allesammt vollkommen zu befriedigen vermochte, verdient der Wahrheit zur Ehre öffentlich mitgetheilt zu werden. Und da die Predigt eine der wichtigsten Zeitftagen, „ das Ewig-Bestehende im Judenthume" freinlüthig behandelte, so erlaube ich mir in Kürze den Inhalt derselben, wie er noch in meinem Gedächtnisse lebt. Ihnen hier mitzutheilen: Zuerst setzte der Redner in der Einleitung auseinander, wie es in der gegenwärtigen Zeit des Schwankens und schnellen Wechselns eine heilige Pflicht sei, sich das Ewig-Bestehende klar vor die Seele zu führen, um daran als festem Anker in den religiösen Wirren und Zeitstürmen festzuhalten. Und als solches kann nur das reine Gotteswort angesehen werden (Jes. 40, 8). Dann bewies der Redner, daß der Gehalt und Werth dieses Gotteswortes, geschrieben im Alterthume, dennoch auch für uns eine Quelle der Belehrung sein könne, denn es giebt nichts ganz Neues, seitdem den Israeliten die S o n n c der Offenbarung aufge gangen", (Koh. 1, 9). Hub selbst alle Gesetze und Vorschriften dieses Gotteswortes sind, wenn auch nicht dem todten Buchstaben und der äußeren Form, so doch der ursprünglichen Idee und dem lebendigen Worte nach ewiglich bestehend. „Denn dieses ist der ewige Bund Gottes mit Israel, daß der Geist und das ihn darstellende Wort des Mundes nicht weichen sollen von nun bis in Ewigkeit" (Jes. 59, 27). (Beschluß folgt.) Personalchroirrk und Miseelle«. Florenz. Wie die Gemeinde zu Rakel haben die englischen Juden dem Kirchcnfürsten Pius I& eine Dankadresse fuv seine humanen und gerechten Gesinnungen gegen die Juden seines Staates überreicht München. Hier ist Etwas für eine neue Anregung der Iudenfrage geschehen. Der dritre Ausschluß der Adgeordneten-Kammer hatte über die Vorstellung der Münchner Israeliten sich auszusprechen; er wählte Freiherr von Lindenfeld zum Referenten, der auf Erneuerung des vorjährigen Kammerbeschlusses angetragen, was auch angenommen wurde. Die Sache liegt also jetzt blos an dem Willen oder in der Misliebigkeit der Regierung, ob in nächster Zukunft etwas geschehen wird. —- Druck von I. H. Nagel.

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